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Interview mit Christian Kauth, CEO, und Johannes Kauth, COO der Kauth Group

Wirtschaftsforum: Herr Kauth, Ihr Produktsortiment ist groß. Was sind die wichtigsten Produktbereiche für die KAUTH Group?

Johannes Kauth: Eine Säule unseres Geschäftes sind Gewindedurchzüge und Tuben. In den letzten Jahren sind auch Zusammenbauten, also größere Baugruppen, immer wichtiger geworden. Im Mittelpunkt stehen aber immer Gewindedurchzüge. Zum Programm gehören auch Achs- und Sitzbefestigungen, Elektro-, Tank- und Abgassysteme, Tür-, Heck- und Klappscharniersysteme, Karosserieteile und andere Produkte.

Wirtschaftsforum: Bieten Sie standardisierte Lösungen an oder arbeiten Sie individuell nach Kundenwunsch?

Christian Kauth: Bei uns wird alles individuell auf den Kunden maßgeschneidert. Wir gehen schon sehr früh in der Entwicklungsphase ins Gespräch, sodass wir die Anforderungen an das Fahrzeug insgesamt im Blick haben. Wir machen dann entsprechende Vorschläge zur Gestaltung. Somit sind wir also mehr als ein Anbieter von Produkten. Wir sind Partner unserer Kunden.

Wirtschaftsforum: Aus welchen Branchen kommen Ihre Kunden?

Johannes Kauth: Wir sind auf die Automobilbranche fokussiert und zu unseren Kunden zählen renommierte Namen wie BMW, Mercedes oder Audi und die VW-Gruppe. Auch die Tier1-Zulieferer, wie zum Beispiel voestalpine AG, gehören zu unseren Kunden.

Wirtschaftsforum: Was sind aktuell wichtige Regionen für die KAUTH Group und wo sehen Sie Perspektiven für die kommenden Jahre?

Christian Kauth: Grundsätzlich sind wir global aufgestellt mit der DACH-Region als Heimat- und Kernmarkt. In Europa gehen wir überall dort hin, wo die Tiers sitzen. Aktuell haben wir einen großen Auftrag aus Spanien. Auch in Osteuropa sind wir gut aufgestellt. Global betrachtet haben wir bereits Kunden aus China und möchten uns gerne Richtung USA und Kanada verstärken. Marken wie Ford, GM oder Chrysler haben noch wenig Tuben im Einsatz.

Wirtschaftsforum: Was sind zurzeit die wichtigen Themen Ihrer Kunden?

Johannes Kauth: Elektrifizierung ist ein zentrales Stichwort. Alle neuen Fahrzeuge sind elektrisch. Dadurch fallen manche Produkte für uns weg, zum Beispiel die Motor- und Getriebebefestigungen. Neu kommen dafür Befestigungen für Batterien. Wir konzentrieren uns auf die Fahrzeugkarosse und sind unabhängig vom Antrieb. Türen und Sitze wird man immer brauchen. Die Tuben für Elektromobilität sind sogar massiver als die für Verbrenner, da die Batterie das Fahrzeug schwerer macht.

Wirtschaftsforum: Was tun Sie als Unternehmen, um Ihren ökologischen Fußabdruck zu verbessern?

Christian Kauth: Aktuell erweitern wir unser Stammwerk um weitere Montageflächen. Hier werden wir eine Photovoltaikanlage mit 920 KVA installieren. Wir werden eine Wärmepumpe einbauen und in der Fertigung eine Fußbodenheizung installieren. Der Einbau von Wärmepumpen in all unsere Produktionen ist eine Herausforderung. Wir müssten dazu alle Gebäude entkernen. Deshalb werden wir auch dort verstärkt auf Photovoltaik setzen. Darüber hinaus setzen wir ausschließlich LED-Licht ein, arbeiten mit einer intelligenten Maschinensteuerung und haben ein Abschalt-Management. Nicht zuletzt sind wir nach ISO 14001 und 50001 zertifiziert. Wir hatten die Zertifizierungen schon, bevor sie zu einem großen Marketingthema wurden.

Wirtschaftsforum: Ihr Großvater hat 1928 den Grundstein für das Unternehmen gelegt. Fast 100 Jahre später ist das Unternehmen immer noch am Markt und das sehr erfolgreich. Worauf führen Sie diesen sehr langfristigen Erfolg von Paul Kauth zurück?

Christian Kauth: Meine Familie hat immer mit Leidenschaft hinter dem Unternehmen gestanden und wir waren immer fleißig. Häufig hieß es ‘Firma vor privatʼ. Wir stehen für das typische deutsche Unternehmertum. Bei uns haben die Inhaber und Geschäftsführer immer auch selbst an den Maschinen gestanden. Zudem haben wir immer investiert, auch in herausfordernden Zeiten. Was unsere Produkte angeht, so haben wir ab bestimmten Dimensionen einigen Wettbewerbern gegenüber einen Know-how Vorteil. Unsere Lösungen kann nicht jeder. Wir haben ein echtes USP, wenn es um höhere und massivere Tuben geht und können hier schon in einer sehr frühen Phase beraten. Zudem ist unser Prototypenbau extrem leistungsfähig. Nicht zuletzt sind wir als Familienunternehmen immer für unsere Mitarbeiter ansprechbar, auch nach Feierabend. Wir haben immer schon auf ein ‘Miteinanderʼ gesetzt und unsere Arbeit ist sinnstiftend. Das ist gerade den jungen Leuten sehr wichtig.

Wirtschaftsforum: Was haben Sie sich noch für das Jahr 2023 vorgenommen?

Christian Kauth: Unser Neubau ist ein großes Thema. Er umfasst rund 6.000 m2. Wir möchten spätestens Ende des Jahres umziehen, mit allen Montagelinien. Wir haben viele neue zukunftsweisende Projekte in der Pipeline, sind zum Beispiel bei den neuen Mercedes-Plattformen EA und MMA involviert. Es bleibt abzuwarten, wie hoch tatsächlich die Stückzahlen sind.

Wirtschaftsforum: Welches Ziel verfolgen Sie langfristig für die KAUTH Group?

Christian Kauth: Wir werden weitere Einsatzbereiche für unsere Lösungen suchen. Es gibt auch außerhalb der Automotive-Branche verschiedene Anwendungsperspektiven. Diese eruieren wir aktuell. Zudem möchten wir internationaler werden und den Sprung nach Nordamerika machen. Dort ein eigenes Werk zu eröffnen, wäre ein Meilenstein für uns.

Johannes Kauth: Wir möchten uns Jahr für Jahr verbessern. Wichtiger als eine Umsatzsteigerung ist uns die Steigerung unserer Qualität und Stabilität. Außerdem möchten wir in Eigenregie weiterarbeiten. Wir möchten unsere Entscheidungen selbst treffen können. Letztendlich geht es darum, das Unternehmen für die 4. Familiengeneration gut aufzustellen.

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