Mehr als Masse

Interview mit Martin Bauer, Geschäftsführer der terraplastik Spritzguss­technik GmbH

Was 2005 als Existenzgründung mit einem Kunden, einem Werkzeug und einer Maschine begann, ist heute ein eingespielter Betrieb mit neun Spritzgussmaschinen und rund 120 Millionen gefertigten Teilen pro Jahr. Der Kern des Portfolios liegt in der Medizintechnik: Konnektoren für sekretableitende Systeme, Trichter für Absaugkatheter oder Wunddrainagesysteme – Bauteile, bei denen Präzision keine Frage des Preises ist. „Wir haben in dem Bereich Trichter 70% Marktanteil in Deutschland“, sagt Martin Bauer. Daneben fertigt das Unternehmen Kunststoffteile für Filtertechnik, Klimatechnik und weitere Branchen mit Losgrößen zwischen 100 und mehreren Millionen Stück. Für die Filtertechnik etwa produziert terraplastik die Kunststoffendkappen von Industriefiltern, die in Baumaschinen, Landmaschinen und

Windkraftanlagen zum Einsatz kommen, inklusive Montagearbeiten wie Ultraschallschweißen und -nieten. Insgesamt verfügt das Unternehmen über 370 verschiedene Werkzeuge, die flexibel auf den Maschinen eingesetzt werden. Dass dabei auch kleine Losgrößen ohne Aufpreis realisiert werden, ist für Martin Bauer schlicht eine Frage des Service.

Haltung statt Rabatt

Was terraplastik von vielen Wettbewerbern unterscheidet, ist weniger die Produktpalette als die Unternehmensphilosophie. Preise werden nicht nachverhandelt. Das ist ein Grundsatz, den Martin Bauer konsequent vertritt: „Wir geben saubere Preise ab. Ich habe bis heute keinen Preis nachverhandelt.“ Alle Kunden werden gleich behandelt, egal ob ihr Jahresumsatz bei 10.000 oder 500.000 EUR liegt. Neue Kunden gewinnt das Unternehmen fast ausschließlich über Empfehlungen. Rund 30% des Umsatzes entfallen dabei auf den Export, mit Lieferungen nach England, Frankreich, Tschechien, Tunesien, China, die USA, Brasilien und neuerdings Indien.

Grüner Strom, kühle Köpfe

Nachhaltigkeit ist bei terraplastik kein Marketingversprechen, sondern gelebte Betriebsrealität. Seit 2019 produziert das Unternehmen CO2-neutral: Ein Blockheizkraftwerk erzeugt Strom und wandelt Abwärme über Adsorptionskältemaschinen in Kälte um, mit der Maschinen und Werkzeuge gekühlt werden. Ergänzt wird das System durch eine Photovoltaikanlage; nicht selbst erzeugter Strom wird als zertifizierter Grünstrom zugekauft. Drei der neun Maschinen wurden bereits durch vollelektrische Modelle ersetzt, die 60% weniger Energie verbrauchen. All das ist für Martin Bauer, Großvater von fünf Enkeln, eine Frage der Verantwortung.

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