Die Schnittstelle von Europa und der arabischen Welt

Interview mit Dr. Abdelkrim Inhaddou, Geschäftsführer der Industrie-Kontor GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Inhaddou, die Industrie-Kontor GmbH sitzt an einer wichtigen Schnittstelle im Exportgeschäft. Mit welchen Leistungen unterstützen Sie Ihre Partner?

Dr. Abdelkrim Inhaddou: Die überwiegende Geschäftstätigkeit unseres Unternehmens erstreckt sich mittlerweile auf den Öl- und Gassektor, primär die Ausfuhr von technischen Vorrichtungen, die bei der Errichtung von Pipelines eingesetzt werden. Dabei vertreten wir europäische Hersteller, die ihre Produkte in den arabischen Raum oder lateinamerikanische Märkte exportieren, oder treten als ihr Distributor auf.

Wirtschaftsforum: Warum vertrauen Ihre europäischen Auftraggeber auf Ihre Expertise, anstatt den Export in die Zielländer direkt inhouse zu lösen?

Dr. Abdelkrim Inhaddou: Der Abschluss erfolgreicher Geschäfte setzt tiefgreifende kulturelle Kenntnisse der Regionen voraus, in die man exportiert. Nicht jedes Unternehmen verfügt über die Voraussetzungen, um dieses spezifische Know-how intern abzubilden. Noch dazu handelt es sich bei den Kunden unserer Auftraggeber nicht selten um einige der größten Unternehmen der Welt, etwa Saudi Aramco oder ähnliche Konsortien, die sich aus einer Vielzahl an Gründen keinerlei Fehler erlauben dürfen – entsprechend hoch sind die Ansprüche, die es auch jenseits der Sachebene zu erfüllen gilt.

Wirtschaftsforum: Welche falschen kulturellen Annahmen müssen Sie in Ihrem Alltagsgeschäft bisweilen ausräumen?

Dr. Abdelkrim Inhaddou: Die meisten Manager aus dem arabischen Raum haben sehr feine Antennen dafür, ob ihr Gegenüber ihre Kultur, ihre Religion sowie die lokalen sozialen Gegebenheiten achtet – darin liegt eine unersetzliche Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Denn wenn das zwischenmenschliche Verhältnis nicht stimmt, kann man keine Geschäfte machen, auch wenn die technische Lösung an sich noch so stark überzeugt. Diese verschiedenen kulturellen Gegebenheiten zusammenzubringen, ist nicht immer einfach. Ich veranstalte zu diesem Thema auch regelmäßig Seminare, die einen beachtlichen Zulauf erfahren – denn im arabischen Markt lässt sich weiterhin sehr viel Geld verdienen.

Wirtschaftsforum: Mit welcher Haltung begeben sich derweil die Teilnehmer aus dem arabischen Raum in Verhandlungen?

Dr. Abdelkrim Inhaddou: Dort weiß man um den Umstand, dass den europäischen Geschäftspartnern die umfangreichen finanziellen Möglichkeiten der Golfstaaten wohlbekannt sind, weswegen aus ihrer Sicht große Vorsicht geboten ist, um für die aufgebrachten Mittel wirklich die erwartete Höchstleistung zu erhalten.

Wirtschaftsforum: Noch sprudeln die Öl- und Gasquellen, aber die gesamte internationale Staatengemeinschaft will sich langfristig unabhängig von fossilen Energieträgern machen. Bröckelt damit auch das Geschäftsmodell des ganzen MENA-Raumes?

Dr. Abdelkrim Inhaddou: Um diesen Umstand weiß man doch auch im Nahen Osten und in Nordafrika. Dort bereitet man sich schon lange auf diese Entwicklung vor. Das Emirat Dubai bezieht seinen Reichtum schon heute nicht mehr vorwiegend aus dem Ölexport. Andere Staaten werden folgen. Was bleiben wird, ist das wirtschaftliche Potenzial der Region, von dem man auch in Europa weiterhin profitieren kann.

Mehr zum Thema Energie & Umwelt

Wenn Gerüche zum Standortfaktor werden

Interview mit Michael Luccisano, Geschäftsführer der Biothys GmbH

Wenn Gerüche zum Standortfaktor werden

Gerüche sind selten plakativ – aber immer präsent. In Industrieparks, Kläranlagen, auf Deponien oder Asphaltwerken entscheiden sie oft über Akzeptanz, Genehmigungen und Investitionsentscheidungen. Die Biothys GmbH aus Willstätt hat genau…

Sonnenstrom braucht starke Partner

Interview mit Markus Krampe, Geschäftsführer der Enovos Renewables O&M GmbH

Sonnenstrom braucht starke Partner

Photovoltaik boomt – doch was passiert, wenn die Module installiert sind? Dann beginnt die Phase, in der Betrieb, Wartung und Leistungsoptimierung über die Wirtschaftlichkeit entscheiden. Markus Krampe, Geschäftsführer der Enovos…

„Brauchen Verlässlichkeit in der Energiewende“

Interview mit Dipl.-Ing. (FH) Michael Raschemann, geschäftsführender Gesellschafter der Energiequelle GmbH

„Brauchen Verlässlichkeit in der Energiewende“

Sonne und Wind sinnvoll zu nutzen, darin sieht die Energie­quelle GmbH mit Sitz in Kallinchen bei Berlin ihre Hauptaufgabe. Der Inhaber und Gründer Dipl.-Ing. (FH) Michael Raschemann sprach mit Wirtschafts­forum…

Spannendes aus der Region Landkreis Karlsruhe

Ein Konzept für die Energiewende

Interview mit Sebastian Haag, Geschäftsführer der Stadtwerke Bruchsal GmbH

Ein Konzept für die Energiewende

In Zeiten der Wärmewende und massiv gestiegener Energiekosten stehen Stadtwerke als kommunale Grundversorger landauf, landab unter Druck. Die Stadtwerke Bruchsal haben nun in einem detaillierten Konzept vorgestellt, wie die Energiewende…

„Zähneputzen als kleine  Auszeit“

Interview mit Ludwig Popp, Country Manager Deutschland der Curaden Germany GmbH

„Zähneputzen als kleine Auszeit“

Mundpflege ist für die Curaden Germany GmbH aus Stutensee viel mehr als nur Zähneputzen. Das Unternehmen setzt auf Prävention und bietet ein umfassendes Sortiment an Mund- und Zahnpflegeprodukten. Ludwig Popp,…

Die Mission: Lebensqualität für die Region

Interview mit Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der Stadtwerke Rastatt GmbH

Die Mission: Lebensqualität für die Region

Die Stadtwerke Rastatt blicken auf eine lange Geschichte zurück, die eng mit der Region verbunden ist. Mit rund 160 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von etwa 100 Millionen EUR ist das…

Das könnte Sie auch interessieren

Hybrid statt Hauruck: Wenn  Pragmatismus klimafreundlich wird

Interview mit Andreas Biermann, Geschäftsführer der Oberhessische Gasversorgung GmbH

Hybrid statt Hauruck: Wenn Pragmatismus klimafreundlich wird

Die Wärmewende findet nicht in Strategiepapieren statt, sondern im Heizungskeller. Steigende Energiepreise, neue gesetzliche Vorgaben, kommunale Wärmeplanung und eine Flut an Schlagworten von Wärmepumpe bis Wasserstoff haben viele Eigentümer verunsichert…

Wenn Nachhaltigkeit unter Strom steht

Interview mit Dr. Ludwig Dobmeier, Geschäftsführer der EDV- und Elektrotechnik Hardy Barth GmbH

Wenn Nachhaltigkeit unter Strom steht

Die Energiewende ist kein Zukunftsprojekt mehr – sie passiert jetzt. Die EDV- und Elektrotechnik Hardy Barth GmbH aus Birgland-Schwend steht seit 25 Jahren für technische Pionierarbeit in den Bereichen Photovoltaik,…

Energiewende passiert nicht auf dem Papier, sondern im Heizungskeller

Interview mit Manfred Schäuble, Geschäftsführer der Schäuble Regenerative Energiesysteme GmbH

Energiewende passiert nicht auf dem Papier, sondern im Heizungskeller

Manfred Schäuble spricht leise, aber bestimmt. Seit Jahrzehnten arbeitet der Handwerksmeister an regenerativen Energielösungen – lange bevor sie politisch eingefordert wurden. Sein Unternehmen steht heute für ganzheitliche Energiesysteme, für Verlässlichkeit…

TOP