Ganz gekonnt von der Rolle

Interview mit Martin Hild, Mitglied der Geschäftsleitung der Julius Schulte Trebsen GmbH & Co. KG

Als sich Julius Schulte 1886 mit einer eigenen Papierfabrik in Düsseldorf selbstständig machte, hatte seine Familie bereits viele Generationen von Papiermachern hervorgebracht. Bis ins 17. Jahrhundert lässt sich ihre lange Geschichte zurückverfolgen.

Parallel entwickelte sich der Standort Trebsen, der 1893 von Gotthelf Friedrich Anton Wiede gegründet wurde und bis zur Verstaatlichung kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im Familienbesitz war. 2000 übernahmen die Gesellschafter der Papierfabrik von Julius Schulte, zu dieser Zeit in vierter Generation geführt, den Betrieb in Trebsen. Heute sind dort 130 Mitarbeiter beschäftigt. Der Standort Düsseldorf existiert nach wie vor als selbstständiges Unternehmen.

In Trebsen folgten Zeiten großen Wachstums, die bis heute andauern. „In den letzten zwölf Jahren haben wir die Kapazität fast vervierfacht, von 65.000 auf 240.000 t im Jahr“, erzählt Martin Hild, Mitglied der Geschäftsleitung von Julius Schulte Trebsen. Die Entwicklung dieses Standorts hat er fast von Beginn an, seit 2002, mitgestaltet. „Durch kontinuierliches Wachstum konnten wir 2018 Papier im Wert von 100 Millionen EUR produzieren“, erklärt er.

Produziert wird vor allem braunes Wellpappenpapier, das von den Kunden zu 90% zu Wellpappenkartons verarbeitet wird, aber auch Spezialpapiere, die zum Beispiel fettdicht, tiefkühlbeständig oder flammhemmend sind.

„Es ist wie bei Schallplatten – Es gibt immer noch eine Nachfrage.“ Martin HildMitglied der Geschäftsleitung

Erfolgreich in der Nische

In einem „stetig wachsenden Massenmarkt“ hat sich das Unternehmen erfolgreich in einer Nische positioniert. „Das Gros des Marktes geht in größere Rollenbreiten und niedrigere Flächengewichte. Wir decken die Nischen der kleinen Rollenbreiten ab“, erläutert Martin Hild. In Europa hält das Unternehmen eine Marktposition im oberen Viertel. 30% des Umsatzes macht Julius Schulte Trebsen in Deutschland, den Rest zum großen Teil in den Anrainerstaaten und daran angrenzenden Ländern.

„In Europa besteht ein Trend zu leichten Flächengewichten. Im Bereich der höheren Flächengewichte nimmt die Nachfrage grundsätzlich ab. Aber es ist wie bei Schallplatten – es gibt immer noch eine ausreichende Nachfrage hierfür“, sagt der Experte für Marketing und Vertrieb.

„Wir sind sehr bodenständig geblieben. Das hat mit den Menschen zu tun. Bei uns begegnet man sich noch.“ Martin HildMitglied der Geschäftsleitung

Die Mitarbeiter achten

„Das Branding wird immer wichtiger für die Personalakquise“, betont Martin Hild. Dabei ist das Unternehmen in der glücklichen Lage, seine Stellen relativ problemlos besetzen zu können. „Die Menschen sind hier sehr heimatverbunden und suchen sich Arbeitsplätze vor Ort“, erklärt er. Die lange Tradition, die Bekanntheit und das gute Image helfen darüber hinaus, qualifizierte und motivierte Mitarbeiter zu finden.

„Unsere Mitarbeiter stellen das höchste Gut dar, sodass wir ihnen die größte Wertschätzung entgegenbringen. Hier kennt jeder jeden“, betont Martin Hild und fügt hinzu: „Unsere Personalauswahl treffen wir sehr bewusst. Hier ist der Mensch etwas wert.“ Verantwortung übernimmt das Unternehmen ebenfalls gesellschaftlich durch soziales Engagement und als Sponsor des örtlichen Fußballvereins.

Viel investiert

Automatisierung ist ein Thema, das die Branche bewegt. „Wir haben unsere Anlage bereits vollständig optimiert; sie ist auf dem Stand der modernen Technik“, sagt Martin Hild. Zu den größten Investitionen der letzten Jahre gehören der Bau eines betriebseigenen Kraft-Wärme-Kopplungs-Kraftwerks, die Anschaffung eines zweiten Stoffaufbereiters für die Altpapierverarbeitung und, als weitere Investition in die Nachhaltigkeit, eine Abwasserreinigungsanlage. Trotz großer Investitionsvolumina bleibe die Papierherstellung ein Handwerk, betont Martin Hild: „Wir sind sehr bodenständig geblieben. Das hat mit den Menschen zu tun. Bei uns begegnet man sich noch.“ Neben Preis und Qualität zählt für die Kunden der Service. „Es sind die Feinheiten, die den Unterschied machen. Der Kunde ist auch Partner und zu allererst Mensch.“ Die Qualitätssicherung besteht in der Schulung der Mitarbeiter. „Das hat etwas mit dem Mindset zu tun.“

Mehr zum Thema

Das Stadion als Herzschlag der Stadt

Interview mit Stefan Blöcher, ehemaliger Geschäftsführer der Stadion Berliner Straße GmbH & Co. KG und heutiger Markenbotschafter des SV Wehen Wiesbaden

Das Stadion als Herzschlag der Stadt

Ein Stadion ist selten nur ein Ort für 90 Minuten. Die BRITA Arena ist Treffpunkt, Bühne und wirtschaftlicher Motor zugleich. Stefan Blöcher erklärt, wie sich dieses Zusammenspiel entwickelt hat –…

„Wir machen aus einem Hotel ein Erlebnis – nicht umgekehrt“

Interview mit Katharina Wiegert, Geschäftsleitung, und Erik Sanchez, Geschäftsführer der Seehotel Heidehof GmbH

„Wir machen aus einem Hotel ein Erlebnis – nicht umgekehrt“

Ein See, viel Natur – und zwei junge Unternehmer, die daraus mehr machen wollen als klassische Hotellerie. Katharina Wiegert und Erik Sanchez sprechen über mutige Ideen, ungewöhnliche Konzepte und darüber,…

Warum dezentrale Energie die Antwort auf globale Risiken ist

Interview mit Justas Karaliunas, CEO der EnerPro GmbH

Warum dezentrale Energie die Antwort auf globale Risiken ist

Globale Energiemärkte stehen unter Druck: Digitalisierung, geopolitische Spannungen und rasant steigender Strombedarf fordern neue, resilientere Versorgungskonzepte. Während Staaten und Versorger um Lösungen ringen, wächst die Nachfrage nach dezentralen, effizienten und…

Spannendes aus der Region Landkreis Leipzig

Raum für Innovationen

Interview mit Silvio Stark, Geschäftsführer der Schiffler-Möbel GmbH

Raum für Innovationen

Die Auswahl der Möbel trägt entscheidend zu einer sicheren, komfortablen und funktionalen Umgebung in Klinik- und Pflegeeinrichtungen, Seniorenwohnheimen, Hotels, Kitas, Schulen und Jugendwohnheimen bei. Die Möbel sollen einerseits die Anforderungen…

Global lehren, lokal entwickeln

Interview mit Stefan Wisbauer, Geschäftsführer der Lecturio GmbH

Global lehren, lokal entwickeln

Mit dem gravierenden Fachkräftemangel einerseits und der Notwendigkeit, praktische Fähigkeiten effizient zu vermitteln andererseits steht die Ausbildung im Medizinbereich vor enormen Herausforderungen. Die Lecturio GmbH mit Sitz in Leipzig hat…

„Die Migration in die Cloud ist meist einfacher als gedacht!“

Interview mit Berkan Denkci, VP of Sales Central Europe der Enghouse AG

„Die Migration in die Cloud ist meist einfacher als gedacht!“

„Unsere zentrale Vision besteht darin, in unserem Segment stets die aktuellsten Lösungen anzubieten, die dem Marktstandard entsprechen“, fasst Berkan Denkci, VP of Sales Central Europe der Enghouse AG, die Mission…

Das könnte Sie auch interessieren

3.500 m2 Sport-Expertise

Interview mit Laureen Kuhn, Jörg Huber (l.) und Timo Huber (r.), Geschäftsführer der Georg Kuhn GmbH

3.500 m2 Sport-Expertise

In den Fluren wird über Sport geredet, auf dem Dach wird Strom produziert, und manche Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten dabei. Sport Kuhn in Offenburg ist ein Familienbetrieb im besten Sinne…

Renaissance der Ingenieurskunst – vom Entscheiden statt Reagieren

Interview mit Suwi Murugathas, Geschäftsführer der newboxes GmbH

Renaissance der Ingenieurskunst – vom Entscheiden statt Reagieren

Die deutsche Industrie steckt im Wandel – Lieferketten stocken, Regularien explodieren, KI verändert alles. Wer in dieser Gemengelage nicht nur berät, sondern wirklich mitgestaltet, braucht mehr als Methodenkompetenz. Die newboxes…

Wohin Verantwortung führt

Interview mit Eva-Marie Torhorst, Geschäftsführerin der ReAL gGmbH

Wohin Verantwortung führt

Die ReAL gGmbH begleitet seit Jahrzehnten Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen – getragen von einer familiären Tradition und weiterentwickelt durch klare Werte, Mut zu neuen Wegen und eine Unternehmenskultur, die…

TOP