Wenn Nachhaltigkeit unter Strom steht

Interview mit Dr. Ludwig Dobmeier, Geschäftsführer der EDV- und Elektrotechnik Hardy Barth GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Dobmeier, Sie sind erst seit Kurzem Geschäftsführer bei Hardy Barth. Was hat Sie an diesem Unternehmen besonders gereizt?

Dr. Ludwig Dobmeier: Ich bin seit diesem Jahr im Unternehmen und verantworte dort den kaufmännischen Bereich – vom Vertrieb über die Organisation bis hin zur Strategie. Mich hat das Unternehmen aus mehreren Gründen sofort überzeugt: Zum einen, weil ich aus der Region komme und es spannend finde, wie viele sogenannte Hidden Champions hier beheimatet sind und einen positiven Beitrag zu unserer Wirtschaft leisten. Zum anderen, weil Hardy Barth in einer Branche tätig ist, die unmittelbar Zukunft gestaltet. Wir arbeiten an Lösungen, die die Energieversorgung von morgen prägen – das ist nicht nur wirtschaftlich spannend, sondern auch gesellschaftlich sinnvoll.

Wirtschaftsforum: Das Unternehmen hat ja eine beeindruckende Entwicklung hinter sich. Wie hat sich Hardy Barth in den letzten 25 Jahren verändert?

Dr. Ludwig Dobmeier: Gestartet ist alles als klassischer Elek­trofachbetrieb von Hardy Barth. 2001 wurde die erste Photovoltaikanlage installiert – damals noch mit echtem Pioniergeist. 2010 folgte der erste Batteriespeicher, und 2012 haben wir die E-Mobilität als neues Standbein aufgebaut. Unsere erste selbst entwickelte Wallbox war damals eine echte Innovation. Heute produzieren wir diese in unserer eigenen, energieautarken Produktionshalle. Wir sind also vom Handwerksbetrieb zum Technologieführer für nachhaltige Energielösungen gewachsen.

Wirtschaftsforum: Welche Leistungen bietet Hardy Barth heute an?

Dr. Ludwig Dobmeier: Wir planen, installieren und warten Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur – sowohl für Privatkunden als auch für Unternehmen und Kommunen. Besonders wichtig ist uns das Prinzip ‘Alles aus einer Hand’: Von der Planung über die Anlagenzertifizierung und Inbetriebnahme bis hin zur Wartung übernehmen wir sämtliche Schritte. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf unserem KI-optimierten Energiemanagement. Damit vernetzen wir PV-Anlage, Speicher, Wärmepumpe und E-Auto intelligent, um Energieverbrauch und -kosten zu optimieren. So kann etwa das Auto genau dann geladen werden, wenn die Sonne scheint – für ein energetisch autarkes Zuhause oder Unternehmen.

Wirtschaftsforum: Sie haben die Wallbox-Produktion erwähnt. Wie wichtig ist dieser Bereich für Sie?

Dr. Ludwig Dobmeier: Sehr wichtig – und ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Wir fertigen unsere Wallboxen in der Oberpfalz, also komplett „Made in Germany“. Unser Angebot umfasst drei Varianten: eine kompakte Lösung für den privaten Bereich, eine Version für Unternehmen mit RFID-Zugang und eine eichrechtskonforme Ladesäule für den öffentlichen Raum. Diese Systeme entstehen in unserer Produktionshalle. Mit einer Kombination aus Photovoltaik auf dem Dach und an der Fassade, einem großen Batteriespeicher und Betonkernaktivierung läuft unsere Produktion 365 Tage im Jahr energieautark. Das ist gelebte Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen.

Wirtschaftsforum: Die Energiebranche ist stark in Bewegung. Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie aktuell?

Dr. Ludwig Dobmeier: Eine Herausforderung ist sicher die Unsicherheit im Markt. Obwohl die Komponentenpreise für Solarmodule derzeit auf einem Tiefstand sind – ein idealer Investitionszeitpunkt –, zögern viele Privatkunden, weil sie auf politische Entscheidungen oder neue Förderungen warten. Im gewerblichen Bereich sind es häufig die langen Genehmigungsprozesse, die Projekte verzögern. Auf der anderen Seite sind die Chancen riesig. Viele Unternehmensdächer in Deutschland sind noch ungenutzt, obwohl Photovoltaik längst wirtschaftlich ist. Gewerbliche Anlagen amortisieren sich oft in vier bis fünf Jahren, teilweise sogar schneller. Und mit einem Batteriespeicher lässt sich die Wirtschaftlichkeit weiter steigern, weil Lastspitzen gekappt und Energiekosten gesenkt werden. Wir sehen, dass der Speicherbereich gerade vom Pionier- in den Massenmarkt übergeht – das wird die Branche in den nächsten Jahren massiv verändern. Zusätzlich werden dynamische Stromtarife weiteres Momentum in den Markt bringen und die Relevanz von intelligentem Energiemanagement und Strombezug weiter erhöhen – und auf diese Weise nochmals deutliche Einsparpotenziale für Stromkosten bieten.

Wirtschaftsforum: Sie erwähnen die Ladeinfrastruktur. Welche Entwicklungen gibt es dort?

Dr. Ludwig Dobmeier: Hier passiert gerade sehr viel. Wir installieren inzwischen nicht nur AC-Ladepunkte für Pkw, sondern zunehmend auch DC-Schnellladelösungen für Elektro-Lkw. Dabei arbeiten wir unter anderem mit Systemen des Unternehmens E-Loaded, die Leistungen bis zu 1.000 kW erreichen. Zum Vergleich: Eine gute Schnellladesäule für Autos schafft 300 kW. Diese Technologie ermöglicht es, E-Lkw in einer Stunde komplett zu laden – ein wichtiger Schritt für die Elektrifizierung des Güterverkehrs.

Wirtschaftsforum: Wo möchten Sie mit Hardy Barth in den kommenden Jahren stehen?

Dr. Ludwig Dobmeier: Unser Ziel ist es, uns als führender Ansprechpartner für gewerbliche Batteriespeicher bis zu 10 MW zu etablieren und den Bereich DC-Ladeinfrastruktur konsequent auszubauen. Wer jetzt investiert, profitiert doppelt – durch niedrige Anschaffungskosten und hohe Ersparnisse bei den Stromkosten.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Aus Betroffenen Beteiligte machen

Interview mit Florian Wollner, Geschäftsführer der enve print services GmbH

Aus Betroffenen Beteiligte machen

enve print services aus dem Großraum Augsburg tritt seit vielen Jahren als schlagkräftiger Verpackungspartner für die Brillenindustrie auf. Im Zuge der Übernahme durch VENDO aus Österreich wird sich die grundlegende…

„Die Medikamente kommen aus der Steckdose“

Interview mit Dennis Meyer-Philippi, Co-Founder der tantum sana® GmbH

„Die Medikamente kommen aus der Steckdose“

Als seine Großmutter pflegebedürftig wurde, erlebte Dennis Meyer-Philippi aus nächster Nähe, wie schnell die Medikamentenversorgung zu Hause zur Belastungsprobe wird. Daraus entstand maja sana®: ein digitaler Tablettenspender, der die häusliche…

„Unsere Mission? Gesundes Sitzen und Schlafen!“

Interview mit Charalampos Perezidis, Geschäftsführer der Polster Aktuell Essen GmbH & Co. KG

„Unsere Mission? Gesundes Sitzen und Schlafen!“

An 14 Standorten von Lübeck bis Hanau vertreibt Polster Aktuell in mehreren einzelnen Gesellschaften hochwertige Sitz- und Schlaflösungen. Der Schlüssel zum langjährigen Unternehmenserfolg liegt dabei laut Geschäftsführer Charalampos Perezidis nicht…

Spannendes aus der Region Landkreis Amberg-Sulzbach

Serielle Baukonzepte für einen veränderten Markt

Interview mit Mario Haubner, Geschäftsleiter und Stefanie Haubner, Geschäftsleiterin der Haubner Holding GmbH

Serielle Baukonzepte für einen veränderten Markt

Modulares Bauen gewinnt angesichts steigender Kosten und hoher Zinsen zunehmend an Bedeutung. Die Haubner Holding GmbH setzt dabei auf industrielle Vorfertigung, klare Prozesse und eine strategisch breit angelegte Ausrichtung. Mario…

„Unsere Anlagen laufen rund um die Uhr!“

Interview mit Martin Müller, CEO bis 2025 der Polymetrix AG

„Unsere Anlagen laufen rund um die Uhr!“

Martin Müller kennt Polymetrix wie kaum ein anderer: Seit fast fünf Jahrzehnten begleitet er die Entwicklung des Unternehmens aus dem schweizerischen Oberbüren, das weltweit Maßstäbe in Kunststoffverarbeitung und Recycling setzt.…

Visionäre Kunststofflösungen

Interview mit Martin Hierl, Geschäftsführer der TR PLAST GmbH

Visionäre Kunststofflösungen

Die TR PLAST GmbH, ein führendes Unternehmen der Kunststoffverarbeitungsbranche, ist spezialisiert auf die Entwicklung und Fertigung von maßgeschneiderten Kunststofflösungen – von der Prototypenentwicklung bis zur Serienfertigung. Im Gespräch mit Geschäftsführer…

Das könnte Sie auch interessieren

105 Jahre unter Strom

Interview mit Paul Schwenk, CEO der Theben AG

105 Jahre unter Strom

Wind weht, Sonne scheint, und das Stromnetz stößt an seine Grenzen: Die ­Energiewende verlangt, Erzeugung und Verbrauch intelligent aufeinander abzustimmen. Genau das macht die Theben AG seit 105 Jahren. Mit…

Die Netzwerkretter wollen Gesamtanbieter werden

Interview mit Christian Bornheimer, Geschäftsführer der FIBERCOM GmbH

Die Netzwerkretter wollen Gesamtanbieter werden

Die FIBERCOM GmbH hat kürzlich ihr 30-jähriges Firmenjubiläum gefeiert und konnte zu diesem Anlass auf ein starkes Wachstum und Renommee in der Kommunikationstechnik zurückblicken. Wie er sein Unternehmen in den…

„Für Aufbruchstimmung zu sorgen, ist gar nicht so schwer!“

Interview mit Dipl.-Ing. (FH) Axel Gartmann, Geschäftsführer der Elektro Gartmann GmbH & Co KG

„Für Aufbruchstimmung zu sorgen, ist gar nicht so schwer!“

Das alteingesessene Osnabrücker Elektroinstallationsunternehmen Elektro Gartmann tritt heute mit einem breiten Leistungsspektrum im Markt auf, das sich auch auf Themenfelder wie die Sicherheits- und Kommunikationstechnik sowie erneuerbare Energien und Ladeinfrastruktur…

TOP