Der Döner für alle Fälle

Interview mit Mustafa Demirkürek, Gründer & Geschäftsführer der Alzarro Dönerworld GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Demirkürek, wie ist die Idee für Alzarro entstanden?

Mustafa Demirkürek: Ich bin seit 1995 in der Dönerbranche, habe selbst Läden geführt, Fleisch mariniert, Brot gebacken – alles. Irgendwann hatte ich 17 Läden gleichzeitig. In dieser Zeit habe ich viele Schwächen am Produkt Döner erkannt: Unhandlichkeit beim Verzehr, mangelnde Wärme bei Mitnahme, ungleichmäßige Verteilung der Zutaten. Ich wollte ein Produkt entwickeln, das diese Probleme löst – einen Döner, der fix und fertig ist, sich sauber essen lässt, lange haltbar ist und jederzeit warm gemacht werden kann. Die Idee habe ich über Jahre hinweg perfektioniert, viele Varianten getestet, im Labor analysiert, bis ich schließlich ein patentiertes Endprodukt hatte.

Wirtschaftsforum: Was macht Ihr Produkt so besonders?

Mustafa Demirkürek: Unser Döner ist komplett geschlossen, enthält alles – vom Fleisch über Soße bis zu frischem Gemüse – und ist in wenigen Minuten fertig. Er wird zu 90% vorgebacken und muss nur noch zu Ende gebacken werden. Da er keine Luft zieht, ist er besonders lange haltbar. Zudem wird er unter optimalen hygienischen Bedingungen in einer voll automatisierten Produktionslinie hergestellt. Ich bin stolz, dass wir mit modernster Robotertechnik täglich bis zu 15.000 Stück in einer Schicht produzieren können – theoretisch sogar bis zu 10.000 Stück pro Stunde.

Wirtschaftsforum: Wer ist Ihre Zielgruppe?

Mustafa Demirkürek: Jeder, der Döner liebt – und darüber hinaus. Unsere Kunden reichen von klassischen Supermarktkäufern über Senioren, Kinder und Menschen mit eingeschränkter Mobilität bis hin zu potenziellen Großkunden wie Airlines, Hotels, Tankstellen oder die Deutsche Bahn. Überall dort, wo ein klassischer Döner schwer umsetzbar ist, bietet unser Produkt eine saubere, einfache Lösung.

Wirtschaftsforum: Wo ist Ihr Döner heute schon erhältlich?

Mustafa Demirkürek: Wir sind in Deutschland bundesweit unter anderem bei Edeka, Kaufland, Globus und Rewe gelistet. In Österreich sind wir bei BILLA vertreten, in der Schweiz starten wir mit Coop und Migros. Gespräche mit weiteren Ländern wie Frankreich, den Niederlanden, Schweden oder Finnland laufen bereits. Aktuell liegt der Exportanteil bei etwa 5%, aber das Potenzial ist riesig.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihre technische Infrastruktur aus?

Mustafa Demirkürek: Wir arbeiten mit modernster Automatisierungs- und Robotertechnik. Der gesamte Produktionsprozess – von der Warenannahme bis zur Verpackung – läuft vollautomatisch ab. Unsere Mitarbeiter sind in der Verwaltung, Maschinenbedienung oder Qualitätskontrolle tätig. Ich habe die Anlage selbst konzipiert, zusammen mit Sondermaschinenbauern entwickelt und erst danach technische Fachkräfte eingestellt. Künftig wollen wir verstärkt auch KI und weitere Digitalisierungslösungen integrieren.

Wirtschaftsforum: Wie machen Sie Ihr Produkt bekannt?

Mustafa Demirkürek: Bisher fast ausschließlich durch die Qualität des Produkts selbst. Bei der Grünen Woche in Berlin wurde unser Döner zur Produktinnovation Nummer 1 gewählt. Medien weltweit – von der New York Times bis zu chinesischem Fernsehen – haben über uns berichtet. Wir haben bis heute keinen Euro in klassische Werbung investiert. Seit Kurzem bauen wir aber ein kleines eigenes Marketing- und Vertriebsteam auf und sind auch auf Fachmessen wie der Anuga, der Gastmesse Salzburg oder der Internorga präsent.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Alzarro in fünf Jahren?

Mustafa Demirkürek: Wir wollen unser Sortiment deutlich erweitern – nicht nur mit zusätzlichen Fleischsorten wie Kalb, Rind oder Hackfleisch, sondern auch mit ergänzenden Produkten wie Dönerboxen, Pide, Pizza, Dürüm oder sogar Dönersalaten. Um das realisieren zu können, planen wir bereits den Bau eines zweiten Werks, das speziell auf die Herstellung dieser neuen Varianten ausgelegt sein wird. Unsere Vision ist klar und ambitioniert: Wir möchten sämtliche denkbaren Dönerprodukte weltweit eta-blieren – ob im Supermarktregal, an Bord von Airlines, in Hotels, Gastronomiebetrieben oder Tankstellen. Ich sage immer: Wir sitzen im Aufzug – gestartet ganz unten im Keller, inzwischen sind wir im im Erdgeschoss angekommen. Aber der Knopf ist gedrückt, und er führt direkt zur 100. Etage. Und ich bin mir sicher: Wir fahren hoch – Schritt für Schritt, aber zielgerichtet.

Wirtschaftsforum: Ihre persönliche Geschichte und der Aufbau von Alzarro sind beeindruckend. Was hat Sie in schwierigen Phasen motiviert, trotzdem weiterzumachen?

Mustafa Demirkürek: Ehrlich gesagt war es nie das Geld, das mich angetrieben hat. Es war vielmehr der tiefe Wunsch, etwas Eigenes zu schaffen, das es so noch nicht gibt – etwas, worauf ich und meine Familie mit Stolz blicken können. Der Name Alzarro zum Beispiel ist eine Kombination aus den Namen meiner drei Kinder – sie sind für mich der größte Antrieb. In den schwierigen Jahren der Entwicklung habe ich oft gezweifelt, aber der Gedanke, eines Tages im Supermarkt zu stehen und mein Produkt im Regal zu sehen, hat mir immer wieder neue Kraft gegeben. Heute bin ich unendlich dankbar, dass ich durchgehalten habe – und stolz, etwas geschaffen zu haben, das nicht nur mich erfüllt, sondern für viele Menschen einen echten Mehrwert im Alltag bietet und zudem richtig gut schmeckt!

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Handel & Konsumgüter

Vom Handwerk zur vernetzten Kreativplattform

Interview mit Alexander Kuhn, General Manager der Brother Sewing Machines Europe GmbH

Vom Handwerk zur vernetzten Kreativplattform

Nähen ist längst mehr als Handarbeit – es ist ein Zusammenspiel aus Kreativität, Technologie und Community. Moderne Haushaltsnähmaschinen sind vernetzt, softwaregestützt und Teil wachsender digitaler Plattformen. Wie sich ein traditionsreiches…

Mit Rückenwind in die Zukunft

Interview mit Thomas Mouhlen, Geschäftsführer der Prophete In Moving GmbH

Mit Rückenwind in die Zukunft

Der Fahrrad- und E-Bike-Markt wandelt sich gerade rasant. Damit bieten sich für Prophete In Moving mit seiner starken Position im Preiseinstiegssegment weitere vielfältige Wachstumschancen. Wie er diese ergreifen möchte und…

Kosmetik ist Vertrauens­sache

Interview mit Antonio Lucá, Hauptgesellschafter der MADISON COSMETICS GmbH

Kosmetik ist Vertrauens­sache

Der Kosmetikmarkt ist schnell, laut und gleichzeitig hoch reguliert. Neue Marken entstehen gefühlt über Nacht, Trends werden in sozialen Netzwerken beschleunigt und Kunden erwarten immer häufiger beides: ein gutes Gefühl…

Spannendes aus der Region Landkreis Greiz

Ein starker Partner  für Handwerk und Technik

Interview mit Bernhard Furcht, Geschäftsführer der ASI Anlagen, Service, Instandhaltung GmbH

Ein starker Partner für Handwerk und Technik

Dienstleistungen in der Haustechnik, dem Facility Management und dem Anlagenservice sind unerlässlich für den reibungslosen Betrieb moderner Gebäude und Industrieanlagen. Dabei stehen Effizienz, Nachhaltigkeit und die Gewährleistung von Betriebssicherheit im…

Leicht, stark, nachhaltig –  die Zukunft gehört dem Leichtbau

Interview mit Andrea Klein, Geschäftsführerin der TUBUS WABEN GmbH & Co. KG

Leicht, stark, nachhaltig – die Zukunft gehört dem Leichtbau

Leichtbau ist weit mehr als eine technische Optimierung – er ist ein entscheidender Faktor für Nachhaltigkeit und Effizienz. Durch intelligente Materialwahl und innovative Konstruktionen lassen sich Gewicht, Energieverbrauch und Emissionen…

Vom Einzelunternehmen zum Verbund

Interview mit Karsten Drews, Geschäftsführer der HBS Elektrobau (Holding) GmbH

Vom Einzelunternehmen zum Verbund

Aus der Not eine Tugend machten die Verantwortlichen der HBS Elektrobau (Holding) GmbH, als sie nicht mehr genügend Beschäftigte hatten. Das Unternehmen aus dem thüringischen Oettersdorf begann mit dem Zukauf…

Das könnte Sie auch interessieren

Gesunde Produkte, die Kinder lieben!

Interview mit Susanne Hipper, Geschäftsführerin der jufico GmbH

Gesunde Produkte, die Kinder lieben!

Zwei junge Väter, ein Problem: Wie bekommt man Obst und Gemüse eigentlich in kleine Kinder? Aus dieser Alltagsfrage entstanden 2005 die ersten Quetschbeutel in Deutschland. Die Marke dahinter heißt FruchtBar,…

Zwischen Klostermauern und Alpenblick

Interview mit Pater Johannes Bauer, Cellerar der Ettaler Klosterbetriebe GmbH

Zwischen Klostermauern und Alpenblick

Tradition und Wirtschaft müssen kein Widerspruch sein – besonders dort, wo historische Verantwortung, Gastfreundschaft und nachhaltiges Handeln seit Jahrhunderten zusammengehören. Die Ettaler Klosterbetriebe GmbH verbindet klösterliches Leben mit Hotel, Gastronomie,…

Drei Standbeine, ein Erfolgsrezept

Interview mit Jochen Spiegel, Geschäftsführer der Spiegel GmbH

Drei Standbeine, ein Erfolgsrezept

Die Spiegel GmbH vereint gleich drei Geschäftsfelder unter einem Dach: handwerkliche Bäckerei, Lebensmitteleinzelhandel und die bundesweite Belieferung der Systemgas­tronomie. Für Jochen Spiegel, Geschäftsführer in 4. Generation, liegt der Schlüssel zum…

TOP