Gesund und natürlich lecker – alles außer Brötchen

Interview mit Markus Kerres, Geschäftsführer der TOFUTOWN.com GmbH

„Er ist ein originärer Hippie und war schon immer ein Revoluzzer. Nach seinem Studium des Saxophons und der Klarinette sowie seinem nicht ganz freiwilligen Ausscheiden wegen Fleischverweigerung aus der Bundeswehr ging Bernd Drosihn, Gründer von TOFUTOWN, zunächst nach New York. In einer WG lernte er das Tofu-Machen. Als er Anfang der 1980er-Jahre, zurück in Deutschland, den ersten Tofu produzierte, wurde er verhaftet. Zu diesem Zeitpunkt war die Herstellung von Tofu noch verboten“, erzählt Geschäftsführer Markus Kerres.

Einen Ersatz für Fleisch zu finden, interessierte damals fast niemanden. Doch mit zunehmendem Bewusstsein für gesunde Ernährung kam die Bio-Bewegung in Gang. Das Unternehmen von Bernd Drosihn wuchs und diversifizierte sich. Neben Tofu, einer hervorragenden Proteinquelle, und anderen Fleischersatzprodukten kamen immer mehr vegane Bio-Produkte hinzu.

Mit dem Kauf einer 1892 gegründeten Käserei in Neukirchen begann TOFUTOWN 2013 auch Käsealternativen herzustellen. „Bis auf Brötchen können wir alles anbieten, von Aufstrich über Tofu und Tomatensoße bis zu Fleischersatzprodukten. Hierbei handelt es sich um gering verarbeitete Lebensmittel, die mit wenig Zusatzstoffen und ohne künstliche Aromen hergestellt werden. Kein bio-veganes Unternehmen in Europa hat ein vergleichbar tiefes und breites Sortiment“, sagt Markus Kerres stolz.

Seit 20 Jahren ist er bereits in der Bio-Branche unterwegs. Im Juli 2020 stieg er bei TOFUTOWN ein, da der Gründer Unterstützung im Management brauchte. Seit 2021 ist er zweiter Geschäftsführer. TOFUTOWN betreibt neben dem Firmensitz in Wiesbaum und dem Werk in Neukirchen ein weiteres in Lüneburg sowie einen Standort in Virginia, USA.

Gesunder Ernährung treu bleiben

Markus Kerres ist aus Überzeugung in der Bio-Branche tätig. Er sagt: „Bevor die Industrialisierung im Lebensmittelbereich stattgefunden hat, waren alle Lebensmittel Bio. Seitdem steigt die Anzahl an Erkrankungen wie Krebs. Ich bin sicher, dass das mit der Ernährung zu tun hat.“

Echte Lebensmittel sind für ihn nur solche, die technisch nicht verändert wurden. Die heutigen Fleischalternativen erfüllen dieses Kriterium oft nicht. „Burger, die heute nach Fleisch schmecken, werden aus Metylcellulose hergestellt, die für die Bindung sorgt. Der Mensch kann sie nicht verstoffwechseln. Lebensmittel verdienen meiner Meinung nach nur diesen Namen, wenn alle Inhaltsstoffe dem Körper zugutekommen“, erklärt Markus Kerres.

Dass er selbst Veganer wurde, war Zufall, berichtet er: „Ich hatte eine 30-Tage-Challenge gestartet und habe dann gemerkt, dass ich viel fitter war als vorher.“ Authentisch zu bleiben ist den beiden Geschäftsführern das wichtigste Anliegen. Markus Kerres sagt dazu: „Uns ist bewusst, dass wir auf diese Weise nicht die absolute Umsatzdynamik bewirken. Aber uns geht es um die gesunde Ernährung, um Lebensmittel ohne künstliche Aromen. Diesem Anspruch bleiben wir treu.“

So regional wie möglich

„Bisher ist TOFUTOWN ohne Marketing ausgekommen – die Produkte standen für sich. In dem wachsenden Marktumfeld reichte das nicht mehr“, so Markus Kerres. Das Unternehmen ist bereits Kooperationen mit einem großen Fußballclub und einem bekannten Musiker eingegangen.

Die Vielzahl von Marken unter dem Dach von TOFUTOWN sollen im Zuge eines Markenswitches in einer Zwei-Marken-Strategie aufgehen. Neben TOFUTOWN als globalem Brand wird Viana die Marke für den Fachhandel sein. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen 325 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz von 61 Millionen EUR in 2021 soll in diesem oder nächstem Jahr auf 74 Millionen EUR steigen, so der Plan. „Wir investieren ständig in neue Anlagen, da die Nachfrage steigt“, so der Geschäftsführer.

In der Produktion möchte man weiterhin so regional wie möglich sein. „Bernd hat den Tofu immer selbst produziert. Das war in den Anfängen nicht leicht, denn damals gab es dafür noch keine Förderung durch die Banken“, erzählt Markus Kerres. Heute wird Soja aus Deutschland und Österreich eingekauft. Das Ziel sei, in den nächsten Jahren möglichst die gesamte benötigte Menge in Deutschland zu produzieren. Und die ist mit 750.000 t im Jahr beachtlich.

Innovationen, die schmecken

„Tofu ist das bekannteste Produkt unter den Fleischersatzprodukten. Daher glauben wir, dass es sinnvoll ist, in diesem Bereich weitere Produkte zu entwickeln“, erklärt Markus Kerres. So ist in diesem Jahr noch einiges an Produktneuheiten zu erwarten. Bei den Fleischersatzprodukten sind die Bio-Hersteller immer auf der Suche nach den bestmöglichen Rohstoffen.

„Wir wollen weg von dem Gluten“, betont der Geschäftsführer. Streichcremes sind ein weiteres Standbein, das beständig wächst. Im April kann TOFUTOWN mit einer echten Innovation aufwarten: Frischkäsealternativen im Glas, die auf Cashew-Basis hergestellt werden. Auch neue Fertiggerichte im Glas wie vegane Currywurst werden das Angebot ergänzen. Neben dem Markenswitch gibt es einen weiteren großen Plan: „Wir wollen Amerika erobern, denn hier gibt es enormes Potenzial für ernährungsphysiologisch sinnvolle biovegane Produkte“, kündigt Markus Kerres an.

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