Innovative Schale, solider Kern

Interview mit Marion Mayer, Geschäftsleitung der Mayer Schaltechnik GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Mayer, können Sie zunächst erklären, was sich hinter dem Begriff Schaltechnik verbirgt?

Marion Mayer: Schalungen dienen Beton als Form; in sie wird Frischbeton zur Herstellung von Betonbauteilen gegossen.

Wirtschaftsforum: Der Name Mayer ist Synonym für besonders innovative Schalsysteme. Das Unternehmen hat verschiedene Patente; in Ausschreibungen verlangen Architekten zum Teil explizit die von Mayer entwickelten Systeme. Wie kam es zu dieser Ausnahmestellung auf dem Markt?

Marion Mayer: Mein Vater gründete das Unternehmen 1992 in Würzburg als Schalungshandel. Aus Platzgründen und um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, wurde 1994 ein neuer Standort im Kreis Schweinfurt bezogen, ein Neubau mit Freifläche für einen Mietpark. 1995 brachte das Unternehmen die erste Eigenentwicklung auf den Markt, die Pax-Stützenschalung für quadratische und rechteckige Betonstützenquerschnitte. Die Grundkonstruktion war ein Windmühlenflügelsystem zur Erstellung eckiger Betonstützen, damals eine außergewöhnlich innovative Technologie, die bis heute verwendet wird. Das Besondere der Technologie ist, dass verschiedene Querschnitte über die Flügel eingestellt werden können, ohne Demontage der serienmäßig belegten Schalhaut, und die Umsetzung der Schalung in einem Hub erfolgen kann. Diese Entwicklung war ein erster Schritt hin zur Innovationsführerschaft. Gestützt wurde diese Entwicklung von weiteren Innovationen wie dem Minimax-Unterstützsystem für Filigrandecken, das 1996 herauskam. Bis 2009 wurden die Produkte durch Zulieferer hergestellt, dann reifte der Entschluss, einen Zulieferer zu übernehmen. 2009 kam es zur Gründung der Mayer Produktions GmbH, ein wichtiger Schritt vom Schalungshändler zum Hersteller.

Wirtschaftsforum: Was charakterisiert heute das Mayer-Produktangebot?

Marion Mayer: Unsere wichtigsten Produkte sind Innovationen im Bereich der Wandschalungen, Stützenschalungen, Zubehör für Fertigteile sowie entsprechende Dienstleistungen rund um diese Produkte. Von Anfang an haben wir zudem mit der Firma Friedrich Ischebeck zusammengearbeitet, einem geschätzten Handelspartner im Bereich Deckenschalung und Unterstützungssysteme. Beispielhaft für unsere Produkte ist neben der Pax-Stützenschalung, die wir im Laufe der Zeit überarbeitet haben, das Aluträgersystem miniMAX, das teleskopierbar und deshalb an verschiedene Raumlängen anpassbar ist. Bei identischer Tragkraft ist hier nur die Hälfte der sonst üblichen Stützen notwendig. Weltweit einzigartig ist PRIMAX, eine Teleskop-Schalung, die die Vorteile von Trägerschalungen und Rahmenschalungen vereint. Sie entspricht der höchsten Sichtbetonklasse SB4. Neue Standards setzt auch das Stoßabschalungssystem FLUXX, das eine perfekte Abdichtung eines Hohlwandstoßes garantiert.

Wirtschaftsforum: Was würden Sie neben der Innovationskraft als Unternehmensstärke bezeichnen?

Marion Mayer: Unsere Produkte erlauben ein schnelles und einfaches Handling und stehen für Quality made in Germany, was für viele Kunden sehr wichtig ist. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels am Bau ist das von Vorteil. Die Produkte sind einfach erklärt und erfordern wenig Personal. Ihr Einsatz vermeidet kostenintensive Nachbearbeitungen und Mängelbeseitigungen. Dadurch reduzieren wir den Lohnaufwand der Kunden nachhaltig; die Lohnkosten sind ein immenser Kostenpunkt und gehen über Materialkosten deutlich hinaus. Als Mittelständler bieten wir Kunden zudem hohe Flexibilität und Kundennähe, die Konzernwettbewerber so nicht bieten können.

Wirtschaftsforum: Als eine von drei Töchtern sind Sie in das Familienunternehmen hineingewachsen; in naher Zukunft werden Sie in die Fußstapfen Ihres Vaters treten. Was sehen Sie als besondere Herausforderungen an?

Marion Mayer: Mein Vater hat große Fußstapfen hinterlassen; ich möchte die Firma in seinem Sinne weiterführen, dabei aber meinen individuellen Weg finden. Die Unternehmenskultur ist von Werten wie Mitgestaltung, Achtsamkeit und Innovation geprägt. Innovationen sind immer das Ergebnis von mehreren, deshalb ist für uns der Austausch mit den Mitarbeitern und den Kunden sehr wichtig. Gemeinsam lernen wir und entwickeln uns kontinuierlich weiter. Dazu gehören auch Offenheit, Kreativität und Neugierde. Quereinsteiger mit einem anderen Blickwinkel und Menschen, die gerne Out-of-the-Box denken, sind bei Mayer immer willkommen.

Wirtschaftsforum: Mayer hat heute 45 Mitarbeiter und einen Umsatz von zehn Millionen EUR. Der Fokus liegt auf dem Absatzmarkt Deutschland. Wo soll es in Zukunft für das Unternehmen hingehen?

Marion Mayer: Wir sind weiter an einem soliden Wachstum interessiert und wollen unseren Ruf als Innovationsführer ausbauen. Wichtige Themen sind die digitale Transformation, die wir forcieren werden, und Nachhaltigkeit. Wir sehen, dass digitale Abläufe die Effizienz erhöhen und Fehler reduzieren. Auch wenn wir bereits mit Cloud Services, einer App und CRM-Systemen arbeiten, liegen weitere Herausforderungen vor uns, um noch digitaler und nachhaltiger zu agieren. Der Standort Deutschland trägt durch die damit verbundenen kurzen Transportwege klar zur Nachhaltigkeit bei. Das gilt auch für unsere langlebigen Produkte. Hohe Rohstoffpreise als Folge der aktuellen Krisen sind derzeit eine große Herausforderung. Da wir gesund und solide gewachsen und nicht verschuldet sind, konnten wir diese bislang gut abfedern und hoffen, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Bau

Serielle Vorfertigung als Schlüssel moderner Wohnkonzepte

Interview mit Alexander Hartl, Geschäftsführer der Penzkofer Bau GmbH

Serielle Vorfertigung als Schlüssel moderner Wohnkonzepte

Steigende Baukosten, Fachkräftemangel und langwierige Genehmigungen setzen die Branche unter Druck. Gleichzeitig entstehen durch neue Materialien, digitale Prozesse und modulare Bauweise völlig neue Möglichkeiten. Die Penzkofer Bau GmbH, ein leistungsstarkes…

Vom Flachdach zum Klimafaktor

Interview mit Julian Wegener, Geschäftsführer der Wegener Bedachungen GmbH

Vom Flachdach zum Klimafaktor

Manchmal entscheidet sich die Zukunft einer Stadt nicht auf Augenhöhe, sondern ein paar Meter darüber. Auf Flachdächern, die entweder grau bleiben – oder grün werden. Geschäftsführer Julian Wegener spricht ruhig,…

Stahl, der Brücken schlägt

Interview mit Christian Rduch, Business Area Director und Christopher M. Hartmann, Geschäftsführer der ViaCon Hamco GmbH

Stahl, der Brücken schlägt

Deutschlands Infrastruktur hat ein Problem und Stahl könnte die Lösung sein. Während Betonbrücken aufwendig saniert oder neu gebaut werden müssen, setzt die ViaCon Hamco GmbH auf eine schnellere, wirtschaftlichere und…

Spannendes aus der Region Landkreis Schweinfurt

Die unterschätzte Werbekraft des Briefkastens

Interview mit Mario Geuß, Geschäftsführer der Geuß Werbung GmbH

Die unterschätzte Werbekraft des Briefkastens

Gedruckte Haushaltswerbung gilt vielen als Relikt aus analogen Zeiten: teuer, wenig nachhaltig und verdrängt durch digitale Kanäle. Doch Woche für Woche landen Millionen Prospektpakete in deutschen Briefkästen. Mario Geuß, Geschäftsführer…

Nachhaltig bauen, klar führen

Interview mit Wolfgang Rosentritt, Geschäftsführer ROSENTRITT

Nachhaltig bauen, klar führen

Der Immobilienmarkt in Deutschland erlebt derzeit seine wohl tiefgreifendste Transformation seit Jahrzehnten: gestiegene Zinsen, Baukosten auf Rekordniveau und Käufer, die sich zurückhalten. Während viele Entwickler Projekte pausieren, geht ROSENTRITT einen…

Wenn Photovoltaik zum Business-Case wird

Interview mit Florian Golinski, Geschäftsführer der SUNTEC Energiesysteme GmbH

Wenn Photovoltaik zum Business-Case wird

Energiekosten, Klimaziele und ein Strommarkt, der immer häufiger in Bewegung gerät: Für viele Unternehmen und Haushalte ist Energieversorgung längst ein strategischer Faktor. Photovoltaik – vor allem in Kombination mit Speicher…

Das könnte Sie auch interessieren

„Die Familienstruktur gibt uns klare Entscheidungswege“

Interview mit M.Sc. Jonas Plenge, Geschäftsführer der Plenge & Plenge GmbH & Co. KG

„Die Familienstruktur gibt uns klare Entscheidungswege“

Die Plenge & Plenge GmbH & Co. KG steht für innovative Industriearchitektur und integrative Planung. Das Petershagener Büro verbindet Architektur und Ingenieurleistung, setzt auf digitale Tools und realisiert nachhaltige, effiziente…

Fördertechnik als globales Rückgrat der Industrie

Interview mit Matthias Gößler, Geschäftsführer der Rulmeca Germany GmbH

Fördertechnik als globales Rückgrat der Industrie

Fördertechnik bleibt meist unsichtbar – und ist doch unverzichtbar für funktionierende Industrie- und Logistikprozesse weltweit. Die Rulmeca Germany GmbH verbindet dabei jahrzehntelange Erfahrung mit moderner Antriebstechnologie und internationaler Ausrichtung. Geschäftsführer…

Gebäudereinigung im Wandel

Interview mit Thomas Zenz, Geschäftsführer und Benjamin Oepke, Geschäftsführer der Stuttgarter Gebäudereinigung Venter GmbH & Co.KG

Gebäudereinigung im Wandel

Thomas Zenz und Benjamin Oepke treten im Sommer 2026 die Nachfolge in der Geschäftsführung der Stuttgarter Gebäudereinigung Venter GmbH & Co. KG an – in einer Zeit, in der auch…

TOP