Die Transformation möglich machen
Interview mit Achim Köhler, Vorstand und Doris Woll, Vorstandsvorsitzende der Saarländische Investitionskreditbank AG

Wirtschaftsforum: Frau Woll, Sie sprechen von einem Rekordjahr. Was war entscheidend für die Dynamik?
Doris Woll: 2025 war tatsächlich das stärkste Jahr nach den Corona-Jahren – mit 432 Millionen EUR, die wir im Saarland platziert haben. Entscheidend war aus meiner Sicht das Zusammenspiel: ein starkes Team in der Bank, kurze Wege im Land und eine enge Abstimmung mit den Ministerien.
Wirtschaftsforum: Was unterscheidet die SIKB strukturell von anderen Förderbanken?
Doris Woll: Wir sind eine Förderbank in der Rechtsform einer AG – und das ist ungewöhnlich. 67% gehören dem Land Saarland, 33% der regionalen Kreditwirtschaft (Sparkassen und Banken). Diese Eigentümerstruktur spiegelt unsere Rolle: Wir sind verlängerter Arm der Wirtschaftspolitik und gleichzeitig sehr eng mit den Hausbanken verzahnt.
Achim Köhler: Und trotz Förderauftrag gelten für uns viele Anforderungen wie für andere Banken – Aufsicht, Kennzahlen, Prozesse. Das macht die Aufgabe anspruchsvoll, aber auch sehr professionell.
Wirtschaftsforum: Wo setzen Sie inhaltlich an?
Doris Woll: Wir fokussieren uns auf drei Felder: Gründungen/Start-ups und Nachfolge, Mittelstandsfinanzierung sowie Wohnen und Wohnraumförderung. Gerade bezahlbares Wohnen ist ein Baustein gesellschaftlicher Stabilität – und ein Standortfaktor.
Wirtschaftsforum: Welche Instrumente nutzen Sie, um Wirkung zu erzielen?
Doris Woll: Wir leiten und beraten die KfW-Förderkreditpalette eng mit
den Hausbanken. Zudem sind wir Risikopartner in Konsortialfinanzierungen, übernehmen Aufgaben für die Bürgschaftsbank und verschiedene Beteiligungsgesellschaften – bis hin zur Venture-Struktur im Land. Unser Anspruch: Bei uns soll man ‘an der richtigen Adresse’ sein, wenn es um passgenaue Finanzierung geht.
Wirtschaftsforum: Wohnungsbau gilt vielerorts als schwierig. Wie gelingt im Saarland dennoch Bewegung?
Doris Woll: Wir haben gemeinsam mit dem zuständigen Ministerium an Stellschrauben gearbeitet – etwa Entbürokratisierung und praxistauglichere Vorgaben. Wichtig ist aber auch die Investorenperspektive: Bei 30 Jahren Belegungsbindung (Vermietung an Menschen mit Wohnberechtigungsschein) bietet das Saarland unter anderem einen festen Zins von 1% und 45% Tilgungszuschuss. 2025 konnten wir dadurch 65 Millionen EUR bewilligen – dahinter stehen fast 1.000 Wohneinheiten, auch im studentischen Wohnen. In der Beratung haben wir zudem eine Projektpipeline von rund 170 Millionen EUR.
Wirtschaftsforum: Deutschlandweit sinken Gründungszahlen. Was macht Sie im Saarland zuversichtlich?
Achim Köhler: Förderbanken wirken oft antizyklisch: Wenn Märkte zögerlich sind, entsteht umso mehr Bedarf an strukturierten Impulsen. Wir bauen Programme nicht ‘über Nacht’, sondern entwickeln sie über Jahre weiter – etwa mit Blick auf Transformation und Digitalisierung.
Doris Woll: Dazu kommt ein starkes Wissenschafts- und Transferumfeld mit Schwerpunkten wie Informationssicherheit, IT, Robotik, Life Science und neue Materialien. Und wir verstärken die Finanzierungsseite: Mit Mitteln aus dem Transformationsfonds haben wir die Venture-Gesellschaft ‘Saarup-Venture GmbH’ gegründet, mit 20 Millionen EUR kapitalisiert. Öffentliche Mittel investieren dabei pari passu mit privaten Investoren – als Markttest und Hebel. Zusätzlich haben wir Mittel in überregionale Fonds gegeben, um Netzwerke zu öffnen: Start-ups brauchen Kontakte, Kunden und Sichtbarkeit – nicht nur Kapital.
Wirtschaftsforum: Welche neuen Impulse setzen Sie 2026 für den Mittelstand?
Doris Woll: Wir haben unser Gründungs- und Wachstumsfinanzierungsprogramm um eine Transformationskomponente erweitert: Investitionen in neue Maschinen oder Märkte können mit einer Zinsverbilligung bis zu 1,5% unterstützt werden – bis zu 2,5 Millionen EUR. Und wenn Risikofinanzierung stockt, können wir gemeinsam mit Hausbanken Vorhaben begleiten und als Risikopartner bis zu 8 Millionen EUR mitfinanzieren – vorausgesetzt, das Unternehmen ist zukunftsfähig.
Achim Köhler: Außerdem stärken wir Eigenkapitalnähe: etwa über einen EFRE-Beteiligungsfonds von 22,6 Millionen EUR und einen EFRE-Nachrangdarlehensfonds – insgesamt ein Instrumentarium im Volumen von rund 55 Millionen EUR, das besonders bei großen Investitionen die Bilanzstruktur stabilisieren kann.
Wirtschaftsforum: Was ist Ihre Vision für die nächsten Jahre?
Doris Woll: Unser Motto 2026 lautet: „Wir fördern, was das Saarland stärkt.“ Die SIKB wird 75 Jahre alt. Unser Anspruch ist, in den drei Fokusthemen hochrelevant zu bleiben – und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Denn Förderung soll nicht ausschließlich aus knappen Haushaltsmitteln kommen: Wir wollen aus eigener Stärke heraus neue Programme gestalten.











