In der Kälte liegt die Kraft – Ein Macher zwischen Tradition und Moderne

Interview mit Holger Putze, Geschäftsführer über die Kälte- und Klimatechnik Holger Putze GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Putze, wenn man auf die letzten drei Jahrzehnte blickt, haben Sie Ihr Unternehmen vom heimischen Kinderzimmer zu einem bedeutenden regionalen Akteur in Delitzsch entwickelt. Was ist das Geheimnis dieser Beständigkeit?

Holger Putze: Wir sind die klassische mittelständische Geschichte. Wir haben klein angefangen, meine Frau, ich und zwei Monteure. Dass wir heute 20 Mitarbeiter haben und stetig wachsen, liegt daran, dass wir konsequent auf Qualität setzen und nicht nur über den Preis kommen. In unserer Branche, der Kälte- und Klimatechnik, geht es um Vertrauen. Wenn beim Fleischer die Kühltheke ausfällt oder im Industriebetrieb die Produktion stillsteht, zählt der Handschlag und die Tatsache, dass man sofort handelt.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen von Qualität, aber der Markt hat sich gewandelt. Die politischen Rahmenbedingungen sind komplexer geworden. Wie erleben Sie die aktuelle Situation?

Holger Putze: Ganz ehrlich? Es ist ein Krampf geworden. Wir spüren eine extreme Unsicherheit bei den Kunden, massiv getrieben durch die Politik in Berlin. Diese „Geiz ist geil“-Mentalität der 1990er Jahre ist zurück, weil die Leute einfach nicht wissen, was morgen kommt. Früher hatten wir Vorläufe von mindestens drei Monaten, heute planen wir oft nur noch monatlich. Besonders das Thema Wärmepumpen ist schwierig. Da wird in Berlin viel um den heißen Brei herum geredet. Die Leute sind verunsichert: Was wird gefördert? Was bleibt bestehen? Wir brauchen absolute Planungssicherheit, sonst investiert niemand 30.000 Euro in ein neues System.

Wirtschaftsforum: Das klingt nach einer großen Herausforderung für einen Handwerksbetrieb. Wo liegen Ihre Schwerpunkte im täglichen Geschäft?

Holger Putze: Unser Kerngeschäft ist breit gefächert: von der Gewerbekälte für Schokoladen- oder Brotfabriken bis hin zum privaten Klimamarkt. Auch der Heizungsmarkt mit Luft-Wasser-Wärmepumpen wird immer wichtiger, dafür haben wir mittlerweile eigene Spezialisten. Aber ich sage meinen Kunden auch klipp und klar: „Soll ich dir wirklich raten, deine sechs Jahre alte Gasheizung rauszuschmeißen?“. Wir beraten ehrlich, oft bivalent – also beide Systeme parallel, um das Risiko zu minimieren. Wir wollen, dass der Kunde auch in zehn Jahren noch zufrieden ist.

Wirtschaftsforum: Ein Thema, das Ihre Branche besonders trifft, ist die EU-Kältemittelverordnung. Wie gehen Sie damit um?

Holger Putze: Das ist ein Riesenproblem, ein echter „Bremsklotz“. Brüssel spricht Verbote aus, bietet aber oft keine praktikablen Lösungen für den Bestand an. Ein kleiner Gastronom kann seine Anlage meist nicht einfach umrüsten. Wir saugen jede Schulung auf, um auf dem Laufenden zu bleiben, aber die Änderungen sind so schnelllebig, dass man kaum langfristig planen kann. Da wird viel Ideologie auf dem Rücken des Handwerks ausgetragen.

Wirtschaftsforum: Trotz dieser Hürden planen Sie die Expansion. Ihr Sohn steht bereits in den Startlöchern.

Holger Putze: Ja, mein Sohn ist Kältemeister und wird sukzessive in die Geschäftsführung einsteigen. Wir wollen auf etwa 30 Personen wachsen. Er bringt frischen Wind rein, ist fit in sozialen Medien und hat einen ganz anderen Draht zur jüngeren Kundengeneration. Während ich eher die „älteren Semester“ technisch berate, übernimmt meine „Jugendbrigade“ die Kommunikation auf Augenhöhe. Das ergänzt sich perfekt.

Wirtschaftsforum: Sie erwähnten, dass Mitarbeiter teils seit 1996 bei Ihnen sind. Wie schaffen Sie diese Bindung in Zeiten des Fachkräftemangels?

Holger Putze: Offenheit ist alles. Bei mir gibt es keine starren Hierarchien. Wenn es brennt, fasse ich selbst mit an. Meine Tür steht immer offen. Wenn es privat mal klemmt, helfen wir als Firma unkompliziert. Ich halte nichts von Abmahnungen – man setzt sich zusammen und redet wie unter Erwachsenen. Das ganze Paket muss einfach stimmen, auch finanziell. Wir sind im Grunde eine große Familie, und das spüren die Kunden auch.

Wirtschaftsforum: Wo soll die Reise für die Holger Putze GmbH hingehen? Was treibt Sie an?

Holger Putze: Wir digitalisieren gerade massiv und investieren einen hohen fünfstelligen Betrag in Software, damit die Monteure draußen endlich vernünftig mit dem Laptop arbeiten können. Mein Ziel ist es schlichtweg, das Unternehmen gesund an die nächste Generation zu übergeben. Mir geht es nicht um Statussymbole oder eine Villa im Süden – mir geht es um den Fortbestand der Firma und die Sicherheit meiner Leute.

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