Aus Potenzial wird Wachstum: Wo Nischenmärkte Chancen eröffnen
Interview mit Nico Bundi, Geschäftsführer der Emsodur AG und Contec Fiber AG

Wirtschaftsforum: Herr Bundi, Emsodur gehörte viele Jahre zur EMS-Chemie. Was gab den Ausschlag dafür, dass daraus schließlich ein eigenständiges Unternehmen wurde?
Nico Bundi: Anfang der 2000er-Jahre wollte die EMS-Chemie den Produktbereich Emsodur einstellen, weil er nicht mehr zur strategischen Ausrichtung passte. Aus dem Management-Buy-out entstand 2007 die Emsodur AG, damals ein kleines Familienunternehmen. Die Finanzkrise stellte uns zwar vor große Herausforderungen, gab uns aber zugleich den Anstoß, neue Produkte zu entwickeln und unser Portfolio konsequent auszubauen. Damit legten wir den Grundstein für unsere weitere Entwicklung.
Wirtschaftsforum: Mit Contec Fiber und FDS Dry-Stripping Technology GmbH kamen später weitere Unternehmen hinzu. Steckt dahinter eine bewusste Strategie?
Nico Bundi: Ja, denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich gerade in vermeintlichen Randbereichen oft großes Potenzial verbirgt. Sowohl Contec Fiber als auch FDS gehörten zu größeren Unternehmensgruppen und standen dort nicht mehr im Mittelpunkt. Für uns waren sie dagegen Unternehmen mit Know-how und Entwicklungsmöglichkeiten. Genau solche Chancen schauen wir uns sehr genau an. Entscheidend ist nicht die Übernahme an sich, sondern die Möglichkeit, ein Geschäftsfeld langfristig und mit unserer Erfahrung erfolgreich weiterzuentwickeln.
Wirtschaftsforum: Sie bewegen sich ganz bewusst in Nischenmärkten. Warum ist Spezialisierung für Sie attraktiver als das Massengeschäft?
Nico Bundi: Wir möchten nicht Anbieter von Standardprodukten sein, sondern Spezialist für anspruchsvolle Anwendungen. Deshalb arbeiten wir eng mit unseren Kunden zusammen und betrachten nicht nur unser Produkt, sondern den gesamten Prozess. Unsere Mitarbeiter sind regelmäßig vor Ort, analysieren die jeweiligen Anforderungen und entwickeln gemeinsam mit den Kunden passende Lösungen. Diese Kundennähe und unsere hohe Spezialisierung unterscheiden uns vom Wettbewerb und schaffen langfristige Partnerschaften.
Wirtschaftsforum: Welche Geschäftsfelder prägen die Unternehmensgruppe heute?
Nico Bundi: Die Kunststoffstrahlmittel bilden bis heute eine tragende Säule unseres Unternehmens. Sie kommen überall dort zum Einsatz, wo empfindliche Oberflächen schonend bearbeitet oder gereinigt werden müssen, beispielsweise in der Luftfahrt-, Automobil- oder Kunststoffindustrie. Ein zweites wichtiges Standbein bilden die Kunststofffasern von Contec Fiber. Hier sehen wir großes Zukunftspotenzial. Unser Portfolio reicht von klassischen Kunststoff- bis zu Naturfasern für unterschiedliche Anforderungen im Betonbau.
Wirtschaftsforum: Was gibt am Ende den Ausschlag, dass sich Kunden für Emsodur entscheiden?
Nico Bundi: Entscheidend ist für viele Kunden die Kombination aus Produktqualität und Beratung. Wir verkaufen nicht einfach ein Produkt, sondern unterstützen unsere Kunden dabei, ihre Prozesse zu optimieren. Hinzu kommen unsere Innovationskraft und eine Produktion, die trotz des Standorts Schweiz sehr effizient aufgestellt ist. So können wir hochwertige Lösungen anbieten und gleichzeitig international wettbewerbsfähig bleiben.
Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit und neue regulatorische Anforderungen verändern viele Märkte. Wie begegnen Sie diesen Entwicklungen?
Nico Bundi: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit müssen aus unserer Sicht zusammenpassen. Deshalb investieren wir in eine nahezu CO2-neutrale Produktion und entwickeln unsere Produkte kontinuierlich weiter, damit sie den steigenden regulatorischen Anforderungen gerecht werden. So verbinden wir ökologische Verantwortung mit wirtschaftlichem Nutzen.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und künstliche Intelligenz bei der Weiterentwicklung Ihrer Produkte und Prozesse?
Nico Bundi: Unsere Produktion bleibt ein klassisches Industriegeschäft, dennoch nutzen wir digitale Systeme überall dort, wo sie Prozesse effizienter machen. Auch KI eröffnet neue Möglichkeiten – etwa bei der Produktentwicklung oder der Optimierung interner Abläufe. Wir sehen darin ein wichtiges Werkzeug, das unsere Mitarbeiter unterstützt und unsere Innovationskraft weiter stärkt.
Wirtschaftsforum: Sie wollten ursprünglich Banker werden und sind eher zufällig zu Emsodur gekommen. Was begeistert Sie heute an Ihrer Aufgabe?
Nico Bundi: Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in der Kunststoffindustrie arbeiten würde. Heute kann ich mir kaum etwas Spannenderes vorstellen. Mich begeistert, dass wir als Familienunternehmen schnell entscheiden, gemeinsam Lösungen entwickeln und Potenziale konsequent weiterdenken können. Genau diese Dynamik und das Miteinander im Team machen für mich den besonderen Reiz aus. Es ist schön zu sehen, wie aus einer guten Idee Schritt für Schritt etwas Erfolgreiches entsteht.









