„Wir wollen den Unterschied machen!“

Interview mit Grit Müller-Vorpahl, Geschäftsführerin und Ivko Todorovic, Geschäftsführer der Hülpert Mobility Holding GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Todorovic, die Hülpert Unternehmensgruppe betreibt insgesamt elf Autohäuser im Raum Dortmund und Bergkamen-Unna. Wie umfassend fällt dabei das Leistungsspektrum aus, mit dem Sie sich im Markt bewegen?

Ivko Todorovic: Natürlich beschäftigen wir uns in erster Linie mit dem Verkauf und der Reparatur von Fahrzeugen, wobei wir als exklusiver Partner des Volkswagen-Konzerns auftreten, dessen Marken VW, VW Nutzfahrzeuge, Skoda, Seat, Cupra, Audi und Porsche wir ausschließlich vertreiben. Darüber hinaus engagieren wir uns mit entsprechenden Leasing- und Finanzierungsdienstleistungen sowie im Angebot von Wartungs- und Verschleißverträgen und im Unfallschadensmanagement, wo wir unsere Kunden vom Gutachten über die Abwicklung der Schadensregulierung bis hin zur Vertretung im Streitfall in Zusammenarbeit mit einem Rechtsanwalt betreuen. Damit decken wir das gesamte Portfolio ab, das von einer modernen Automobilhandelsgruppe im Allgemeinen erwartet wird.

Wirtschaftsforum: Frau Müller-Vorpahl, der zunehmende Siegeszug der Elektromobilität sorgt dabei auch auf Ebene der Autohäuser für durchschlagende Veränderungen. Manche Stimmen sehen aufgrund der weitgehend fehlenden Verschleißteile in E-Autos bereits das Ende der Kfz-Werkstätten am Horizont – eine Befürchtung, die auch Sie umtreibt?

Grit Müller-Vorpahl: Natürlich werden auch wir zu spüren bekommen, dass wir im Aftersales-Bereich auf lange Sicht nicht mehr die Umsätze generieren werden, die wir bis dato gekannt haben. Heute nutzen jedoch viele Kunden weiterhin Fahrzeuge, die mit herkömmlichen Antriebsarten ausgestattet sind und deswegen auch entsprechender Wartungs- und Reparaturleistungen bedürfen. Obwohl die Marktanteile des E-Mobilität-Segments bereits etwas zunehmen, liefern wir derzeit immer noch zum größten Teil Fahrzeuge mit Diesel- und Benzinmotoren aus, die noch lange im Markt verbleiben werden. Der perspektivische Wandel in der Antriebstechnik wird somit zumindest in unseren Häusern nicht über Nacht zu einem herben Einschnitt führen. Trotzdem ist uns klar, dass wir diese Veränderungen mitgestalten müssen und wollen, weshalb unsere Mitarbeiter schon heute umfassend zu einschlägigen Themen wie Hochvolttechnik geschult werden. Und auch wenn sich der Umfang von Ersatzteilen bei Elektrofahrzeugen reduzieren wird, ist dort eben an anderer Stelle die Unterstützung von Fachkräften erforderlich, etwa bei der Durchführung von Updates. Kleinere Werkstätten, die dieses umfassende Spektrum bei der Instandsetzung und Reparatur von Elektrofahrzeugen nicht abbilden können, werden indes möglicherweise Kunden an größere Häuser verlieren oder den Weg der Konsolidierung beschreiten.

Wirtschaftsforum: Dieser Wandel geht auch mit einer deutlichen Verschiebung der erforderlichen Expertise einher – wie begegnen Sie dieser Herausforderung vor dem Hintergrund des allgemeinen Fachkräftemangels?

Grit Müller-Vorpahl: Indem wir uns schon heute intensiv Gedanken darüber machen, wie wir die Fachkräfte von morgen an uns binden können – und das geht nur, wenn Hülpert auch perspektivisch ein attraktiver Arbeitgeber bleibt. Dabei versuchen wir, unsere Mitarbeiter nicht nur über eine attraktive Vergütung sowie weitere monetäre Nebenleistungen wie eine private Krankenzusatzversicherung an uns zu binden, sondern auch über weichere Faktoren wie intensive Schulungen, damit all unsere Fachkräfte stets auf dem allerneuesten Stand der Technik bleiben können, oder überzeugende Arbeitszeitmodelle. Nicht minder wichtig ist es jedoch, gerade unseren jungen Mitarbeitern eine langfristige berufliche Perspektive zu eröffnen: Deshalb bieten wir Auszubildenden mit guten Leistungen bereits im zweiten Lehrjahr einen Vorvertrag an und entscheiden nicht erst kurz vor ihrer Prüfung über die Möglichkeiten zu ihrer Weiterbeschäftigung. Denn auch wenn von den Babyboomern bis hin zur Generation Y jede Altersgruppe vielleicht etwas andere berufliche Bedürfnisse hat und bisweilen unterschiedliche Erwartungen an ihre Arbeitgeber stellt, bleibt Verlässlichkeit durch die Bank ein wichtiger Wert.

Wirtschaftsforum: Nicht nur die Bedürfnisse der Mitarbeiter unterscheiden sich von Generation zu Generation, auch die emotionale Bindung an das Auto ist bei jüngeren Menschen spürbar zurückgegangen – liegt darin eine Bedrohung Ihres Geschäftsmodells?

Ivko Todorovic: Auch Menschen der Generation Z werden ein Mobilitätsangebot brauchen, selbst wenn sich die Art und Weise verschieben mag, wie Menschen aus dieser Altersgruppe Mobilität definieren und wahrnehmen. Mit einfachen Lösungen wird es dabei wahrscheinlich nicht getan sein: denn der breit diskutierte Carsharing-Trend ist aktuell schon wieder rückläufig. Gut möglich, dass perspektivisch Flatrate- oder weiter ausdifferenzierte Abo- Modelle interessanter werden, in deren Rahmen sich die Kunden für einige Monate ein Auto buchen können. Aber auch wir merken natürlich, dass der Anspruch, ein eigenes Fahrzeug zu besitzen und stets zur freien Verfügung haben zu können, bei der jüngeren Generation nicht mehr in dieser Form besteht, was schon daraus ersichtlich wird, dass die Mehrzahl der Fahrzeuge inzwischen geleast oder finanziert wird. Die Verbundenheit zum Fahrzeug und die Vorstellung des eigenen Autos als besonders emotional aufgeladenes Produkt, wie ich es selbst in meinen Teenagerjahren erlebt habe, sind nicht mehr mit dieser Selbstverständlichkeit gegeben wie damals. Aus diesem Wandel werden sich sicherlich neue interessante Geschäftsmodelle für uns ergeben, in deren Rahmen wir schon bald mit zielgerichteten Angeboten in unserer Region punkten möchten.

Wirtschaftsforum: Viele Automobilhersteller bieten ihren Endkunden schon heute umfassende Informations- und Erlebnismöglichkeiten in der digitalen Welt – wird der stationäre Kfz-Handel vor diesem Hintergrund auch in Zukunft noch gebraucht?

Grit Müller-Vorpahl: Mit Sicherheit haben sich viele Kunden heute schon deutlich mehr Gedanken zu den verschiedenen Modellen und Features gemacht, bevor sie zum Händler gehen, als das früher der Fall war. Aber das Auto bleibt ein erklärungsbedürftiges Produkt und zudem eine signifikante Ausgabe, die wohlüberlegt sein will. Deshalb bin ich überzeugt, dass die Käufer:innen oder Leasingnehmer:innen auch in Zukunft eine fachkundige und vertrauensvolle Beratung vor Ort wahrnehmen möchten. An dieser Stelle muss das Autohaus der Zukunft mit Kompetenz und Kundenorientierung überzeugen – und genau hier will Hülpert auch weiterhin den Unterschied machen!

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