Evidenzbasierte Lösungen gegen Allergien
Interview mit Mag. Heidelinde Schopper, Geschäftsführerin der ALK-Abelló Allergie-Service GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Mag. Schopper, seit über 100 Jahren tritt Ihr Unternehmen bereits als Vorreiter in der kausalen Therapie von Allergien auf – wie sah der Weg dorthin aus?
Mag. Heidelinde Schopper: Das ALK in unserem Firmennamen steht für: Allergielabor Kopenhagen – dort wurde unser Unternehmen nämlich 1923 von einem Arzt und einem Apotheker gegründet. Noch heute liegt der weltweite Hauptsitz unweit des Gründungsortes im dänischen Hørsholm. Im Rahmen einer Fusion stieß viele Jahre später auch das spanische Unternehmen Abelló hinzu. Heute sind wir insgesamt in 44 Märkten aktiv, beschäftigen über 2.700 Mitarbeiter und betreuen etwa drei Millionen Patienten. Über zwei Drittel unseres Umsatzes erwirtschaften wir weiterhin in Europa; darüber hinaus sind wir vor allem in Nordamerika mit einer starken Präsenz vertreten.
Wirtschaftsforum: Ihr Fokus liegt seit jeher auf der ursächlichen Behandlung von Atemwegsallergien sowie Bienen- und Wespengiftallergien – gerade hier hat es in den letzten Jahren zahlreiche neue Impulse gegeben.
Mag. Heidelinde Schopper: Die Darreichungsformen haben sich im Verlauf der Jahrzehnte deutlich verändert. Das ist wahrscheinlich auch den konkreten Rahmenbedingungen der jeweiligen Zeit zuzuschreiben. Nachdem man zunächst mit Tropfen begonnen hatte, dominierte lange Zeit die bekannte Spritzentherapie, bis vor ziemlich genau 20 Jahren die ersten Tabletten auf den Markt kamen. Die Gräsertablette ist seit dem 01.01.2007 auch in Österreich verfügbar. Der Schwerpunkt unserer Forschungstätigkeit liegt heute auch weiterhin im sublingualen Anwendungsbereich. Die Vorteile für die Behandler wie für die Patienten liegen dabei auf der Hand, allein schon, weil zur Einnahme der Tabletten – außer der ersten Einnahme in der Ordination – kein Praxisbesuch erfolgen muss. Das ist angesichts der langen Wartelisten für eine Allergen-Immuntherapie schließlich besonders bedeutsam.
Wirtschaftsforum: Auch die fundamentale Zusammensetzung der Präparate hat sich inzwischen deutlich verändert.
Mag. Heidelinde Schopper: Vor einiger Zeit wurde noch vielfach mit Mischungen behandelt. Davon ist man auf Basis der jüngeren Forschung inzwischen weitgehend abgerückt: Heute erfolgt die Therapie meist nur noch nach dem Leitallergenprinzip, das davon ausgeht, dass ein Referenzallergen als Vertreter einer homologen Gruppe für die Diagnose, aber auch für die AIT für die gesamte Gruppe verwendet werden kann. In diesem Zuge hat sich auch die Anzahl der vielen Tausend Präparate, die es einst auf dem Markt gab, auf einen Bruchteil reduziert. Unser Unternehmen hat damals im Zuge der Fusion von ALK und Abelló ebenfalls sein Sortiment sukzessive um gewisse Doppelungen bereinigt, immer mit dem klaren Ziel vor Augen, unseren Patienten und ihren Behandlern nur die am besten wirksamen Produkte anbieten zu wollen.
Wirtschaftsforum: Einen Großteil der Erlöse aus seinen Präparaten investiert ALK-Abelló direkt in neue Forschungsaktivitäten.
Mag. Heidelinde Schopper: Das ist uns ein Anliegen. Ob man den berühmten Etagenwechsel bei Kindern mit Allergien ganz verhindern kann, sei dahingestellt: In jedem Fall kann man jedoch auf einen besseren Verlauf hinwirken – und unsere Möglichkeiten dazu werden auf Basis einer immer breiteren Datenlage immer besser. Deshalb sind wir in Österreich auch Mitglied der Forschenden Pharmaindustrie, eines Verbandes, in den nur Firmen aufgenommen werden, die besonders hohe Investitionen in die Forschung tätigen und allenfalls einen kleinen Generikaanteil im Portfolio haben. Wir legen großen Wert darauf, soweit möglich allein evidenzbasierte Produktlinien anzubieten. Bei seltenen Allergenen gestaltet sich das natürlich schwierig, weil es dann gar keine ausreichend große Patientenkohorte gibt, um eine derart umfangreiche Studie durchzuführen – deshalb gelten die Evidenzstandards der EMA auch nur für die Hauptallergene. Anders als in Deutschland gibt es in Österreich jedoch keine Rahmenvereinbarung, in der sich alle beteiligten Stakeholder darauf geeinigt hätten, nur evidenzbasierte Produkte zu verschreiben, was ich etwas schade finde. Denn am Ende sollten wir doch nur in Präparate und Behandlungen investieren, die den Patienten auch nachweislich helfen. Unter diesen Rahmenbedingungen treten wir dann auch gerne in einen fairen Wettbewerb ein.
Wirtschaftsforum: ALK-Abelló möchte sein Engagement in den nächsten Jahren noch stärker erweitern.
Mag. Heidelinde Schopper: Neben unseren Präparaten zur kausalen Behandlung von Atemwegsallergien bieten wir schon seit längerer Zeit auch ein Produkt gegen Anaphylaxien an – des Weiteren ist ein neues, innovatives Produkt bereits zugelassen. Darüber hinaus möchten wir uns in Zukunft verstärkt dem Themenfeld Lebensmittelallergien widmen, denn auch hier gibt es spannende neue Studienergebnisse, die wirkmächtige neue Innovationen ermöglichen – und damit einen klaren Zugewinn an Lebensqualität für die Patienten.
Wirtschaftsforum: Worauf führen Sie den anhaltenden Erfolg von ALK-Abelló zurück – gerade auch im Wettbewerb mit Big Pharma?
Mag. Heidelinde Schopper: Ich kenne beide Welten – und nirgendwo habe ich eine so geringe Mitarbeiterfluktuation und einen solchen sinnstiftenden Spirit erlebt wie bei ALK-Abelló, wahrscheinlich bedingt durch die schnellen Entscheidungswege und die vielfältigen Möglichkeiten, sich auf jeder Ebene mit seinen Ideen und Überzeugungen einzubringen. Gleichzeitig können wir auf einer jahrzehntelangen vertrauensvollen Zusammenarbeit mit zahlreichen Arztpraxen, Apotheken und anderen Dienstleistern im Gesundheitswesen aufbauen, die uns regelmäßig wichtiges Feedback spiegeln.










