105 Jahre unter Strom
Interview mit Paul Schwenk, CEO der Theben AG

Wirtschaftsforum: Herr Schwenk, die Theben AG feiert in diesem Jahr 105 Jahre. Welche Meilensteine waren aus Ihrer Sicht entscheidend?
Paul Schwenk: Mein Urgroßvater hat das Unternehmen 1921 in Stuttgart gemeinsam mit seiner Frau gegründet. Sein Ziel war es, das wertvolle Gut Elektrizität effizient einzusetzen. Nachhaltigkeit war damals noch kein Begriff, aber sie wurde schon gelebt. Im 2. Weltkrieg sind wir nach Haigerloch umgezogen, wo wir bis heute zu Hause sind. Ein Meilenstein war in den 1970er-Jahren die Steckdosenschaltuhr, für mich die Geburtsstunde des Smart Home, lange bevor es diesen Begriff gab. Über 33 Millionen Mal wurde sie verkauft, und wir geben bis heute 30 Jahre Garantie darauf.
Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen heute aufgestellt?
Paul Schwenk: Wir sind global unterwegs, mit 17 Tochterunternehmen im Vertrieb, von Europa bis Australien, Südostasien, Indien und in den Mittleren Osten.
In der Gruppe arbeiten knapp 1.000 Menschen, der Umsatz liegt dieses Jahr zwischen 200 und 220 Millionen EUR. Getrieben wurde das Wachstum zuletzt vom Smart Meter Gateway. Weil das bislang vor allem ein deutsches Thema ist, ist unsere Internationalisierungsquote gesunken, aber etwa die Hälfte des Umsatzes entsteht weiterhin im Ausland.
Wirtschaftsforum: Welche Geschäftsbereiche tragen Theben?
Paul Schwenk: Zum einen unser Ursprung, die Zeitschalttechnik, in der wir weiterhin führend sind. Dann die Gebäudeautomation, etwa mit Präsenzmeldern und Wetterstationen, die Beschattung, Lüftung und Licht steuern. Hier stehen wir im harten Wettbewerb mit Konzernen wie ABB, Siemens oder Schneider und punkten als Qualitätsanbieter. Der dritte Block ist Smart Energy: Hier bilden wir die Schnittstelle vom Gebäude ins Energienetz. Unsere Kunden sind Energieversorger und Messstellenbetreiber, die ihre Netze entlasten wollen, indem sie zum Beispiel Photovoltaikanlagen bei Überlast herunterregeln.
Wirtschaftsforum: Was macht Sie langfristig erfolgreich?
Paul Schwenk: Der Kunde steht im Mittelpunkt. Wir sind ein Premiumanbieter und punkten nicht über den Preis, sondern über Qualität, Service und Support. Das wird auch künftig zählen. Dazu müssen wir Operations, Supply Chain und Prozesse weiter voranbringen. Und wir setzen auf Wachstum, denn die Elektrifizierung geht weiter: Wir werden elektrisch fahren und heizen, und Erzeugung und Verbrauch werden dezentraler. Deshalb investieren wir aktuell sehr viel in die Zukunft.
Wirtschaftsforum: Welche Botschaft möchten Sie an die Politik richten?
Paul Schwenk: Die Kosten der Energiewende werden ständig diskutiert, dabei sind es Investitionen. Deutschland hat ein Energiesystem, das für hohe Lasten ausgelegt ist, eine tolle Basis. Wenn wir Netze, Verbrauch und Gebäudesteuerung in Einklang bringen, haben wir die Chance, Vorreiter zu sein und diese Technologie international auszurollen. Wenn wir jetzt zurückrudern und wieder mehr auf fossile Energien setzen, verlieren wir Boden, wie schon bei Photovoltaik und Speichern. Dort kamen viele Grundlagen aus Deutschland und wir haben es verpasst, sie zu fördern und zu industrialisieren. Beim Smart Meter Gateway sind wir dagegen Pionier. Das ist nicht vergleichbar mit Ländern, die von 100% Smart Meter-Ausrollung sprechen.
Wirtschaftsforum: Energie ist auch eine Frage der Sicherheit.
Paul Schwenk: Absolut. Wir erleben hybride Kriegsführung und Angriffe auf kritische Infrastruktur, nicht nur auf das Schienennetz, sondern auch auf das Strom- und Energienetz. Mit sicherer Kommunikation und mehr Unabhängigkeit von anderen Staaten schaffen wir mehr Resilienz. Das ist letztlich auch eine Art von Aufrüstung, denn wir machen uns weniger erpressbar. Man sieht in der Ukraine, dass das Energienetz die Hauptschlagader einer funktionierenden Gesellschaft ist. Im Automobilbereich werden wir uns schwertun, den Anschluss zu halten. Bei Gebäuden und Energieinfrastruktur haben wir dagegen echte Chancen.
Wirtschaftsforum: Wohin soll die Reise gehen, und was treibt Sie persönlich an?
Paul Schwenk: Wir wollen weiter wachsen, auch international, und im Gebäudeenergiemanagement ein relevanter Player werden. Dazu gehören nicht nur Hardware, sondern auch Software und Services, bis hin zum Cybersecurity-Anbieter. Persönlich möchte ich das Erbe der 4. Generation erfolgreich weiterführen und den Boden bereiten, damit es nachhaltig weitergeht. Ich habe drei Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Ihnen möchte ich, wie ich es selbst erlebt habe, die Freiheit lassen, ihren Weg zu wählen.








