Ohne Reibungsverluste immer in Bewegung bleiben

Interview mit Friedrich Faigle, Geschäftsführer der faigle Group

Wirtschaftsforum: Herr Faigle, unter dem Motto ‘moving forward’ bewegt sich Ihr Unternehmen auf dem Gebiet der Tribologie. Was steckt hinter diesem Begriff – und mit welchen Leistungen engagieren Sie sich im Markt?

Friedrich Faigle: Der Fachterminus Tribologie lässt sich wohl am besten mit Reibungslehre übersetzen, womit unser Geschäftsfeld schon in einem etwas konkreteren Bild umrissen sein dürfte: Unsere Produkte, die allesamt aus thermoplastischem Kunststoff hergestellt werden, finden überall dort Verwendung, wo einzelne Komponenten einer hohen dynamischen Beanspruchung unterworfen sind. Dabei bewegen wir uns im Markt sowohl mit Eigenentwicklungen, die wir in Massenfertigung erzeugen und als fertige Produkte vertreiben, als auch mit kundenspezifischen Auftragsarbeiten, die passgenau für die Vorrichtungen unserer Auftraggeber konzipiert und hergestellt werden.

Wirtschaftsforum: Wo kommen Ihre Produkte und Entwicklungen letztlich zum Einsatz?

Friedrich Faigle: Hauptsächlich in einem Anlagenumfeld, in dem beständig viele Teile bewegt werden. Viele unserer Produkte fließen in Intralogistik-Systeme, Aufzüge, Fahrtreppen sowie den öffentlichen Nahverkehr. Ein sehr plastisches Beispiel sind etwa die Rollen auf den Kettengliedern, auf denen eine Rolltreppe läuft. Diese dürfte der Endanwender jedoch nie zu Gesicht bekommen, weil sie unter der Abdeckung im Verborgenen wirken. Bei diesem Produkt sind wir mit einem globalen Marktanteil von etwa 70% unbestrittener Weltmarktführer. Allgemein bekannter dürften den meisten Endanwender:innen hingegen die Halteschlaufen in Verkehrsmitteln des ÖPNV sein. Auch diese Produkte fertigen wir seit vielen Jahren mit großem Erfolg – wobei der Entwicklungsaufwand hierbei deutlich überschaubarer ausfällt als in unseren Logistikanwendungen.

Wirtschaftsforum: Vermutlich hatten schon viele Menschen einmal Kontakt mit Ihren Produkten, ohne es zu wissen.

Friedrich Faigle: Unseren Berechnungen zufolge werden jeden Tag circa zwei Milliarden Menschen mithilfe unserer Produkte bewegt. Rund 200 Millionen Pakete werden täglich auf faigle-Rollen in Logistikzentren und auf Gepäckförderanlagen transportiert. Da dürften Sie also Recht haben.

Wirtschaftsforum: Darf man Ihren Slogan ‘moving forward’ auch so verstehen, dass sich Ihr Unternehmen stets innovativ in die Zukunft bewegt?

Friedrich Faigle: Dieser Anspruch ist sicherlich ein unverrückbarer Teil unserer Unternehmens-DNA. Als faigle 1947 gegründet wurde, steckte die Kunststofftechnologie noch in den Kinderschuhen – und heute ist sie selbst aus den banalsten technischen Anlagen nicht mehr wegzudenken. Dabei engagieren wir uns mit unseren Produkten in sehr spannenden und – im wahrsten Sinne des Wortes: bewegenden – Branchen, die klar auf Megatrends setzen: Urbanisierung, E-Commerce, Intralogistik und andere Infrastrukturelemente. All diese Bereiche weisen ein großes Wachstumspotential auf, von dem auch unsere Unternehmen profitieren können: So konnte unser Umsatz letztes Jahr trotz aller pandemischen Einschränkungen um starke 16% zulegen. Genau wie die Anlagen und Maschinen, in denen unsere Produkte zum Einsatz kommen, entwickeln auch wir uns als innovativer Partner beständig weiter und sind stets gefordert, für unsere Kunden die nächste Produktgeneration zu entwickeln. Besonders beschäftigt uns ferner das Thema Nachhaltigkeit, vor allem in Bezug auf mögliche Energieeinsparungen, die wir weiter optimieren wollen.

Wirtschaftsforum: Wo setzen Sie hierbei an?

Friedrich Faigle: Grundsätzlich sind wir bestrebt, die Anlagen und Systeme, in denen unsere Produkte zum Einsatz kommen, energetisch weiter zu verbessern: Dabei lassen sich schon durch den klassischen Metallersatz, also den Einsatz von technischem Kunststoff anstatt metallener Bauteile, klare Effizienzgewinne und Gewichtseinsparungen erzielen. Weitere Energieeinsparungen können durch zusätzliche Verbesserungen des technischen Designs und geringeren Reibwert generiert werden sowie durch die Verwendung klimafreundlicher Rohstoffe; dabei kann es sich bisweilen auch um recycelte Materialien handeln. Hier befindet sich auch unser Unternehmen gerade in laufenden Testphasen. Durch den Ersatz von Metall durch Kunststoff ergibt sich ein geringeres Gewicht und dieses bringt eine hohe Energieeinsparung mit sich. Auch dank der technisch innovativen Designs reduziert sich der Reibwert, welches wiederum in Energieeinsparung mündet. Die Langlebigkeit des Werkstoffs schont wichtige Ressourcen und durch den Einsatz von Recycling-Upgrades erreichen wir die Eigenschaften und die Performance wie bei kompletten Neuprodukten, jedoch mit dem Vorteil der Ressourcen- und Umweltschonung. Wir setzen wir uns auch dafür ein, dass dem Kunststoff in der öffentlichen Wahrnehmung der Stellenwert zugemessen wird, der ihm gebührt – denn viele Innovationen, die unser Alltagsleben bestimmen, wären ohne diesen Werkstoff gar nicht denkbar: Kein Flugzeug würde abheben, viele Maschinen würden gar nicht laufen.

Wirtschaftsforum: Dabei steht Nachhaltigkeit nicht nur für ökologische Ziele, sondern erstreckt sich auch auf die Unternehmenskultur an sich. Welche Überzeugungen prägen Ihren geschäftlichen Alltag?

Friedrich Faigle: Als Familienunternehmen mit einer langen Tradition agieren wir wie jeder andere Betrieb nach den Gesetzen des Marktes, sind uns aber vielleicht in besonderer Weise unserer Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitenden bewusst. Dieser partnerschaftliche Umgang ist für uns in der täglichen Arbeit unverzichtbar, denn ohne die damit einhergehenden Freiräume wären die Innovationssprünge, durch die sich faigle seit fast 80 Jahren im Markt auszeichnet, gar nicht denkbar. Auch für die nächsten Jahre verfolgen wir ambitionierte Wachstumsziele und wollen unsere Kunden mit nachhaltigen und technisch innovativen Lösungen weiter begeistern. Wir wissen, dass das ohne das Engagement unserer Mitarbeitenden nicht möglich wäre.

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