Das Sägewerk der Zukunft gestalten

Interview mit Alexander Gebele, Geschäftsführer der HOLTEC GmbH & Co. KG

Die HOLTEC GmbH & Co. KG mit Sitz in Hellenthal ist Ausrüster der Sägeindustrie und verantwortet die erste Stufe der Holzbearbeitung – dort, wo das Rundholz angeliefert, entrindet, gescannt und präzise nach Durchmesser, Länge und Qualität sortiert wird, bevor es in die Sägelinie übergeht. Aus den Anfängen in den 1970er-Jahren als Vertriebs- und Handelsunternehmen entwickelte sich HOLTEC ab Mitte der 1980er-Jahre konsequent zum Entwickler und Hersteller eigener Lösungen. Heute realisiert das Unternehmen individuell geplante Großanlagen, die am Standort mehrere hundert Meter lang sein können und projektseitig Investitionsvolumina im zweistelligen Millionenbereich erreichen. 187 Mitarbeiter erwirtschaften circa 64 Millionen EUR Umsatz, der Auslandsanteil liegt bei rund zwei Dritteln. Einer der beiden Geschäftsführer ist Alexander Gebele, der für Technik, Vertrieb und Marketing verantwortlich ist und selbst gelernter Sägewerker ist – eine fachliche Nähe zur Branche, die den Anspruch des Unternehmens prägt.

Vor dem Hintergrund von Nachhaltigkeit, Rohstoffverfügbarkeit, Fachkräftemangel und Digitalisierung treibt HOLTEC mit dem Leitbild „Sawmill of the Future“ nicht nur technologische Innovationen, sondern auch modernere, ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze voran. „Wir wollen nicht einfach nur Spezialist bleiben, sondern wirklich auf das nächste Level kommen“, betont Alexander Gebele.

Vom Anlagenbauer zum strategischen Komplettanbieter

HOLTEC ist Spezialist für Anlagen zur Sortierung und zum Handling von Rundholz in der Sägeindustrie und verfügt in Mitteleuropa über das breiteste Produktportfolio in diesem Segment. Über 50 Jahre konsequente Fokussierung auf diesen klar definierten Nischenmarkt bilden das Fundament der heutigen Marktführerschaft. Der Anlagenbau ist dabei von Natur aus volatil – Hochphasen und Dellen gehören zum Geschäft. Eine einschneidende Zäsur war das Jahrhunderthochwasser 2021, bei dem die gesamte Produktion unter Wasser stand und dennoch nach nur sechs Wochen wieder aufgenommen werden konnte – ein Beleg für Stabilität und Teamleistung. Während früher einzelne Maschinen im Mittelpunkt standen, erwarten Kunden heute durchgängige Lösungen von der Rundholzannahme bis zur Übergabe an die Sägelinie. Mit eigenen Systemlösungen für das komplette Rundholzhandling hat das Unternehmen den entscheidenden Schritt zum Komplettanbieter vollzogen und generiert zusätzliche Wertschöpfung vor allem durch Modernisierung, Effizienzsteigerung und digitale Upgrades bestehender Anlagen, da große Greenfield-Projekte in Mitteleuropa künftig seltener werden. Internationale Impulse kommen zunehmend aus neuen Märkten; aktuell realisiert HOLTEC größere Projekte in Mittelamerika. Auf Branchenleitmessen wie der Ligna Hannover präsentiert das Unternehmen seine Innovationen und stärkt den internationalen Austausch. „Unsere Stärke liegt in der Kombination aus Erfahrung, Geschwindigkeit und Flexibilität – genau deshalb entwickeln wir uns vom klassischen Anlagenbauer zum strategischen Partner unserer Kunden“, sagt Alexander Gebele. 
 

Nachhaltigkeit und Digitalisierung als Innovationsmotor

Holz gilt als Schlüsselwerkstoff auf dem Weg zur Klimaneutralität – entsprechend hoch ist der Modernisierungsdruck auf die Branche. HOLTEC setzt hier mit seinem elektrischen Portalkrankonzept an, das mehrere dieselbetriebene Umschlagmaschinen ersetzt und in großen Sägewerken mehrere hunderttausend Liter Diesel pro Jahr einsparen kann. Neben dem CO2-Aspekt spielen wirtschaftliche Faktoren eine zentrale Rolle: volatile Kraftstoffpreise, hohe Wartungs- und Verschleißkosten sowie Sicherheitsrisiken durch parallel arbeitende Maschinen. Gleichzeitig sinkt der Flächenbedarf, da Fahrgassen entfallen und weniger Boden versiegelt werden muss. Gleichzeitig schafft die Digitalisierung die Voraussetzung für neue, intelligente Steuerungs- und Assistenzsysteme, die Mensch und Maschine optimal vernetzen und das Rundholzhandling auf ein neues Leistungsniveau heben. Auf der Ligna Hannover demonstrierte das Unternehmen live, wie ein Kran in Belgien aus über 500 km Entfernung in Echtzeit gesteuert werden kann – ein Schritt hin zu ergonomischeren, sichereren und attraktiveren Arbeitsplätzen in einer Branche mit wachsendem Fachkräftebedarf. Da Holz als Naturprodukt keine industrielle Standardware ist und in Form, Beschaffenheit und Verhalten stark variieren kann, gewinnen Machine Vision und KI-basierte Prozessoptimierungen zunehmend an Bedeutung, weil sie Stämme, Positionen und Störungen präziser erkennen als klassische Sensorik. „Mit künstlicher Intelligenz erreichen wir im Rundholzhandling ein neues Präzisionsniveau – das ist für uns das NEXT LEVEL“, so Alexander Gebele.

Vertrauen, Haltung und klare ­Zukunftsvision

Gegründet wurde das Unternehmen 1970 von Peter Klement, dessen Werte HOLTEC bis heute prägen. Vertrauen, Verlässlichkeit und Handschlagqualität sind zentrale Bestandteile der Unternehmenskultur – „unser Wort gilt“ ist dabei mehr als ein Anspruch, sondern gelebte Praxis. Viele Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten im Unternehmen tätig und vielfach im eigenen Haus ausgebildet, ebenso bestehen zahlreiche Kundenbeziehungen über Generationen hinweg. Intern spricht man vom „HOLTEC-Weg“ – einer Haltung, die partnerschaftliches Denken, technische Exzellenz und langfristige Verantwortung verbindet. Der Standort in der Eifel steht dabei für Bodenständigkeit, handwerkliche Stärke und eine ausgeprägte Tüftler-Mentalität, die das Unternehmen charakterisiert. Strategisch denkt HOLTEC in klar definierten Fünfahresschritten, verfolgt den weiteren Ausbau als Komplettanbieter ohne Schnittstellenbrüche und arbeitet an der Vision eines CO2-neutralen Rundholzumschlags. Wachstum um jeden Preis ist dabei nicht das Ziel; vielmehr geht es um nachhaltige Entwicklung und darum, den strukturellen Wandel der Branche aktiv mitzugestalten. Für Geschäftsführer Alexander Gebele ist dies ein persönlicher Anspruch: „Holz ist ein Werkstoff mit enormer Zukunft – wir wollen die Branche nicht nur begleiten, sondern aktiv weiterentwickeln“, betont Alexander Gebele. Mit technischer Exzellenz, klarer Haltung und langfristigem Denken positioniert sich HOLTEC damit als stabiler Partner und Impulsgeber in einer Branche im Umbruch.

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