Mit Schiebedach und Tür immer im Trend

Interview mit DI Herbert Auer, CEO der Pollmann International GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Auer, welche Meilensteine haben das Unternehmen zu dem gemacht, was es heute ist?

Herbert Auer: Pollmann besteht seit über 130 Jahren und ist somit geprägt von viel Tradition, aber auch Regionalität. Unser Ursprung liegt in der Uhrenfertigung. In den 1970-er Jahren ist man mit der Fertigung von mechanischen Kilometerzählern in die Automobilzulieferindustrie eingestiegen. In den 1990-Jahren wurden die Kilometerzähler digital. Pollmann hat sich daher mit fünf Segmenten innerhalb des Automotivebereichs breiter aufgestellt. In den vergangenen 30 Jahren erfolgten mehrere Internationalisierungsschritte. So haben wir uns von einem regionalen Betrieb zu einem internationalen Unternehmen mit Standorten in Tschechien, China und Mexiko entwickelt.

Wirtschaftsforum: Wie war die wirtschaftliche Entwicklung?

Herbert Auer: In den letzten zehn Jahren sind wir sehr stark gewachsen, hatten durch Corona und die allgemeine Krise in der Automobilindustrie allerdings Einbrüche. 2019 lag unser Umsatz zwischen 170 und 180 Millionen EUR, jetzt sind es rund 150 Millionen EUR. Nach meiner Einschätzung wird auch 2023 noch schwierig werden, bevor sich die Lage in der Branche entspannt. Aber alle Prognosen sind mit Vorsicht zu genießen. Wir haben gesehen, wie schnell unvorhersehbare Ereignisse jede Vorhersage über den Haufen werfen.

Wirtschaftsforum: Hat sich die Krisenlage auch auf Ihre Aufgaben als CEO ausgewirkt?

Herbert Auer: Der Planungshorizont hat sich reduziert. Dadurch ist es notwendig geworden, viel stärker operativ zu agieren als strategisch. Der Austausch von Informationen ist in solchen Zeiten ganz wichtig. Dafür haben wir spezielle Taskforce-Teams zusammengestellt, die Mitarbeiter, Stakeholder und Kunden auf dem Laufenden halten. Das haben wir auch schon bei der Hochwasserkatastrophe gemacht, von der viele unserer Lieferanten betroffen waren.

Wirtschaftsforum: Welche Impulse können Sie dem Unternehmen geben?

Herbert Auer: Nach den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre wollen wir uns breiter aufstellen, um Risiken zu reduzieren. Im Automotivebereich sind wir das schon und auch für Megatrends wie E-Mobilität und autonomes Fahren gerüstet. Wir wollen uns aber auch außerhalb der Automotive positionieren. Einen ersten Schritt haben wir mit einem Zukauf im Bereich Automatisierungstechnik und Sondermaschinenbau gemacht. Über die Firma MAXXOM Automation wollen wir zukünftig beides auch extern anbieten.

Wirtschaftsforum: Welche Themen liegen Ihnen persönlich am Herzen?

Herbert Auer: Mein Interesse gilt besonders der Elektromobilität. Hier sehen wir mit unserer Kompetenz in der Verbindung von Metall und Kunststoffen zu Mechatronik viel Potential. Das gilt auch für den Non-Automotivebereich, wo unsere Entwicklungen in den Bereichen Busbars und Zellverbindungen unter anderem für Speicherlösungen eingesetzt werden können. Die Digitalisierung ist ein weiteres wichtiges Thema. Hier haben wir eine eigene Roadmap aufgestellt, um uns entsprechend zu positionieren. In der Digitalisierung liegt die Zukunft. In der Fertigung bewegen wir uns bereits in Richtung digitale Fabrik.

Wirtschaftsforum: Welche Produktbereiche umfasst das Portfolio von Pollmann?

Herbert Auer: Im Bereich Dach fertigen wir Schiebedachmechaniken und sind auf diesem Gebiet Weltmarktführer. Im Bereich Tür produzieren wir Gehäusedeckel und Aktuatoren für Seitentürschlösser sowie Führungsrohre für Heckklappenantriebe. In den Geschäftsfeldern Engine und Powertrain sind klassische Bauteile Gehäusedeckel für Motorlufteinlässe, Komponenten für Bremsaktuatoren, Steckverbindungen und Frames im Bereich der elektrischen Lenkung und der Kraftstoffpumpen. Der jüngste und zukunftsträchtigste Bereich ist E-Mobility. Hier fertigen wir Zellverbinder und Busbars, haben aber auch Lösungen im Bereich Temperaturmanagement. Mit dieser Aufstellung sind wir unabhängig von Megatrends im automotiven Bereich. Denn auch ein autonom fahrendes oder elektrisch angetriebenes Fahrzeug wird ein Schiebedach und eine Tür benötigen. Unsere Kunden sind die großen TIER1. Seit dem Eintritt in die E-Mobilität werden wir aber auch für die OEMs als Direktlieferant immer interessanter. Der Sondermaschinenbau ist ein gesonderter Bereich, in dem wir branchenunabhängig sind.

Wirtschaftsforum: Welche Faktoren sind Ihrer Meinung nach ausschlaggebend für den Erfolg von Pollmann?

Herbert Auer: Der wichtigste Faktor sind unsere Mitarbeiter und ihre Innovationskraft. Eine Rolle spielt dabei, dass wir ein Familienunternehmen und sehr traditionell geprägt sind. Es gibt eine große Verbundenheit, und viele Mitarbeiter sind schon sehr lange bei uns. In unserer Unternehmens-DNA steckt, dass sich jeder von uns immer wieder fragt, wie er etwas besser und effizienter machen kann. Das fördern wir auch weiterhin.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die Entwicklung der Automobilbranche?

Herbert Auer: Sie erlebt gerade einen der größten Umbrüche und ist wohl am stärksten betroffen von den Auswirkungen der aktuellen globalen Krisen. Für die Zukunft wird es ganz wichtig sein, die Markttrends zu berücksichtigen. Von gesellschaftlicher Seite her müssen wir uns den Nachhaltigkeitsthemen wie Green Deal und ESG widmen und stärker auf Regionalität setzen. Ich rechne damit, dass in dieser Hinsicht ein Umdenken erfolgt. Denn die vergangenen Jahre haben uns gezeigt, wie abhängig wir vom Globalmarkt sind.

Wirtschaftsforum: Was ist Ihr persönlicher Antrieb für Ihre Arbeit?

Herbert Auer: Ich bin seit fast 20 Jahren bei Pollmann und spüre eine starke Verbundenheit mit dem Unternehmen und den Mitarbeitern. Neues zu gestalten, das Unternehmen zu diversifizieren und global aufzustellen treibt mich an.

Mehr zum Thema Automobil & Fahrzeugbau

Ein Motor ist nur so gut wie seine Bauteile

Interview mit Oliver Schöttle, Geschäftsführer der SM Motorenteile GmbH

Ein Motor ist nur so gut wie seine Bauteile

Seit über 40 Jahren steht die SM Motorenteile GmbH aus dem Großraum Stuttgart nicht nur für technische Exzellenz, sondern auch für starke persönliche Werte in ihren gewachsenen Geschäftsbeziehungen entlang der…

Unsichtbar, aber unverzichtbar: Infrastruktur für eine vernetzte Zukunft

Interview mit Oliver Weicker, Chief Commercial Officer Telecom Solutions CEE der Prysmian Kabel und Systeme GmbH

Unsichtbar, aber unverzichtbar: Infrastruktur für eine vernetzte Zukunft

Ob Energiewende, Digitalisierung oder der explosionsartig wachsende Datenbedarf moderner Gesellschaften – ohne leistungsfähige Infrastruktur im Hintergrund geht heute nichts mehr. Stromnetze, Glasfasertrassen und Datenautobahnen bilden das Rückgrat wirtschaftlicher Entwicklung, bleiben…

Intelligente Sensoren: Der Schlüssel zur Effizienz in der Industrie

Interview mit Dirk Möller, Vice President der Produktgruppe Sensoren der Hottinger Brüel & Kjær A/S

Intelligente Sensoren: Der Schlüssel zur Effizienz in der Industrie

Hottinger Brüel & Kjær A/S ist nicht nur ein führendes Unternehmen im Bereich der Messtechnik, sondern auch ein innovativer Partner, der seinen Kunden hilft, die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern.…

Spannendes aus der Region Karlstein

Heute gehen die Uhren anders

Interview mit Herbert Auer, CEO der Pollmann International GmbH

Heute gehen die Uhren anders

130 Jahre lang den Charakter eines Familienunternehmens zu wahren, ist keine leichte Aufgabe – vor allem, wenn dieses in dem Zeitraum zu einem international aufgestellten Unternehmen heranwächst. Dass dieser Spagat…

Präzision für den Ernstfall

Interview mit Hendrik Hasch, CEO der iSi Automotive Holding GmbH

Präzision für den Ernstfall

Die Automobilzulieferindustrie befindet sich im Umbruch: Elektrifizierung, Kostendruck und fragile Lieferketten erhöhen die Anforderungen an Tempo, Qualität und globale Lieferfähigkeit. Gleichzeitig bleibt ein Bereich konstant essenziell – die passive Sicherheit.…

„Wir brauchen einen europäischen Arbeitsmarkt!“

Interview mit Stephan Holzleitner, Geschäftsführer der HOGO Time Solution GmbH

„Wir brauchen einen europäischen Arbeitsmarkt!“

Seit knapp 20 Jahren vermittelt HOGO dringend benötigte Fachkräfte aus Mittel-, Ost- und Südeuropa an seine deutschen und österreichischen Auftraggeber. Welchen Herausforderungen er dabei im gelebten Alltag begegnet, wie er…

Das könnte Sie auch interessieren

Tradition trifft Innovation im Kiesgeschäft

Interview mit Caroline Held, Geschäftsführerin und Otto-Wilhelm Held, Geschäftsführer der Kändler-Held GmbH

Tradition trifft Innovation im Kiesgeschäft

Die Kändler-Held GmbH, ein traditionsreiches Unternehmen aus Petershagen, wird heute in 3. und 4. Generation von Otto-Wilhelm Held und seiner Tochter Caroline Held geleitet. Das Unternehmen hat sich als führender…

„Wir denken nicht im Quartal, sondern in Generationen“

Interview mit Thomas Fischer, Geschäftsführer der MBI Deutschland GmbH

„Wir denken nicht im Quartal, sondern in Generationen“

Wer Thomas Fischer zuhört, spürt schnell: Hier spricht keiner in Marketingfloskeln. Es geht um Technik, um robuste Lösungen – und um Vertrauen. Um Präsenz im richtigen Moment. Und darum, wie…

Fahrzeugaußenflächen in Energiequellen umwandeln

Interview mit Dr. Bonna Newman, Chief Executive Officer der Lightyear Technologies B.V.

Fahrzeugaußenflächen in Energiequellen umwandeln

Die Bedeutung nachhaltiger Mobilität ist in der heutigen Zeit nicht zu unterschätzen. Der Erfolg dieser Transformation ist entscheidend, nicht nur als Maßnahme gegen den Klimawandel, sondern auch für die Wettbewerbsfähigkeit…

TOP