Formvollendet

Interview mit Rainer Schenk, Geschäftsführer der FBR Facondrehteile GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schenk, vor vier Jahren konnte die FBR ihr 40-jähriges Firmenjubiläum feiern. Was waren die wichtigsten Meilensteine in diesen vier Jahrzehnten? 

Rainer Schenk: Alles begann 1981, als Hubert Reiser und Anton Beinl sich selbstständig machten. In einem Keller fertigten sie die ersten Präzisions-Drehteile, zu der Zeit noch ohne innovative Maschinen, dafür mit handwerklichem Geschick und Know-how. Nur drei Jahre später zog das Unternehmen in ein Gewerbegebiet um, wo eine Fertigungshalle inklusive Bürogebäude gebaut wurde. Seitdem wurden die Kapazitäten alle fünf Jahre erweitert, sei es durch Neu- oder Anbauten oder die Übernahme eines neuen Projekts. Stillstand gab es nie. 

Wirtschaftsforum: Sie sind seit 2019 Geschäftsführer des Unternehmens. Wie ist die FBR heute, nach diesem dynamischen Wachstum, aufgestellt? 

Rainer Schenk: Heute beschäftigen wir rund 70 Mitarbeiter. Um die 15 Mitarbeiter sind im Büro tätig, der Rest in der Montage und hier vor Ort in Früh- und Spätschichten. Unser Portfolio ist geprägt von der Bearbeitung formgebundener Bauteile. Dafür kaufen wir Guss- oder Schmiederohlinge, die wir mittels Zerspanung je nach Kundenspezifikation in die richtige Form bringen. Ein wichtiges Standbein ist damit die Lohnzerspanung für die Landtechnik, den allgemeinen Maschinenbau, Getriebebau und die Fahrzeugindustrie; Letztere spielt jedoch nur eine untergeordnete Rolle. 

Wirtschaftsforum: Gibt es neben der Lohnzerspanung ein zweites Standbein? 

Rainer Schenk: Ein Highlight ist unser eigener Hydraulikzylinder, der patentierte Safety Lock-Zylinder, den wir 2014 eingeführt haben. Das Besondere ist, dass er hydraulische und mechanische Verriegelung kombiniert und erhöhte Sicherheit in hydraulischen Anwendungen bietet. Wir konnten hier sämtliche Fräs- und Drehteile aus unserem Produktionsspek­trum einfließen lassen. Der Zylinder wird in einer Halle kon­struiert, in einer anderen komplett montiert und geprüft. Zusätzlich fertigen wir für verschiedene Spanmittelhersteller entsprechende Spanmittel als Bauteile, die von den Kunden montiert und weiterverkauft werden. 

Wirtschaftsforum: Die FBR hat konsequent in modernste Technik investiert und nutzt heute einen State-of-the-Art-Maschinenpark. Welche Rolle spielen digitale Technologien? 

Rainer Schenk: Digitalisierung ist für uns längst fester Bestandteil des Arbeitsalltags. Wir nutzen soziale Netzwerke gezielt für das Recruiting und digitale Business-Netzwerke sowie branchenspezifische Plattformen zur Vernetzung mit Kunden und Partnern. Intern arbeiten wir seit mehreren Jahren mit modernen Kommunikations- und Projektmanagementlösungen und haben zwar noch kein papierloses, aber ein deutlich papierärmeres Büro. In der Fertigung stützen wir uns auf ein leistungsfähiges ERP-System, mit dem wir unsere Prozesse durchgängig abbilden können – damit fühlen wir uns für Themen wie Industrie 4.0 und perspektivisch auch KI gut aufgestellt. In Unterallgäu wurden wir erst vor Kurzem an das Glasfasernetz angeschlossen – ein wichtiger Schritt, der unsere weitere digitale Entwicklung deutlich erleichtert. 

Wirtschaftsforum: Sie arbeiten international und sind branchenoffen; wie haben sich die vergangenen Jahre mit Herausforderungen wie Corona und dem Krieg in der Ukraine für die FBR dargestellt? 

Rainer Schenk: Es gab immer wieder neue Situationen, auf die wir uns einstellen mussten. Wichtig war und ist dabei, die Herausforderungen gemeinsam im Team anzunehmen und Lösungen zu finden – auch wenn das nicht immer einfach ist, weil sich die Rahmenbedingungen mitunter sehr kurzfristig ändern. Diese eingeschränkte Planungssicherheit erfordert von uns gegenüber Mitarbeitenden und Kunden umso mehr Klarheit, Verlässlichkeit und eine konsequente Linie.

Wirtschaftsforum: Die Digitalisierung ist ein großer Trend der Gegenwart; ein weiteres Thema ist die Nachhaltigkeit. Wie geht die FBR mit dem Thema um? 

Rainer Schenk: Wir versuchen, durch viele kleine Maßnahmen nachhaltig zu handeln. Ein gut ausgelegtes ERP-System unterstützt uns dabei sowohl im Büro als auch in der Fertigung, Prozesse zu optimieren und Ressourcen effizienter einzusetzen. Letztlich kann man CO2 nur dadurch reduzieren, dass man insgesamt weniger verbraucht. Außerdem haben wir eine 400-Wp-Photovoltaikanlage installiert und warten seit zwei Jahren darauf, dass sie endlich ans Netz angeschlossen werden kann. 

Wirtschaftsforum: Sie haben bereits Planungsunsicherheiten und schwerfällige bürokratische Abläufe angesprochen, die Deutschlands Wirtschaft kränkeln lassen. Wie blicken Sie vor diesem Hintergrund in die Zukunft? 

Rainer Schenk: Ja, die deutsche Wirtschaft steht vor Herausforderungen. Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht positiv entwickeln, werden viele Unternehmen weiterhin unter Druck stehen. Umso wichtiger wird es im nächsten Jahr sein, den ins Stocken geratenen Wirtschaftsmotor wieder in Bewegung zu bringen. Deutschland sollte auch künftig für Qualität „Made in Germany“ stehen – Stillstand ist keine Option, wir müssen gemeinsam in die richtige Richtung gehen. Hier am Standort Kirchhaslach haben wir sehr gute Voraussetzungen, um weiter zu wachsen, und wir werden unseren Beitrag dazu leisten. 

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