„Der Solarindustrie gehört die Zukunft!“
Interview mit Philipp Schäfer, Geschäftsführer der fri GmbH & Co. KG und Clemens Östreich, Geschäftsführer der Sonnenexpert GmbH und fri GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Ihre beiden Unternehmen Sonnenexpert und fri geben sich überzeugt: Der Solarindustrie gehört die Zukunft. Wie gestalten Sie diese Zukunft im Tagesgeschäft mit?
Clemens Östreich: Angefangen hat Sonnenexpert 2013 noch als reiner Dienstleister, der Anlagen für Drittauftraggeber errichtet hat. Wir haben uns dabei jedoch stetig weiterentwickelt und schließlich auch die gesamte Projektentwicklung in unser Portfolio aufgenommen, sodass wir seitdem auch eigene Anlagen entwickeln. Inzwischen bilden wir zudem die komplette Betriebsführung als Teil unseres Leistungsspektrums ab, sodass wir unsere Kunden vom Erstkontakt über sämtliche Planungs- und Bauarbeiten bis hin zum jahrzehntelangen Betrieb der entsprechenden Anlage samt den turnusmäßig anfallenden Wartungsarbeiten betreuen können.
Wirtschaftsforum: Die ersten Kleinanlagen, bei denen Sie sich engagierten, wurden noch von Sonnenexpert errichtet: 2021 ist dann jedoch auch fri in den Markt eingetreten, um dieses Geschäftsfeld noch konsequenter bedienen zu können.
Philipp Schäfer: Egal an wen sich der Kunde innerhalb unserer Unternehmensgruppe wendet: Er bekommt von uns immer ein Full Service-Angebot und den richtigen Ansprechpartner an die Seite gestellt. Da sich die konkreten Abläufe bei großen oder kleineren Anlagen jedoch in vielerlei Hinsicht voneinander unterscheiden, entschlossen wir uns damals, hierfür ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Anders als viele andere Marktbegleiter, die zu den Hochzeiten um das Jahr 2020 auf den Vertriebszug aufgesprungen sind, sehen wir uns jedoch nachdrücklich als Meisterfachbetrieb, der nicht primär auf möglichst hohe Verkaufszahlen, sondern auf eine umfassende Begleitung seiner Kunden abstellt – denn erfolgreiche Projekte für Photovoltaikanlagen müssen immer individuell ausgestaltet sein.
Wirtschaftsforum: Worin liegen dabei die zentralen Herausforderungen?
Clemens Östreich: Ab einer gewissen Größe können die Versorger die Zulassung der entsprechenden Anlagen ablehnen: Aus diesem Grund wird etwa die Hälfte der Anlagen, für die wir angefragt werden, am Ende nicht gebaut. Mittlerweile haben das Verständnis für dieses Problem und auch die Kooperationsbereitschaft aufseiten der Netzbetreiber jedoch spürbar zugenommen – denn durch inzwischen verfügbare technische Lösungen lassen sich viele der bestehenden Bedenken zielführend ausräumen.
Wirtschaftsforum: Der Netzausbau gilt als große Hürde bei der Energiewende – betrifft das auch die kleineren Anlagen, mit denen sich fri beschäftigt?
Philipp Schäfer: Der Grundgedanke sollte eigentlich darin bestehen, die Energie direkt dort zu erzeugen, wo sie auch verbraucht wird, und sie eben nicht lange durch das Netz zu schleusen. Mit einer Photovoltaikanlage soll insofern nicht primär durch die Netzeinspeisung Geld verdient werden, sondern durch den Eigenverbrauch der produzierten Energie. Diese Denkweise hat im klassischen Einfamilienhausbereich schon immer das Handeln bestimmt – die Einspeisevergütung war eher das Tüpfelchen auf dem i. Die vielfältigen technologischen Innovationen verleihen dieser Haltung noch zusätzlichen Auftrieb: Die Kapazität der Energiespeicher fällt heute deutlich höher und günstiger aus als noch vor einigen Jahren, sodass man den Strom für den Eigenbedarf in gewissem Umfang auch vorproduzieren kann. Zudem wird das bidirektionale Laden in Zukunft eine wichtige Rolle spielen – auch aus Sicht des Gesamtnetzes, in dem Fahrzeuge perspektivisch als dezentrale Stromspeicher dienen können.
Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie vor diesem Hintergrund auf die aktuellen politischen Rahmenbedingungen?
Clemens Östreich: Auch wenn der Netzausbau nicht so schnell erfolgt, wir wir alle uns das wünschen würden, schaue ich optimistisch in die Zukunft von Wind- und Solarenergie, aber auch von Wasserstoff. Die omnipräsente politische Unsicherheit ist jedoch ein großes Problem – denn immer wieder werden wir von Neu- und Bestandskunden wie von Bauträgern gefragt, ob eine Photovoltaikanlage im jeweiligen Fall wirtschaftlich sinnvoll sein kann. Diese abwartende Haltung, die sich direkt aus dieser Unsicherheit ergibt, bremst leider enorm – auch bei der Finanzierung, schlicht weil es den Banken ebenfalls an verlässlichen Perspektiven fehlt. Wir sollten nicht die Fehler von vor knapp zehn Jahren wiederholen, als der Solarmarkt regelrecht ausgebremst wurde, und die bestehende Dynamik nun unnötig abwürgen.
Wirtschaftsforum: Ein leeres Dach tut Ihnen in der Seele weh?
Clemens Östreich: Mich stört es tatsächlich, wenn ich diese tote Fläche sehe. Ich kann ja verstehen, wenn jemand vielleicht nicht selbst investieren möchte – aber dann kann man immer noch die Dachaußenflächen an einen Investor verpachten und so nicht nur einen Beitrag zur Energiewende leisten, sondern auch noch von einem überzeugenden Business Case profitieren.
Philipp Schäfer: Fest steht: Der Strombedarf wird noch weiter zunehmen – bei Sonnenexpert und fri wollen wir Teil der Lösung sein und diesen Wandel konsequent mitgestalten. Denn das macht uns unheimlich viel Spaß!













