Technisch intelligente Elektroniklösungen
Interview mit David Kimmerle, Geschäftsführer der Miltronik Steuer- und Leistungselektronik GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Kimmerle, Miltronik verspricht seinen Kunden Steuer- und Leistungstechnik mit hoher Flexibilität bei höchster Qualität. Auf welchen Branchen liegt dabei Ihr Fokus?
David Kimmerle: Ich glaube, dass wir uns gerade durch unser branchenübergreifendes Know-how auszeichnen. Derzeit sind wir für über 30 Kunden tätig, die sich fast alle in unterschiedlichen Industriezweigen bewegen, in denen jedoch ausnahmslos besonders hohe technische Anforderungen herrschen. Diese Branchenvielfalt ist gleichzeitig eine wichtige Grundlage für unsere beständige unternehmerische Resilienz: Denn bisher gab es mit der Finanzkrise nur eine Phase in unserer über 40 Jahre währenden Unternehmensgeschichte, die wirklich fast all unsere Kunden gleichzeitig erfasste.
Wirtschaftsforum: Wodurch kann sich Miltronik von seinen Wettbewerbern im Markt abheben?
David Kimmerle: Wir können sowohl Prototypen und Kleinstserien als auch mehrere Zehntausend Stück einzelner Komponenten produzieren, samt der entsprechenden Lackierung und Beschichtung. Neben unserer Entwicklungskompetenz wollen wir unseren Kunden somit auch von Anfang an umfassende Fertigungskapazitäten bereitstellen, sodass am Ende alle Parteien von niedrigeren Stückkosten profitieren. Durch den engen Austausch mit unseren Kunden ist der Preis dann auch nicht immer das allesentscheidende Kriterium, denn oftmals bestehen Rückfragen, die schnell geklärt werden müssen, gerade wenn sich die jeweilige Komponente noch im Entwicklungsstadium befindet. Das kann nur ein Partner leisten, der wirklich vor Ort präsent ist.
Wirtschaftsforum: Wie viel Branchenwissen benötigt Miltronik dafür neben seinem umfassenden fachlichen Know-how?
David Kimmerle: Die grundsätzliche Funktionsweise unserer Elektronikkomponenten ist über die verschiedenen Anwendungsfelder hinweg weitgehend gleich, auch wenn in den Einzelheiten durchaus relevante Unterschiede bestehen können, etwa bei der geschalteten Leistung oder der Anzahl der Ein- und Ausgänge. Die einzelnen Schritte, die bei der Konzeptentwicklung durchlaufen werden müssen, sowie die Anforderungen der geltenden Normen sind jedoch zumeist identisch: Eine Leistungssteuerung für eine Segelyacht muss beispielsweise gut mit Salzwasserdämpfen und vielleicht auch etwas höheren Ladeströmen im DC-Bereich zurechtkommen; eine Bordelektronik für ein Geländesonderfahrzeug ist hingegen Matsch, Dreck und Wasser ausgesetzt. Die Umgebungsbedingungen und Kommunikationsstandards sind also ziemlich ähnlich, sodass wir grundsätzlich auf ein starkes Baukastensystem setzen können, mit dem wir für die meisten Anwendungsfelder schnell umsetzbare Ergebnisse generieren.
Wirtschaftsforum: An welchen Innovationen arbeiten Sie derzeit?
David Kimmerle: Die meisten Neuentwicklungen entstehen in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden für ihre jeweiligen Projekte. Dennoch beschäftigen wir uns auch mit einigen übergeordneten Innovationen: etwa im Motoryachtbereich, wo zunehmende Bestrebungen bestehen, auch per App bestimmte Bedieneinheiten ansteuern zu können, um etwa den Spritstand abzulesen oder im Winter die Heizung remote zu steuern. Auch der klassische Maschinenbau durchläuft gerade gewisse Digitalisierungsschleifen, wo neue Datenerfassungsmöglichkeiten mehr Präzision erlauben: So waren wir beispielsweise an einem Forschungsprojekt für eine smarte Schere beteiligt, wo die Kraftaufnahme an der Schere und der Verschleiß ermittelt werden sollte. Das war im Bereich Rotorblattfertigung von Windkraftanlagen. Viele unserer Kunden stehen heute zudem vor ziemlich großen Produktpaletten, die sie schon aus Effizienzgründen nach Möglichkeit auf eine Handvoll Komponenten reduzieren möchten. Auch hier können wir beratend unterstützen und anschließend die entsprechenden Produkte herstellen.
Wirtschaftsforum: Wie entwickelt sich Miltronik derweil technologisch weiter?
David Kimmerle: Durch den Einsatz von KI können wir vor allem in der Entwicklung Zeit und Geld sparen. Gleiches gilt für die Digitalisierungs- und Automatisierungsschritte, die wir derzeit umsetzen, auch wenn wir uns angesichts unserer zumeist eher kleinen Stückzahlen dabei auf besonders wirksame Aspekte beschränken: etwa eine voll automatisierte Einpressmaschine, die unsere bisher eingesetzten Kniehebelpressen ersetzen soll, sowie neue Transportroboter und Cobot-Systeme, die uns bei der Qualitätsprüfung unterstützen werden.
Wirtschaftsforum: Ihr Vater hatte Miltronik nicht nur gegründet, sondern auch jahrzehntelang aufgebaut. Sie sind vor sieben Jahren in das Unternehmen eingetreten: Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen und welche Vision verfolgen Sie für die Zukunft?
David Kimmerle: Ich war mir der enormen Verantwortung, die mit der Führung eines solchen Unternehmens einhergeht, von Anfang an bewusst und habe darüber immer sehr offen mit meinem Vater gesprochen. Deshalb war ich zuvor auch eine Zeit lang in einem anderen Unternehmen tätig, um als Entwickler eigene Erfahrungen zu sammeln. Heute macht es mir großen Spaß, mit meinem Team neue Entwicklungen voranzutreiben – genau wie die enge Zusammenarbeit mit meinem Co-Geschäftsführer Stephan Bücker, der eher die kaufmännischen Aspekte verantwortet, während ich für den technischen Teil zuständig bin. Strategisch wie im gelebten Tagesgeschäft ergänzen wir uns mit unseren unterschiedlichen Blickwinkeln dabei hervorragend und sehen in der Weiterentwicklung von Miltronik gleichzeitig einen höchstpersönlichen Ansporn.










