Versorgung der Zukunft: nachhaltig, digital, sicher

Interview mit Dino Höll, Geschäftsführer der Dessauer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH – DVV – Stadtwerke

Wirtschaftsforum: Herr Höll, die Stadtwerke Dessau sind ein zentraler Bestandteil der Daseinsvorsorge in der Region. Können Sie uns kurz die Unternehmensstruktur und die Kernbereiche vorstellen?

Dino Höll: Wir sind als kommunales Unternehmen zu 100% in öffentlicher Hand und leisten einen entscheidenden Beitrag zur Versorgungssicherheit in Dessau-Roßlau. Unser Unternehmen gliedert sich in vier große Geschäftsbereiche: Energieversorgung, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, öffentlicher Nahverkehr sowie Telekommunikation. Darüber hinaus engagieren wir uns in erneuerbaren Energien, Infrastrukturprojekten und IT-Dienstleistungen. Mit rund 424 Mitarbeitern und einem Umsatz von 260 Millionen EUR sind wir einer der größten Arbeitgeber der Region.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihr Engagement für Nachhaltigkeit aus?

Dino Höll: Nachhaltigkeit ist für uns kein Trend, sondern eine Verpflichtung. Bereits 2017 sind wir aus der Braunkohle ausgestiegen, investieren in Photovoltaik- und Windparks und treiben die kommunale Wärmeplanung voran. Ein Beispiel ist unser Fernwärme-Transformationsplan, der den CO2-Ausstoß drastisch reduzieren wird. Außerdem setzen wir seit vielen Jahren Bio-Erdgasbusse ein, weil wir glauben, dass Nachhaltigkeit wirtschaftlich tragfähig und sozial akzeptabel sein muss.

Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie mit den Herausforderungen der Digitalisierung um?

Dino Höll: Die Digitalisierung bietet enorme Chancen zur Optimierung von Energieflüssen, Netzinfrastruktur und Kundenkommunikation. Gleichzeitig unterliegen wir als kritische Infrastruktur hohen Sicherheitsanforderungen. IT-Sicherheit hat oberste Priorität, besonders in der Trinkwasserversorgung und Kraftwerkssteuerung. Wir beobachten den Markt für KI, doch Datenschutz und Versorgungssicherheit stehen für uns an erster Stelle.

Wirtschaftsforum: Fachkräftemangel ist ein großes Thema. Wie begegnen Sie diesem Problem?

Dino Höll: Wir haben in den letzten zwei Jahren rund 80 neue Mitarbeitende eingestellt – eine enorme Zahl für ein Unternehmen unserer Größe​. Unser Ziel ist es, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, der Fachkräfte nicht nur gewinnt, sondern auch langfristig hält. Dafür setzen wir auf flexible Arbeitsmodelle, Weiterbildungsangebote und attraktive Zusatzleistungen, wie zum Beispiel das kostenlose Laden von Elektrofahrzeugen für unsere Mitarbeitenden​. Die größte Herausforderung bleibt aber die Nachbesetzung von Ingenieursstellen, insbesondere im Bereich Wasser- und Abwassertechnik.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihre Marketing- und Expansionsstrategie aus?

Dino Höll: Unser Fokus liegt auf regionaler Verankerung mit überregionaler Reichweite. Wir versorgen nicht nur Dessau-Roßlau, sondern bieten Telekommunikations- und Energiedienstleistungen deutschlandweit an. Dabei setzen wir auf zielgerichtetes Marketing, strategische Kooperationen und eine starke lokale Präsenz, etwa durch Sponsoring regionaler Veranstaltungen. Unsere hohe Markenbekanntheit in der Region ist für uns ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur in Ihrer Strategie?

Dino Höll: Unsere Unternehmenskultur steht für Transparenz, Veränderungsbereitschaft und Vertrauen. Durch gezielte Changemanagement-Prozesse rüsten wir unser Team für zukünftige Herausforderungen. Ein Beispiel: Führungssteckbriefe auf allen Managementebenen sorgen für klare Verantwortlichkeiten. Unser Ziel: Ein Arbeitsumfeld, in dem sich Mitarbeitende entwickeln können und gerne bleiben.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie die Zukunft der Stadtwerke Dessau?

Dino Höll: Unsere Strategie bis 2025 basiert auf drei Säulen: erneuerbare Energien, nachhaltige Infrastruktur und digitale Lösungen. Wir investieren gezielt – von der kommunalen Wärmeplanung über den Ausbau regenerativer Energien bis zur Modernisierung unserer IT-Systeme. Ein wichtiger Schritt ist unser Fernwärme-Transformationsplan, mit dem wir CO2-Emissionen senken und die Wärmeversorgung sichern. Auch digital entwickeln wir uns weiter – zuletzt mit der Umstellung auf SAP S/4HANA, um Prozesse effizienter und sicherer zu gestalten. Als Treiber der regionalen Entwicklung setzen wir auf verantwortungsbewusste Innovationen und nachhaltige Lösungen. Die Herausforderungen sind groß – Energiewende, regulatorische Vorgaben, geopolitische Entwicklungen –, doch ich bin überzeugt: Wer langfristig investiert, innovative Lösungen vorantreibt und flexibel auf Veränderungen reagiert, wird nachhaltig erfolgreich sein.

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