Hanseatisches Traditionshaus mit Sportsgeist

Interview mit Tobias Hauke, Sales Director der Kurt E.F.W. Hauke KG

Wirtschaftsforum: Herr Hauke, Sie vertreten die vierte Generation der Familie. Tradition spielt für Hauke seit jeher eine große Rolle. Wie lässt sich die über 100-jährige Geschichte kurz zusammenfassen?

Tobias Hauke: Seit der Gründung 1919 in Hamburg agieren wir als Handelsunternehmen der Chemiebranche. Einige unserer heutigen Produkte sind schon sehr lange im Portfolio. Früher hatten wir viel Benzol, Steinkohlenrohteer und Pech im Sortiment; heute bestimmen Bitumen, Öle – hier unterscheiden wir zwischen Wasch- und Imprägnierölen – und Steinkohlenrohteer das Tagesgeschäft. Zudem bieten wir Gießerei- und Hochofenkoks an. Hamburg ist nach wie vor einziger Standort; hier haben wir den Hafen, ein solides Netzwerk und eine gute Infrastruktur.

Wirtschaftsforum: Mit acht Mitarbeitern setzen Sie zwischen 15 und 30 Millionen EUR um. Wie sieht das Kundenportfolio aus und wie hat sich Corona auf das Geschäft ausgewirkt?

Tobias Hauke: Unsere Kunden kommen aus ganz Europa, darunter Unternehmen aus der Chemie-, Aluminium-, Autozuliefer- und Stahlindustrie sowie Firmen aus dem Straßenbau und Dachbahnhersteller. Häufig arbeiten wir auf der Basis von Langzeitverträgen, ein Bereich, der künftig ausgebaut werden soll. Corona war für uns wie für alle eine Herausforderung. Wir sind abhängig von unseren Kunden, die zu Beginn sehr betroffen waren. Anfangs hatten wir eine dementsprechend unklare Situation; im vierten Quartal 2020 ging es dann wieder aufwärts. Kunden wollen ihre Produktion aufholen, deshalb sind wir in einer guten Position. Letzlich ist die Nachfrage und damit die Konkurrenz um die Rohstoffe entscheidend, wodurch es zu einem Preiskampf kommen kann.

Wirtschaftsforum: Wo liegen die Hauptbeschaffungsmärkte für die Rohstoffe?

Tobias Hauke: Steinkohlenrohteer kaufen wir in ganz Europa ein, vor allem in Osteuropa. In Zukunft wollen wir hier globaler aufgestellt sein; Asien und die USA sind insbesondere für Teer interessante Märkte. Unsere Bitumenlieferanten kommen zurzeit aus Deutschland, Polen, Tschechien, Österreich und Ungarn. Wir unterscheiden hier zwischen Straßenbau- und Industriebitumen und bauen auf einen großen Kundenstamm. Bitumen wird zum Beispiel für Flachdächer und Straßen benötigt, der Markt in Europa bietet noch Potenzial. Bei Ölen arbeiten wir mit Lieferanten in Dänemark, Spanien und Deutschland zusammen. Zudem liegt unser Fokus auf der Erweiterung unseres Lieferanten- und Kundenstammes. Auch über die Erweiterung unserer Produktpalette sind wir in Gesprächen.

Wirtschaftsforum: Sie sprachen von einem Preiskampf in der Branche. Wie schafft Hauke es, sich seit über 100 Jahren mit großem Erfolg auf dem Rohstoffmarkt zu behaupten?

Tobias Hauke: Unsere allumfassende Kundenbetreuung hebt uns vom Wettbewerb ab. Wir sind 24/7 für unsere Kunden erreichbar und liefern proaktiv wichtige Informationen. Kunden schätzen unser Komplettangebot, das Einkauf, Logistik, Abholung und Anlieferung umfasst. Dass wir mit dem Produkt die Logistik anbieten, ist ein Asset. Wir haben einen guten Bestand an Kesselwagen und Spediteure als Partner, die auf Schiene, Straße und Wasser zuverlässige Transporte übernehmen. Dass wir Kunden täglich über den Fortschritt des Ablaufs informieren, wird ebenso geschätzt wie die Tatsache, dass wir sie auch bei Verzollungsthemen unterstützen. Teer ist ein Gefahrgut und muss entsprechend gekennzeichnet sein. Es gibt hier im Haus einfach bestimmte traditionelle Werte, die großgeschrieben werden. Wir sind ein Hamburger Handelshaus und wollen das auch bleiben. Unser Wort hat Gewicht, wir stehen zu unserem Wort und machen keine leeren Versprechungen. Pünktliche Lieferungen sind nur ein Beispiel.

Wirtschaftsforum: Sie sind aktuell Sales Director, werden in Kürze in die Geschäftsführung einsteigen. War es für Sie persönlich immer selbstverständlich, die Tradition fortzusetzen?

Tobias Hauke: Ja und nein. Ich bin Betriebswirt und Leistungssportler, genauer gesagt Feldhockey-Nationalspieler. Mit meinem Team habe ich zwei Goldmedaillen bei Olympia gewonnen, aktuell bereite ich mich auf meine letzte Olympiade in Tokio vor, um mich dann ausschließlich auf meine Tätigkeit hier im Unternehmen zu konzentrieren.

Wirtschaftsforum: Gibt es besondere Eigenschaften, von denen Sie als Leistungssportler im Unternehmen profitieren?

Tobias Hauke: Auf jeden Fall. Ich musste zum Beispiel schon früh sehr diszipliniert und belastbar sein und schon während der Schulzeit früher als andere aufstehen. Ein Arbeitstag mit neun Stunden ohne Training ist Standard. Nicht zuletzt bin ich auf dem Feld und im Unternehmen ein Teamspieler. Ich muss mit unterschiedlichsten Menschen umgehen, sie verstehen und einbinden.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie das Unternehmen künftig aufgestellt?

Tobias Hauke: Wir wollen im ersten Schritt die aktuelle Produktpalette maximal ausnutzen. Im Teerbereich planen wir in den nächsten drei bis fünf Jahren den Einstieg in den asiatischen Markt. Zudem wollen wir im ersten Schritt Kunden- und Lieferantenstamm erweitern. Auch im Segment Öl ist eine Maximierung des Kundesnstamms notwendig. Es sollen zum Beispiel stärker Synergien genutzt werden. Teerlieferanten können Waschöl zum Auswaschen von Nebenprodukten aus dem Kokereigas beziehen.Teerkunden können Waschöl zum Auswaschen ihrer Tanks beziehen. Interessant wäre ein neues Produkt, das an langfristige Verträge gebunden ist. Ich persönlich wünsche mir eine Entwicklung hin zu einer grüneren Welt, zum Beispiel in Richtung Wasserstoff. Auch dazu wollen wir mittel- bis langfristig unseren Teil beitragen.

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