„Für Aufbruchstimmung zu sorgen, ist gar nicht so schwer!“

Interview mit Dipl.-Ing. (FH) Axel Gartmann, Geschäftsführer der Elektro Gartmann GmbH & Co KG

Wirtschaftsforum: Herr Gartmann, getreu seinem Motto macht Ihr Unternehmen „mehr als nur das Licht an“. Wie umfassend fällt Ihr Leistungsspektrum dabei aus? 

Axel Gartmann: Elektro Gartmann ist prinzipiell sehr breit aufgestellt: Neben der klassischen Gebäudeelektroinstallation liegen unsere zentralen Kompetenzfelder auch in wichtigen Zukunftsthemen wie der Sicherheits- und Kommunikationsinfrastruktur, der Daten- und Netzwerktechnik sowie in den Bereichen Photovoltaik, Ladelösungen und der Gebäudeautomation. Denn nicht nur die nachhaltige dezentrale Energieerzeugung, sondern auch die Digitalisierung wird für Geschäfts- wie Privatkunden immer wichtiger. Dabei werden die Gebäude immer stärker vernetzt und die Energie muss immer effizienter genutzt werden können. Unsere Kunden erwarten an dieser Stelle selbstverständlich sichere, flexiblere und zukunftsfähige Lösungen. Hier sehen wir natürlich große Chancen für unser Unternehmen. 

Wirtschaftsforum: Wie werden Sie diesen Ansprüchen im Tagesgeschäft gerecht? 

Axel Gartmann: Indem wir unsere Mitarbeiter konsequent schulen, weiterbilden und weiterentwickeln, denn Fachkräfte sind für uns wahrscheinlich das zentrale Zukunftsthema. Unser Ziel muss es sein, qualifizierte Mitarbeiter und die Fachkräfte von morgen für das Elektrohandwerk zu begeistern und langfristig an unser Unternehmen zu binden. Dazu engagieren wir uns etwa in einem Ausbildungsbotschafterprogramm und gehen auf viele Ausbildungsmessen, wo sich unsere Auszubildenden frei mit interessierten Schülern unterhalten und dabei unverfälscht von ihren Erfahrungen bei Elektro Gartmann berichten können. Unser breites und damit entsprechend interessantes Tätigkeitsspektrum ist dabei oftmals ein gewichtiges Argument, genauso wie unsere Stellung als alteingesessener Betrieb im Raum Osnabrück mit über 90 Jahren erfolgreicher Geschichte. 

Wirtschaftsforum: Warum ist diese lange Tradition so entscheidend? 

Axel Gartmann: Unsere Geschichte ist ein wichtiger Teil unserer Identität – aber eben nicht als Stillstand, sondern als starkes Fundament, auf dem wir weiter aufbauen können. Denn gerade in der Elektrotechnik findet eine rasante technologische Weiterentwicklung statt, die auch wir mitgestalten wollen. Gleichzeitig werden unsere besondere Nähe zum Kunden und unsere unbedingte Verlässlichkeit weiterhin unser Geschäftsmodell prägen. 

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie vor diesem Hintergrund auf die aktuelle Marktlage? 

Axel Gartmann: Natürlich sind auch wir von der wirtschaftlichen Krise betroffen. Unser breites Leistungsspektrum, gepaart mit unserer tiefen Expertise in den einzelnen Segmenten, ist dabei eine wichtige Basis für unsere unternehmerische Resilienz. Denn wenn sich ein Teilbereich, beispielsweise unser Photovoltaikgeschäft, rückläufig entwickelt, können wir uns etwa verstärkt dem Thema Gebäudeautomation widmen. 

Wirtschaftsforum: Das breite Leistungsspektrum von Elektro Gartmann geht dabei maßgeblich auf Ihr Wirken zurück. 

Axel Gartmann: Als ich den Betrieb übernommen habe, war das Unternehmen stark im Projektgeschäft bei größeren und mittleren Bauvorhaben eingebunden und hatte sich aus den eher kleinteiligen Bereichen fast gänzlich zurückgezogen. Das wollte ich ändern, bisweilen auch mit einem starken Fokus auf Sicherheitstechnik und Energieinfrastruktur, wo ich klares Wachstumspotenzial für die Zukunft sehen konnte.

Wirtschaftsforum: Wie ist es Ihnen gelungen, diese Transformation zum Erfolg zu führen? 

Axel Gartmann: Ich glaube, es war wichtig, dass wir dabei relativ kleinschrittig vorgegangen sind und etwa sukzessive eine erste Brandmeldetechnikabteilung gegründet haben, deren Mitarbeiter sich entsprechend das nötige Spezialwissen in der vollen Breite aneignen konnten. Genauso gingen wir anschließend in den Bereichen regenerative Energien und Gebäudeautomatisierung vor, wobei dann recht schnell starke Netzwerke innerhalb des gesamten Unternehmens entstanden sind, über die sich die einzelnen Mitarbeiter zu ihrer wechselseitigen fachlichen Expertise austauschen konnten. So können wir unseren Kunden nun ein wirklich breites Leistungsspektrum aus einer Hand anbieten. Eigentlich ist es gar nicht so schwer, für eine gewisse Aufbruchstimmung zu sorgen – das war bei uns ähnlich wie in einem Start-up, einfach weil in unserem Unternehmen vor meinem Eintritt lange keine wegweisenden Entscheidungen mehr getroffen worden waren. Wichtig war es, die ersten Meilensteine auch gebührend zu feiern und konsequent auf den einmal erreichten Erfolgen aufzubauen. Denn nach einiger Zeit tritt ein gewisses Sättigungsgefühl ein, das man erneut durchbrechen muss, um dann wieder auf das nächste Level zu kommen. Für uns bedeutete das die konsequente Erweiterung unseres Leistungsspektrums um die Gebäudeautomation, mit der wir unsere Kunden weiterhin umfassend unterstützen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Regulierung aus einer Hand

Interview mit Florian Clever, Gründer und CEO der cleversoft group

Regulierung aus einer Hand

Finanzinstitute müssen immer mehr regulatorische Vorgaben erfüllen und zugleich ihre digitalen Angebote weiterentwickeln. Die cleversoft group unterstützt weltweit mehr als 1.200 Banken, Versicherungen, Asset Manager und weitere Finanzinstitute mit cloudbasierten…

E-Commerce für den Mittelstand

Interview mit Henry Göttler, Vorstand der OXID eSales AG

E-Commerce für den Mittelstand

Seit mehr als 20 Jahren entwickelt OXID eSales Lösungen für den digitalen Handel. Das 2003 gegründete Unternehmen hat sich dabei konsequent auf die Anforderungen des Mittelstands ausgerichtet. 2014 markierte die…

Lernen wird zur Kernkompetenz

Interview mit Matthias Röser, Partner und Global Leader Technology der BearingPoint AG

Lernen wird zur Kernkompetenz

KI verändert die Unternehmensberatung rasant. Routinen lassen sich automatisieren, Wissen ist jederzeit verfügbar und neue Werkzeuge entstehen in immer kürzeren Zyklen. Für Matthias Röser von BearingPoint lautet die entscheidende Frage…

Spannendes aus der Region Niedersachsen

Resortkonzept mit System

Interview mit Susanne Adrian, General Manager der Marissa GmbH

Resortkonzept mit System

Urlaub im eigenen Land ist gefragter denn je – mit der steigenden Nachfrage wachsen auch die Erwartungen. Gäste wünschen sich mehr als nur eine Ferienunterkunft: Qualität, Flexibilität und ein echtes…

„Wir arbeiten tatkräftig an der Energiewende mit!“

Interview mit Jan und Hendrik Kwade, Geschäftsführer der JKS Jan Kwade & Sohn GmbH

„Wir arbeiten tatkräftig an der Energiewende mit!“

Das norddeutsche Bauunternehmen Jan Kwade & Sohn setzt sein umfassendes Leistungsspektrum heute vornehmlich für Kunden der Energiewirtschaft sowie für andere Bauunternehmen ein. Zu tun gibt es dort genug: Denn nicht…

Das könnte Sie auch interessieren

„Stromzähler sind die Sensoren  des Energieversorgers!“

Interview mit Oliver Göbel, Geschäftsführer und Dr. Gerhard Eisenbeiss, CTO der MetCom Solutions GmbH

„Stromzähler sind die Sensoren des Energieversorgers!“

Die Stromzähler von MetCom Solutions kommen nur in Nischenanwendungen – bei Kunden aus Industrie und Gewerbe sowie in Grid-Anwendungen – zum Einsatz; gleichzeitig fließen über sie aber deutlich höhere Ströme…

Mit smarter Sensorik auf der Überholspur

Interview mit Axel Hummel, CFO der Huf Baolong Electronics Bretten GmbH

Mit smarter Sensorik auf der Überholspur

Die Automobilindustrie steht unter massivem Veränderungsdruck – und genau darin liegt für die Huf Baolong Electronics Bretten GmbH eine große Chance. Das Unternehmen mit Sitz in Bretten entwickelt und produziert…

Von Sonnen- und Schattenseiten

Interview mit Helmut Mauerer, Geschäftsführer der hm-pv GmbH

Von Sonnen- und Schattenseiten

Die Solarbranche hat in den vergangenen Jahrzehnten eine dynamische Entwicklung durchlaufen und ist zu einem zentralen Bestandteil der Energiewende geworden. Trotz Herausforderungen wie wirtschaftlichen Krisen, schwankenden Förderbedingungen und Lieferengpässen bleibt…

TOP