Was Maschinen können, beginnt beim Menschen

Interview mit Maximilian Schmidt, Geschäftsführer der Kiesel GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schmidt, wie hat sich die Kiesel GmbH zu dem entwickelt, was sie heute ist – und wie sieht die Unternehmensstruktur aktuell aus?

Maximilian Schmidt: Unsere Geschichte begann vor über 65 Jahren, als Helmut Kiesel – Vater des heutigen geschäftsführenden Gesellschafters Toni Kiesel – als Servicetechniker für Fuchs in den Handel mit gebrauchten Maschinen einstieg. Daraus entwickelte sich ein kontinuierlich wachsendes Unternehmen, geprägt von technischer Kompetenz, Unternehmergeist und starkem Familienzusammenhalt. Heute sind wir ein 100% familiengeführter Mittelständler mit rund 1.300 Beschäftigten. Als Holding strukturiert, vereinen wir unter unserem Dach verschiedene Einheiten – unter anderem die Kiesel Trade, zuständig für Handel, Vermietung und Service in mehreren Ländern. Ergänzt wird dies durch spezialisierte Töchter wie die KTEG, ein 50/50-Joint-Venture mit Hitachi für Sonderlösungen im Maschinenbau. Mit dem Coreum bei Frankfurt am Main betreiben wir zudem eine ganzjährige Messeplattform mit Hotel und Schulungszentrum – ein zentraler Ort für Innovation, Austausch und Kundenbindung.

Wirtschaftsforum: Was sind aktuell Ihre Hauptgeschäftsfelder?

Maximilian Schmidt: Unser Kerngeschäft ist der Handel mit hochwertigen Baumaschinen, insbesondere von renommierten Herstellern wie Hitachi, Fuchs und Bell. Diese Maschinen bieten wir sowohl zum Kauf als auch zur Miete an. Der Fokus liegt dabei auf Großmaschinen, die auf komplexen Baustellen im Tiefbau, bei Infrastrukturprojekten oder im Recycling zum Einsatz kommen. Zusätzlich betreiben wir mit über 35 Servicestandorten in Deutschland und rund 350 mobilen Servicefahrzeugen ein engmaschiges Netz, um unseren Kunden schnelle Hilfe und dauerhafte Maschinenverfügbarkeit zu bieten. Was uns darüber hinaus auszeichnet, ist unsere Spezialisierung auf moderne Anbaugeräte und digitale Steuerungslösungen – etwa GPS-gestützte 2D- und 3D-Vermessungssysteme, mit denen unsere Kunden ihre Prozesse auf der Baustelle deutlich effizienter gestalten können.

Wirtschaftsforum: Wie international ist das Unternehmen aufgestellt?

Maximilian Schmidt: Deutschland bleibt unser zentraler Heimatmarkt, hier kennen wir die Kunden, die Anforderungen und die Dynamiken sehr genau. Daneben bauen wir gezielt unsere Präsenz in strategisch wichtigen Märkten aus. Besonders erfolgreich ist unsere Organisation in Skandinavien und in Polen, wo wir nach einer intensiven Phase der Neuaufstellung heute eine unserer leistungsstärksten Einheiten haben. Das Beispiel Polen zeigt sehr schön, wie wichtig lokale Verantwortung und kulturelles Verständnis sind: Erst mit der Entscheidung, die Geschäftsführung lokal aufzustellen und langfristig zu befähigen, konnten wir dort wirklich durchstarten. Das Resultat: starke Wachstumsraten und eine hohe Kundenbindung.

Wirtschaftsforum: Was würden Sie als Ihr wichtigstes Alleinstellungsmerkmal bezeichnen?

Maximilian Schmidt: Unser entscheidender Unterschied liegt im Denken und Handeln aus Sicht des Kunden. Wir sagen bewusst: nicht nur kundenorientiert, sondern kundenzentriert. Das bedeutet, wir richten unser gesamtes Unternehmen – vom Produkt über den Service bis hin zur digitalen Lösung – konsequent an den tatsächlichen Bedürfnissen unserer Kunden aus. Wir verstehen uns nicht als klassischer Händler, sondern als Systempartner, der mitdenkt, mitentwickelt und mitverantwortet. Diese Haltung zieht sich durch alle Bereiche: von der Beratung über das Coreum bis hin zur Betreuung nach dem Kauf. Das schafft Vertrauen und nachhaltige Beziehungen – und das ist in unserer Branche Gold wert.

Wirtschaftsforum: Sie erwähnten eingangs bereits das Coreum: Was hat es damit konkret auf sich und welche Bedeutung hat dieser Ort für Ihr Unternehmen?

Maximilian Schmidt: Das Coreum ist für uns das Herz unserer Innovationskultur. 
Es ist weit mehr als nur ein Showroom – es ist ein Ort, an dem Maschinen getestet, Anwendungen simuliert und Lösungen direkt im Betrieb erlebbar gemacht werden. Kunden, Partner und Interessierte können hier auf über 120.000 m2 live erleben, was Technik heute leisten kann. Dazu kommen modern ausgestattete Schulungsräume, Eventflächen und ein eigenes Hotel mit 129 Zimmern. Wir wollen nicht nur verkaufen – wir wollen begeistern, qualifizieren und im Dialog mit unseren Kunden besser werden. Für uns ist das Coreum Ausdruck gelebter Partnerschaft – praxisnah, zukunftsorientiert und verbindlich.

Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung hat das Thema Digitalisierung und KI für Ihr Unternehmen?

Maximilian Schmidt: In diesem Bereich sind wir sehr aktiv. Intern setzen wir zum Beispiel gerade ein KI-gestütztes ERP-System auf, das uns enorme Effizienzgewinne bringen wird. Noch wichtiger ist aber der Mehrwert für unsere Kunden: Mit unserer Tochter Makineo fokussieren wir uns auf digitale Assistenzsysteme, Maschinenvernetzung und automatisierte Baustellenvermessung. Unsere Bagger können heute schon selbstständig Pläne lesen und halbautonom arbeiten – das ist kein Zukunftsszenario mehr. Entscheidend ist dabei aber immer: Wir begleiten unsere Kunden beim Wandel – mit Schulungen, Beratung und einem tiefen Verständnis dafür, was wirklich praktikabel ist.

Wirtschaftsforum: Wohin soll die Reise in den kommenden Jahren gehen?

Maximilian Schmidt: Unsere Vision ist klar: Wir wollen als Systempartner der Bau- und Recyclingbranche weiterwachsen – nicht um jeden Preis, sondern gesund und nachhaltig. Wachstum bedeutet für uns nicht nur mehr Umsatz, sondern bessere Lösungen, tiefere Kundenbeziehungen und ein agileres Geschäftsmodell. Wir investieren weiter in unsere eigene Entwicklung, in Technologien wie alternative Antriebe – etwa batterie- oder wasserstoffbetriebene Maschinen – und in die Qualifizierung unserer Mitarbeitenden. Besonders wichtig ist uns, unser Unternehmen noch konsequenter kundenzentriert aufzustellen: vom ersten Kontakt über die Anwendung bis hin zum Aftersales-Service. Wenn es uns gelingt, den Mehrwert für unsere Kunden in jeder Phase der Zusammenarbeit spürbar zu machen, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Und genau daran arbeiten wir – Tag für Tag.

Wirtschaftsforum: Was ist Ihr persönlicher Antrieb, um Ihren Job mit Motivation und Freude auszuführen?

Maximilian Schmidt: Ich komme ursprünglich vom Bauernhof und habe in meiner Jugend im Weingut unserer Familie mitgearbeitet – dort habe ich früh gelernt, was es bedeutet, anzupacken, Verantwortung zu übernehmen und im Team zu funktionieren. Später habe ich Betriebswirtschaft studiert, um diese Erfahrungen mit fundiertem Wissen zu ergänzen. Heute motiviert mich besonders, Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten, Potenziale zu fördern und Verantwortung bewusst zu teilen. Mich treibt die Überzeugung an, dass echter Erfolg nur gemeinsam entstehen kann. Es macht mich stolz, Teil eines Unternehmens zu sein, das auf Bodenhaftung, Technikbegeisterung und Menschlichkeit setzt – und dabei etwas schafft, das über Jahre hinweg Bestand hat.

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