Neue Therapiewege, sichere Prozesse
Interview mit David Henn, Geschäftsführer der PS Pharma Service GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Henn, hinter dem starken Wachstum Ihres Unternehmens steht offenbar nicht nur ein wirtschaftlicher Ansatz, sondern auch eine klare Haltung zum Thema Therapie und Arzneimittel.
David Henn: Unbedingt, denn wir wollen Menschen Zugang zu natürlichen Arzneimitteln ermöglichen und therapeutische Alternativen erweitern. Wir sind überzeugt, dass medizinales Cannabis vielen Patienten neue Möglichkeiten eröffnen kann – insbesondere dort, wo klassische Schmerztherapien an ihre Grenzen stoßen. Genau dieser Gedanke war von Anfang an einer der wichtigsten Antriebe hinter unserem Unternehmen.
Wirtschaftsforum: Was macht die PS Pharma Service im Markt für medizinisches Cannabis so stark?
David Henn: Wir können sehr viele pharmazeutische Prozesse selbst steuern und eng miteinander verzahnen. Wir importieren Rohware aus inzwischen neun Ländern auf vier Kontinenten und übernehmen in Deutschland die Weiterverarbeitung bis hin zur Distribution an Apotheken. Gleichzeitig verfügen wir über eine Infrastruktur, die speziell auf Betäubungsmittel ausgelegt ist. Genau diese Kombination aus regulatorischer Kompetenz, BtM-Erfahrung und pharmazeutischer Verarbeitungskapazität macht uns in diesem Markt besonders stark.
Wirtschaftsforum: Die PS Pharma Service stammt ursprünglich aus der klassischen Pharma-Logistik. Wie entwickelte sich daraus das heutige Geschäft?
David Henn: Die PS Pharma wurde Mitte der 1990er-Jahre gegründet und hat sich früh auf Lagerung und Distribution von Betäubungsmitteln spezialisiert. Später kamen weitere pharmazeutische Dienstleistungen hinzu. Als das Unternehmen 2020 in die Semdor Pharma Group integriert wurde, arbeiteten wir bereits eng zusammen: PS Pharma war Teil unserer Supply Chain und für uns als Dienstleister tätig. Bestimmte Prozesse – insbesondere im Bereich medizinisches Cannabis – sollten aber strategisch stärker kontrolliert werden. Die Übernahme war somit ein logischer Schritt, um Herstellung, Lagerung und Distribution enger zu verzahnen.
Wirtschaftsforum: Heute sprechen Sie von einem Full Service-Ansatz. Was bedeutet das für Ihre Kunden?
David Henn: Unsere Kunden suchen nicht nur einen Distributor, sondern einen Partner, der komplexe Prozesse zuverlässig steuern kann. Gerade im Cannabisbereich ist das entscheidend, weil die regulatorischen Anforderungen extrem hoch sind. Entscheidend sind deshalb stabile Lieferketten und hohe Prozesssicherheit.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt PS Pharma Service heute im deutschen Markt?
David Henn: In Deutschland gibt es nur wenige Unternehmen, die Betäubungsmittel in diesem Umfang für Drittkunden lagern dürfen. Wir zählen heute zu den größten Anbietern in diesem spezialisierten Markt. Besonders stark sind wir im Bereich medizinisches Cannabis: Gemeinsam mit unserer Schwesterfirma Cannamedical Pharma erreichen wir rund 2.000 Apotheken bundesweit und halten etwa 20% Marktanteil im deutschen Cannabis-Markt.
Wirtschaftsforum: Viele Branchen wurden in den vergangenen Jahren von Pandemie, Krieg und wirtschaftlicher Unsicherheit stark getroffen. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
David Henn: Unser Markt ist vergleichsweise stabil geblieben. Menschen benötigen Arzneimittel unabhängig von wirtschaftlichen Krisen. Deshalb hatten wir weder während der Pandemie noch danach relevante Umsatzeinbußen. Im Gegenteil: Wir haben weiter investiert
und unseren Standort in Meerbusch ausgebaut. Dort verfügen wir heute über zusätzliche Kapazitäten mit mehreren tausend BtM-Lagerplätzen. Für uns war die Zeit eher eine Phase des weiteren Wachstums als eine Krise.
Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit und Digitalisierung prägen heute nahezu jede Branche. Wie gehen Sie damit um – und wohin soll die Reise in den kommenden Jahren gehen?
David Henn: In der Pharmaindustrie steht Produktsicherheit immer an erster Stelle. Deshalb lassen sich Nachhaltigkeitsansätze nicht immer so umsetzen wie in anderen Branchen. Viele Verpackungen unterliegen strengen Vorgaben, damit Qualität und Sicherheit der Arzneimittel gewährleistet bleiben. Hier braucht es einen realistischen Ausgleich zwischen Umweltaspekten und regulatorischen Anforderungen. Digitalisierung wiederum ist für uns wichtig, allerdings eher pragmatisch. Wir arbeiten mit klassischen ERP-Systemen und entwickeln unsere Prozesse kontinuierlich weiter. Parallel wächst das Unternehmen auch international weiter: Aktuell expandieren wir nach England und Polen. Für die gesamte Semdor Pharma Group planen wir
bis 2030 ein Wachstum auf rund 300 Millionen EUR Umsatz. Im Mittelpunkt steht dabei jedoch nicht allein Wachstum, sondern die Überzeugung, dass natürliche Arzneimittel künftig eine noch wichtigere Rolle in der Therapie vieler Patienten spielen werden.













