„Je ausgefallener, desto lieber!“

Interview mit Gernot Ramsauer, Geschäftsführer der Langguth + Co. GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Rams-auer, Antriebe werden für viele Anwendungen benötigt und es gibt auch viele Anbieter in diesem Segment. Welche Antriebe fertigen Sie und was unterscheidet Sie von der Konkurrenz?

Gernot Ramsauer: Unsere Spezialität und unsere wichtigste Produktgruppe sind Schnecken- und Planetengetriebe – häufig mit Spindelantrieben. Hinzu kommen Sonderantriebe. Grundsätzlich fertigen wir nur kundenspezifisch. Standardantriebe können andere und größere Firmen viel besser und preisgünstiger liefern. Wir kommen dann ins Spiel, wenn es kein entsprechendes Katalogprodukt gibt. Ein gutes Beispiel ist die Medizintechnik. So werden zum Anheben von Patientenliegen in einem MRT Antriebe ohne magnetische Bauteile benötigt. So etwas fertigen wir dann individuell. Unsere Antriebe werden auch bei ausfahrbaren Schiebetritten von U-Bahnen eingesetzt. Salopp formuliert: Je ausgefallener und abstruser die Anforderungen sind, desto lieber haben wir das. So können wir auch Planetengetriebe herstellen, die im oder gegen den Uhrzeigersinn laufen. Besonders wohl fühlen wir uns bei Losgrößen zwischen 50 und 5.000 Stück.

Wirtschaftsforum: Interessant. Erzählen Sie uns doch bitte etwas über die Geschichte von Langguth. Wer hat das Unternehmen gegründet und wie hat es sich seitdem entwickelt?

Gernot Ramsauer: 1921 gründeten der Konstrukteur Karl Langguth und der Kaufmann Dr. Friedrich Pelke das Unternehmen zur Herstellung von Zweiradprodukten. Ein von Karl Langguth entwickeltes Motorradgetriebe wurde nicht patentiert und deshalb von einem namhaften Motorradhersteller nachgebaut. 1956 hat mein Großvater Georg Ramsauer den Betrieb übernommen und startete mit der Fabrikation von Antrieben, unter anderem für Paternoster-Schränke zum Aufbewahren von Akten. Ein Jahr später kam mein Vater Rudolf Ramsauer als Lehrling ins Unternehmen, später stieg mein Onkel Günter Ramsauer ebenfalls mit ein. Mein Vater hat 1971 die Leitung der Firma übernommen und seit 1998 führe ich den Betrieb als Geschäftsführer. Bis heute ist das Unternehmen zu 100% in Familienbesitz und wir beschäftigen insgesamt 40 Mitarbeiter. 

Wirtschaftsforum: Welche Branchen bedienen Sie neben der bereits erwähnten Medizin- und Bahntechnik?

Gernot Ramsauer: Da sind wir sehr breit aufgestellt. Wir liefern unsere Antriebe für Automatisierung und Robotik, den allgemeinen Maschinenbau, Lebensmittelindustrie und Defense. Wir haben Erfahrung in vielen Bereichen. Es muss auf jeden Fall immer etwas Besonderes sein.

Wirtschaftsforum: Und was ist Ihr geografisches Einzugsgebiet?

Gernot Ramsauer: Wir sind vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv. Dieser Markt macht rund 70% unseres Umsatzes aus. Die übrigen 30% verteilen sich auf Kunden aus aller Welt.

Wirtschaftsforum: Was machen Sie auf der Vertriebsseite?

Gernot Ramsauer: Das ist bei uns etwas schwieriger, weil wir ja kein Produkt anbieten, sondern mit Lösungskompetenz überzeugen wollen. Viele Abfragen kommen über das Internet, weil Interessenten uns googeln. Die Suchmaschinenoptimierung wollen wir deshalb noch weiter ausbauen. Ansonsten kümmert sich unser Inhouse-Vertrieb um Bestandskunden und mögliche neue Aufträge. Kunden aus dem norddeutschen Raum werden über eine Vertretung in der Region betreut. Außerdem sind wir regelmäßig mit einem Stand auf der führenden Messe für Automatisierung vertreten, der SPS in Nürnberg.

Wirtschaftsforum: Ist Digitalisierung für Sie ein Thema?

Gernot Ramsauer: Bei unseren Antrieben eher am Rande, zum Beispiel wenn Sensorik mit verbaut wird. Das Gleiche gilt für Steuerungskomponenten. Vor zwei Jahren haben wir auch versuchsweise einen Roboter angeschafft und in unsere Fertigung integriert. So sind wir da aktuell hybrid unterwegs. Und auch in unseren internen Abläufen digitalisieren wir uns Schritt für Schritt weiter.
 

Wirtschaftsforum: Und wie halten Sie es mit der Nachhaltigkeit?

Gernot Ramsauer: Damit beschäftigen wir uns schon länger, auch als das Thema noch nicht in aller Munde war. Im Umkreis waren wir vor 16 Jahren die ersten mit Photovoltaik auf dem Dach. Wir nutzen unsere Abwärme und führen Metallreste aus der Verarbeitung einer weiteren Verwendung zu. Wir versuchen auch, Materialien mit Recyclinganteil zu nutzen. In unserem Fuhrpark gibt es mittlerweile mehr E-Fahrzeuge als Autos mit Verbrennermotor. Außerdem haben wir auf unserem Firmengelände eine schöne Blumenwiese angelegt, um die sich Mitarbeiter kümmern. 

Wirtschaftsforum: Warum ist Langguth ein erfolgreiches Unternehmen?

Gernot Ramsauer: Wir hören gut zu, erstellen ein Konzept komplett mit Preisen und sind ein solides Familienunternehmen. Außerdem haben wir sehr qualifizierte und motivierte Mitarbeiter.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre?

Gernot Ramsauer: Wir möchten in zukunftsorientierten Branchen weiter wachsen. Dabei denke ich unter anderem an Umwelttechnologien und Lebensmittelindustrie. Wir möchten die Welt gerne ein bisschen besser machen. 

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