Wenn jeder Hundertstel­millimeter zählt

Interview mit Luc De Sutter, Geschäftsführer der Soenen Technology nv.

„Ich gebe immer diese Beispiele, weil jeder das zu Hause hat und nie wirklich gesehen hat, was dahintersteckt“, erklärt Luc De Sutter, Geschäftsführer von Soenen Technology. Das perforierte Blech in der Mi­krowellentür mag unscheinbar wirken, doch die Anforderungen sind enorm: Die Genauigkeit muss höher als 0,02 mm sein. „Wenn man 0,03 mm Abweichung hat, sieht man bereits eine Linie“, verdeutlicht er die Herausforderung. Diese Präzision erreichen die mechanischen Hochgeschwindigkeits-Perforierpressen des Unternehmens bei bis zu 800 Hüben pro Minute, das sind zehn Hübe pro Sekunde.

Drei Nischenmärkte, eine Philosophie

Die Geschichte von Soenen Technology beginnt 1924, als Romain Soenen mit der Herstellung handgefertigter Werkzeuge und kleiner Exzenterpressen startete. Den entscheidenden strategischen Schritt

machte jedoch sein Sohn Hubert in den 1970er-Jahren: Er entschied sich gegen Standardmaschinen und für hoch spezialisierte Sonderpressen. „Hier in der Umgebung gab es viel Wettbewerb bei Standardscheren und Biegemaschinen“, erklärt Luc De Sutter. „Die Entscheidung, Sonderpressen zu machen, war der Wendepunkt.“ Heute ist das Unternehmen in drei hoch spezialisierten Bereichen tätig: Perforierpressen, Trafo-Querteilanlagen und Stanzanlagen für die Lkw-Industrie. Besonders im Transformatorenbau hat sich Soenen einen Namen gemacht. Die extrem dünnen Bleche – zwischen 0,2 und 0,3 mm dick – werden mit einem Schnittspalt von nur einem Hundertstelmillimeter bearbeitet. „Die Vorschubgenauigkeit ist entscheidend, um in den Transformatoren wenig Energieverlust zu haben“, betont Luc De Sutter. Aktuell baut das Unternehmen Anlagen für weltbekannte Transformatorenhersteller. Der dritte Geschäftsbereich sind Stanzanlagen für Lkw-Hersteller. Die von Soenen entwickelten 3D-Stanzanlagen können flexibel Löcher in Rahmenlängsträger stanzen. „Wir sind dort fast die Einzigen weltweit, die solche speziellen Maschinen bauen“, sagt Luc De Sutter. Die Präzision ist auch hier entscheidend, denn die Lkw-Bauer arbeiten just in time. „Die Träger werden gestanzt, liegen einen Tag auf Lager und gehen dann in die Montage“, beschreibt Luc De Sutter den engen Zeitplan. „Das heißt, die Anlage darf nicht stillstehen. Wenn sie zwei Tage steht, steht auch die Assemblage der Lkw still. Das ist inakzeptabel.“ Die Löcher müssen mit einer Toleranz von plus minus 0,4 mm gefertigt werden. „Wenn ein Loch nur einen Millimeter verschoben ist, kann man es nicht mehr in der Montagelinie montieren“, verdeutlicht der Geschäftsführer die Anforderungen. Entsprechend haben Kunden (oder Kundenzulieferer) wie DAF, Volvo, MAN, IVECO, Daimler und die großen asiatischen Lkw-Bauer Dongfeng, FAW, Sinotruk, Ashok Leyland, Tata, Daewoo und Hyundai auf Soenen-Technologie gesetzt.

Qualität als DNA

Was macht den Erfolg des Unternehmens aus? „Qualität“, antwortet Luc De Sutter ohne zu zögern. „Wir streben immer nach der höchsten Qualität. Unsere Maschinen sind schwer. Wir können keine einfachen, leichten Maschinen bauen.“ Diese Philosophie trägt das Unternehmen und seine Produkte: Die Maschinen haben eine Lebensdauer von mindestens 30 Jahren. „Wir sind nicht immer die Billigsten, aber wir liefern Qualität“, betont der Geschäftsführer. „Das zeigt sich dann in einer langen Lebensdauer und darin, dass es keine Probleme beim Kunden gibt.“ Mit rund 70 Mitarbeitern und einem Umsatz von etwa 20 Millionen EUR deckt Soenen die gesamte Wertschöpfungskette ab: von der Angebotserstellung über Konstruktion und Berechnung bis zur Fertigung aller Maschinenkomponenten – vom Schweißen bis zur Feinbearbeitung. Auch die elektrischen Schaltschränke und die Software werden inhouse entwickelt. Jede Maschine ist ein Einzelprojekt und wird in Roeselare komplett aufgebaut, in Betrieb genommen und getestet, bevor der Kunde zur Vorabnahme kommt. Dann wird die Maschine demontiert, verpackt und verschifft. Soenen-Monteure bauen sie beim Kunden wieder auf, nehmen sie in Betrieb und schulen das Personal. „Das hat auch den Vorteil, dass wir einen kompletten Service bieten können“, erklärt Luc De Sutter. „Wir haben alle Zeichnungen aus den letzten 30 bis 40 Jahren. So können wie Ersatzteile liefern, auch wenn die Maschine 40 Jahre alt ist.“

Innovation als Antrieb

Seit Ende 2016 gehört Soenen zur Valtech-Gruppe, doch die Innovationskraft ist geblieben. In den letzten Jahren hat das Unternehmen zahlreiche Patente in allen Bereichen angemeldet und bereits einige erhalten. „Wir entwickeln auch Sondermaschinen“, berichtet Luc De Sutter. So entstanden beispielsweise 14 Sondermaschinen zum Perforieren von Latexmatratzen oder eine spezielle Anlage für den Boeing Dreamliner, um Titanprofile zu schneiden und mit Laser zu schweißen. Aktuell entwickelt das Unternehmen die 3. Generation einer Maschine, um die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) in Lkw-Längsträger zu stanzen. Die globale Ausrichtung ist stark ausgeprägt: „Unsere Maschinen gehen fast ausschließlich in den Export“, sagt Luc De Sutter. Hauptmärkte sind Deutschland, die USA, Indien, Brasilien, Thailand und die Türkei. Die drei Nischenmärkte bieten dabei einen entscheidenden Vorteil: „Die Märkte wechseln sich immer ein bisschen ab“, erklärt Luc De Sutter. „Dieses Jahr laufen die Stanzanlagen für Lkw-Rahmen sehr gut, der Perforierpressen-Bereich ist etwa ruhiger, aber im Trafo-Bereich geht es jetzt hoch. Das ist der Vorteil, dass wir in verschiedenen Bereichen tätig sind.“ Soenen stellt auf der Cwieme in Berlin und der EuroBlech in Hannover aus.

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