Webcode:

Um einen Artikel aus dem Print-Magazin online zu lesen, geben Sie bitte nachfolgend den Webcode ein, der im Magazin unter dem Artikel zu finden ist.

https://www.getdigital.de - Gadgets und mehr für Computerfreaks

Die Mühle für Maler

Interview mit Ann Kristin Nohlen, Head of Marketing & Communications bei der Hahnemühle FineArt GmbH

Social Share
Teilen Sie diesen Artikel

Als eine der ältesten Papierfabriken der Welt steht die Hahnemühle für Kompetenz und Qualität in Sachen Papier. Einst als Papiermühle von Merten Spieß gegründet, durch- und erlebte sie zahlreiche Entwicklungen und verschiedene Inhaberschaften, bis sie 2004 wieder eigenständig wurde.

Eines hat sich in den mehr als 430 Jahren ihres Bestehens nicht geändert: Immer ging es um Papiere. „In den Anfängen waren es Büttenpapiere mit dem Fokus auf handgeschöpften Feinpapieren, etwa für den Buch- und Kupferdruck“, berichtet Ann Kristin Nohlen, Head of Marketing & Communications bei der Hahnemühle.

Nach und nach gewann der künstlerische Bereich – die Malerei – an Bedeutung. Die Hahnemühle hatte neben den traditionellen Verwendungen auch stets neue Trends im Blick – wie zum Beispiel aktuell das ‘Urban Sketching’: „Urban Sketcher sind eine große Vereinigung von Skizzierern, die zum Beispiel schnell und realistisch Skylines von Städten, in denen sie sich befinden, festhalten“, erklärt Ann Kristin Nohlen.

In Dassel und bei seinen Tochterfirmen in Großbritannien, Frankreich, den USA und China beschäftigt das Unternehmen rund 200 Mitarbeiter und liefert seine Produkte in 85 Länder. Produziert wird in zwei Niederlassungen in Südniedersachsen.

Papier nicht nur für Künstler

Die Hahnemühle konzentriert sich heute auf drei Bereiche: Der älteste, Traditional Fine Art, umfasst Papiere für Aquarell- und Ölmalerei, aber auch Trendprodukte, wie zum Beispiel Handlettering.

„Wir haben ein Kernportfolio für Aquarell und Skizze, horchen aber auch genau in die Märkte, zum Beispiel über Social-Media-Kanäle, und stehen in stetigem Austausch mit Künstlern“, sagt die Marketing und Kommunikationsexpertin. Digital Fine Art nennt sich die jüngste Sparte. Darunter fallen Papiere mit Inkjet-Beschichtung, die für Reproduktionen mit spezieller Tintenstrahltechnik genutzt werden.

Echt-Büttenpapiere werden von der Hahnemühle durch Inkjet-Beschichtungen veredelt. „Anwendung finden diese Papiere bei Kunstbüchern und in der hochwertigen Fotografie. Die Zielgruppe ist klein und spitz“, so die Marketingchefin.

Umfangreich ist dennoch das Angebot: Es umfasst rund 20 unterschiedliche Papiere, alle säurefrei und mit ausgewählten Inhaltsstoffen hergestellt, die sie besonders langlebig machen. „Wir entwickeln Papiere selbst und arbeiten direkt mit den Künstlern zusammen“, erläutert Ann Kristin Nohlen.

Den dritten Bereich bilden Industriespezialpapiere, die für Filter oder industrielle Anwendungen als Teststreifen in der Medizin verwendet werden. Fast alle Produkte werden inhouse hergestellt. „Wir sind ein Hidden Champion in der Nische und mit unseren drei Bereichen wirtschaftlich sehr solide aufgestellt“, betont Ann Kristin Nohlen.

Im Bereich Inkjet-Papiere sind die Papiermacher aus Dassel weltweit marktführend, auf dem Gebiet der Filtration einer der führenden Hersteller. „Noch heute werden unsere Papiere nach zum Teil sehr alten Rezepturen gefertigt. Bei uns ist das noch eine Art Kunst mit viel Handwerkskompetenz, gestützt von zum Beispiel modernen Scannermethoden, um die hohe Qualität zu wahren.“

Neues entwickeln, Altes bewahren

Traditionell werden in der Hahnemühle sehr hohe Qualitätsmaßstäbe angelegt. Besonders im Bereich Digital Fine Art bewies das Unternehmen viel Innovationskraft, erklärt die Marketingleiterin: „Wir waren die ersten, die solche Papiere zum Zweck der getreuen Abbildung und der Langlebigkeit hergestellt haben. Hier sind wir auch Qualitätsführer.“

Worin die Stärken des Unternehmens liegen, ist für Ann Kristin Nohlen keine Frage: „Unsere bedingungslose Konzentration auf unsere Kernkompetenz Papier. Allen Unkenrufen zum Trotz ist Papier nicht tot! Wir befinden uns nicht in einem Schnelldreher-Bereich. Papiere für industrielle oder künstlerische Anwendungen werden immer Bestand haben.“

Papiertechnologen – ehemals als Papiermacher bezeichnet – werden bei der Hahnemühle immer gesucht. Gutes Personal zu finden sei jedoch nicht leicht. Daher bildet das Unternehmen selbst aus. Seine Eigenständigkeit sei ein großer Vorteil, meint Ann Kristin Nohlen: „Inhaber sind lange mit dem Unternehmen verbundene Familien, die hinter der Hahnemühle stehen und kein Konzern. Wir sind dadurch sehr autark. Schnell und flexibel und unserer Nische mit hochwertigen Produkten treu zu bleiben, ist unser Ziel. Dabei stehen wir neuen Trends offen gegenüber und wollen so neue Zielgruppen gewinnen.“

Bewerten Sie diesen Artikel
Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern
TOP