„Innovation ist unser Erfolgsrezept“

Interview mit Melanie Schmidt, Leiterin Entwicklung und Vertrieb der SONOTEC GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Schmidt, Ihr Unternehmen überschreibt seine Mission gerne mit dem Satz: „Ultraschall ist unsere Stärke.“ Wo genau setzen Sie diese Stärke ein?

Melanie Schmidt: Seit über 30 Jahren entwickeln wir unter anderem messtechnische Applikationen und Lösungen, die in verschiedensten Industriebereichen Anwendung finden. Unsere Durchfluss- und Luftblasensensoren fließen beispielsweise in medizintechnische Vorrichtungen ein, wo sie dann etwa in Dialysemaschinen erkennen, ob sich in dem geschlossenen System eine Luftblase befindet, die das Leben des Patienten gefährden könnte, während sie im Rahmen der Prozessüberwachung bei der Herstellung von Impfstoffen den Durchfluss messen, damit stets die richtige Dosis abgefüllt wird. Darüber hinaus bieten wir mit unserem SONAPHONE auch entsprechende Handgeräte an, mit denen sich im Fabrikumfeld etwa Druckluftleckagen erkennen lassen. Im Rahmen der vorbeugenden Instandhaltung werden sie auch vielfach zur Maschinendiagnose eingesetzt, um so eine etwaige Ausfallzeit zu reduzieren oder im besten Falle vollständig zu verhindern. Darüber hinaus bieten wir mit unseren Ultraschallwandlern auch Geräte an, die beispielsweise in Molchen eingesetzt werden, die durch Ölpipelines fahren und dort die Innenwände auf Risse untersuchen. Sie kommen aber auch häufig bei der Schienenprüfung im Eisenbahnmarkt oder bei der allgemeinen Blechprüfung im Industriekontext zur Anwendung.

Wirtschaftsforum: Gerade das Impfstoff- und Medtech-Segment hat in den letzten Jahren nicht zuletzt pandemiebedingt einen enormen Boom erlebt, während bei vielen Anlagen und Komponenten Lieferengpässe bestanden. Wie ist SONOTEC mit dieser Herausforderung umgegangen?

Melanie Schmidt: Sobald nach der Erstellung des Pflichtenhefts sowie der daran anschließenden Funktionsmuster- und Prototypenphase erst einmal die genaue Ausgestaltung der Lösung festgelegt wurde, fällt es unseren Kunden aus der Medizintechnik aufgrund der engen regulatorischen Anforderungen oft sehr schwer, Änderungen am Produkt zu akzeptieren. Vor dem Hintergrund der allgemeinen Lieferkettenproblematik sind wir trotz einer weitsichtigen Bevorratung jedoch bisweilen gezwungen gewesen, im Rahmen eines gesteuerten Änderungsmanagements in engem Austausch mit unseren Kunden entsprechende Anpassungen vorzunehmen. Dies betraf mitunter lebenswichtige Anwendungsfelder, die gerade auch bei der Behandlung von Covid-19-Patientinnen unabdingbar waren – so werden unsere Durchflusssensoren unter anderem in ECMO-Maschinen eingesetzt. Hätten wir hierbei nicht gemeinsam mit unserem Kunden dynamisch auf die Problematik bei der Beschaffung essentieller Komponenten reagieren können, wären wir nicht lieferfähig gewesen. Das durfte selbstverständlich nicht passieren. Selbiges galt für unsere Geräte, die in der Impfstoffherstellung Verwendung finden. Durch eine deutliche Aufstockung unserer Lagerbestände sowie das tiefgreifende Know-how unseres Produktentwicklerteams und den unermüdlichen Einsatz unserer Kolleginnen und Kollegen aus dem Procurement konnten wir sämtliche Herausforderungen jedoch zielsicher bewältigen und gerade in diesen sensiblen Bereichen eine Lieferfähigkeit von 100% aufrechterhalten.

Wirtschaftsforum: Wie gestaltet sich die Beschaffungssituation heute – ist inzwischen Entspannung eingetreten?

Melanie Schmidt: Bisweilen hat sich die Lieferkettenproblematik bei SONOTEC mit einiger Verzögerung bemerkbar gemacht, weshalb wir 2023 bei manchen Komponenten sogar schwerer von Engpässen betroffen waren als in den Vorjahren. So ist ein kritisches Bauteil, das das Herzstück des Senders in einem unserer Produkte bildet und deshalb nicht sinnvoll durch ein anderes auf dem Markt ersetzbar ist, weltweit über keinen Broker beschaffbar gewesen. Hier mussten wir uns mit großem Aufwand alternative Quellen erschließen, um unsere Lieferfähigkeit nachhaltig aufrechterhalten zu können. In gewisser Weise ist diese Problematik auch Ergebnis unseres Erfolgs aus den vergangenen Jahren – denn 2022 erreichten wir sogar ein Umsatzwachstum von 30%.

Wirtschaftsforum: Welche Perspektiven ergeben sich daraus für die nächsten Jahre?

Melanie Schmidt: Wir werden sicherlich gemeinsam mit unseren Kunden wie auch mit neuen Partnern weiterwachsen, wenn auch nicht mehr in den Dimensionen der letzten Jahre – das wäre auch nicht gesund für unsere Organisationsstruktur. Selbstverständlich investieren wir weiter in neue Maschinen, Technologien und auch ein neues Gebäude, das wir im März 2024 in Ergänzung zu unseren derzeitigen Liegenschaften beziehen werden. Dabei wollen wir uns mit unseren fortschrittlichen Produkten zudem beständig neue Applikationsfelder erschließen, um unser Knowhow nachhaltig in eine Vielzahl von Branchen zu tragen – denn nur durch konsequente marktorientierte Innovation erreichen wir unsere gesteckten Ziele. Wir wissen jedoch, dass wir diesen Weg als mittelständisches Unternehmen nicht alleine bestreiten können, weshalb wir auf eine enge Verzahnung mit regionalen Kooperations- und Forschungspartnern sowie mit Universitäten und Hochschulen setzen. Damit wollen wir auch perspektivisch unsere Stärke Ultraschall konsequent ausspielen.

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