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Interview mit Fabio Zanardi, CEO der Zanardi Fonderie S.p.A.

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Wirtschaftsforum: Herr Zanardi, die Zanardi Fonderie S.p.A. begeht in diesem Jahr ihr 90-jähriges Firmenjubiläum. Neun Jahrzehnte sind eine lange Zeit – was würden Sie als die prägenden Meilensteine in der Firmengeschichte bezeichnen?

Fabio Zanardi: Passiert ist seit dem Gründungsjahr 1931 tatsächlich viel, wobei es immer eine Konstante gab: Wir sind nach wie vor ein Familienunternehmen, das ich inzwischen in 4. Generation leite. Und auch etwas anderes zieht sich konstant durch unsere Geschichte, nämlich unser Innovationsgeist. Tatsächlich denke ich, dass dieser der Grund dafür ist, warum wir auf viele Meilensteine zurückblicken können, denn stete Innovation ist neben Qualität und Service die Basis für unseren Erfolg.

Ein Beispiel dafür ist die Herstellung von ausferritischem Gusseisen ab den 1980er-Jahren, für uns der wohl prägendste Wendepunkt. Dieses Gusseisen hat dank einer Wärmebehandlung ähnliche Eigenschaften und Performance wie Stahl und ist insofern eine ausgezeichnete Alternative. In den 1990er-Jahren ging unsere Entwicklung damit in Riesenschritten voran und explodierte förmlich ab dem Jahr 2000. Heute sind wir in diesem Bereich der wichtigste Player in Europa und auch weltweit eine Referenz.

Wirtschaftsforum: Auch Krisen musste Ihr Unternehmen im Laufe der Zeit bewältigen. Nach der Wirtschaftskrise ab 2008 ist es aktuell die Corona-Pandemie. Wie haben Sie diese bisher überstanden?

Fabio Zanardi: 2020 war zweifellos ein schwieriges Jahr. Der angeordnete Lockdown im März und April und die unsicheren Märkte haben dazu geführt, dass wir nur einen Umsatz von 27 Millionen EUR generieren konnten (18% weniger im Vergleich zu 2019) und uns dazu gezwungen, massiv die Kurzarbeit zu nutzen. Dennoch haben wir uns bisher gut geschlagen. Nach der Wirtschaftskrise hatten wir uns komplett neu ausgerichtet und uns hinsichtlich unserer Kunden und unseres Produktportfolios auf eine noch breitere Basis gestellt.

Ab 2017 haben wir dank des Programms für Industrie 4.0 insgesamt neun Millionen EUR in die Digitalisierung investiert, unter anderem in ein neues ERP-System (SAP) sowie in die Automatisierung und neue Maschinen für die mechanische Bearbeitung. Diese zwischen 2017 und 2019 getätigten Investitionen beginnen jetzt Früchte zu tragen. Zusätzlich haben wir aus der letzten Krise gelernt: Unsere Organisation und unser Zugang zu den Kunden haben sich seitdem sehr verbessert und wir haben dadurch viel mehr Potenzial gewonnen. In der Tat zeigen der Verlauf des Jahres 2021 und die Perspektiven für das Jahr 2022 eine schnelle Erholung des Umsatzes und ein potenzielles Wachstum auf 40 Millionen EUR an.

Wirtschaftsforum: Stichwort Potenzial: Auf welchen Produkten liegt Ihr Schwerpunkt und was sind aktuelle Produktneuheiten?

Fabio Zanardi: Wie gesagt war das ausferritische Gusseisen für uns ein Durchbruch, und die Herstellung von Gusstücken aus diesem Material ist immer noch unser Schwerpunkt. Weitere Bereiche sind Gusseisen mit Kugelgraphitanteil und perferritisches Gusseisen. Wir arbeiten daran, auch in diesen Bereichen für unsere Kunden der Ansprechpartner Nummer 1 zu werden. Was wir aber seit zwei Jahren außerdem anbieten, ist ein Service, der auch für den deutschen Markt sehr interessant ist: das sogenannte Austempering. Das ist die spezielle Wärmebehandlung, die den gusseisernen Werkstücken ihre besonderen Eigenschaften verleiht. Auf diesem Gebiet haben wir viel Erfahrung, weil wir ja seit vielen Jahren unsere eigenen Produkte dieser Behandlung unterziehen und über die entsprechenden Maschinen verfügen.

Diesen Service bieten wir nun auch anderen Gießereien an und haben dafür mit Zanardi Austempering einen eigenen Brand geschaffen, den wir auf der NEWCAST 2019 in Düsseldorf lanciert haben. Das Austempering machen nur wenige, weil die Maschinen dafür sehr teuer sind. Für uns, die wir über die Maschinen ohnehin verfügen, ist das also ein vielversprechendes neues Geschäftsfeld.

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie selbst?

Fabio Zanardi: So seltsam es klingt – auch Krisen bringen einen weiter. Durch Krisen habe ich gelernt, dass man immer neue Lösungen suchen muss und dass es die Herausforderungen sind, an denen man wächst und sich entwickelt.

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