„Die nächste S-Kurve mitgestalten“

Interview mit Dipl.-Ing. Steffen Schmidt, Präsident und CEO der IPG Automotive GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schmidt, welches waren die wichtigsten Meilensteine in der Geschichte der IPG Automotive?

Steffen Schmidt: 1984 wurde die Firma von Prof. Rolf Gnadler und zwei seiner Assistenten gegründet. Einer von ihnen war mein Vater. Innerhalb von zehn Jahren hat sich das Unternehmen dann vom Engineeringdienstleister zum Lösungsanbieter gewandelt. 1999 haben wir die erste Version unserer Simulationslösung CarMaker herausgebracht, die als unser Hauptprodukt mit für unser starkes Wachstum verantwortlich ist. Mit der Simulation waren wir seinerzeit Vorreiter; damals wurden Fahrzeugtests überwiegend noch auf der Straße durchgeführt. Heute ist die Simulation ein fester Bestandteil im Entwicklungsprozess. 2012 haben wir ein Büro in München eröffnet, 2014 ein weiteres in Wolfsburg. Zu dieser Zeit haben wir auch angefangen, international zu expandieren. 2022 wurden wir als Top 100-Unternehmen der innovativsten Mittelständler ausgezeichnet und belegen in unserer Größenklasse den 2. Platz.

Wirtschaftsforum: Wo steht das Unternehmen heute?

Steffen Schmidt: Wir haben inzwischen weitere Niederlassungen in Deutschland und international in Japan, den USA, China, Südkorea, Frankreich, UK und Schweden. Global beschäftigt IPG Automotive circa 350 Mitarbeiter. Selbst in der Coronazeit haben wir weiter Mitarbeiter eingestellt. Uns war bewusst, dass an der Technologie von morgen weitergearbeitet wird. Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten drei bis vier Jahren weiter stark wachsen werden.

Wirtschaftsforum: Worauf gründen sich diese Erwartungen?

Steffen Schmidt: Das autonome Fahren ist aus meiner Sicht ein Megatrend der nächsten Jahrzehnte. Die Automobilindustrie entwickelt zudem mit Hochdruck die Elektromobilität. In beiden Feldern stellen wir Lösungen zur Verfügung.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?

Steffen Schmidt: Wir sind zu 100% ein Familienunternehmen und sehen uns als ‘one team, one family’. Deshalb können wir langfristig denken und handeln. Wir haben flache Strukturen. Ich handele hier nicht als Einzelkämpfer, sondern gemeinsam mit meinem Führungsteam. Ein Teil unseres Erfolges liegt darin, dass wir verstehen, was der Kunde braucht. Das liegt in unserer DNA als früheres Engineeringunternehmen.

Wirtschaftsforum: Wie wirken sich diese Strukturen in der Praxis aus?

Steffen Schmidt: Wir leben von den zukunftsgerichteten Ideen unserer Mitgestalter und Kollegen. Glücklicherweise haben wir viele gute Mitarbeiter, die den Dialog mit den Kunden suchen und überlegen, wie wir unsere Lösungen weiter verbessern können. Gerade bauen wir in der virtuellen Welt Prototypen auf, wie man sie beim realen Fahren schon kennt – in unserem Fall als digitaler Zwilling. In diesem Bereich sehe ich einen starken Trend, eine Innovationskurve, oder wie wir es nennen: die nächste S-Kurve, die wir mitgestalten.

Wirtschaftsforum: Welche Vision haben Sie für IPG Automotive?

Steffen Schmidt: Im Bereich der Gesamtfahrzeugsimulation sind wir schon führend am Weltmarkt und wollen es bleiben. Unsere Vision zielt auf die nächste S-Kurve mit virtuellen Prototypen ab. Damit wollen wir die Entwicklungsprozesse unserer Kunden noch effizienter gestalten und das Thema weiter ausbauen. Unser – auch mein persönlicher – Antrieb ist die Chance, die Zukunft der Mobilität mitzugestalten.

Mehr zum Thema

Fashion-Vertrieb mit Gespür für Märkte

Interview mit Vieri Da Fano, Geschäftsführer der Zucchero e Scimmie Srl

Fashion-Vertrieb mit Gespür für Märkte

Fashion ist ein Geschäft mit Emotionen, aber auch mit Präzision, Timing und internationaler Marktkenntnis. Die Zucchero e Scimmie Srl aus Bagno a Ripoli bei Florenz hat sich seit 2007 als…

„China-Speed“ beim Laserschweißen

Interview mit Richard Steinbrecht, Geschäftsführer der iQLASE GmbH

„China-Speed“ beim Laserschweißen

Aus Lessmüller und Blackbird, zwei etablierten Laserschweißunternehmen, wurde kürzlich iQLASE: eine Fusion, von der sich Geschäftsführer Richard Steinbrecht nicht nur eine stärkere Marktposition durch klare Synergieeffekte, sondern auch zusätzliche Innovationskraft…

Wenn Fortschritt Patienten erreicht

Interview mit Dr. Joern Woll, Geschäftsführer der Mundipharma GmbH

Wenn Fortschritt Patienten erreicht

Die Pharmaindustrie bewegt sich in einem Spannungsfeld aus medizinischem Fortschritt, regulatorischem Druck und steigenden Anforderungen an den Patientenzugang. Die Mundipharma GmbH hat darauf mit einer klaren Fokussierung ihres Portfolios reagiert:…

Spannendes aus der Region Karlsruhe

Technologie mit Haltung

Interview mit Michele Arcaro, Geschäftsführer der DEFINE MEDIA GmbH

Technologie mit Haltung

Die digitale Werbewelt verändert sich rasant. Datenschutz, künstliche Intelligenz und der Abschied von klassischen Tracking-Methoden stellen Unternehmen ebenso wie Medienhäuser vor neue Herausforderungen. Gefragt sind Lösungen, die wirksame Werbung ermöglichen…

Wenn Qualität Leben rettet

Interview mit Hans-Werner Holdermann, Geschäftsführer der Deutsche Blistergesellschaft mbH

Wenn Qualität Leben rettet

Die Verblisterung von Arzneimitteln könnte die Patientensicherheit revolutionieren. Doch während technisch bereits Weltspitze erreicht ist, hinkt der rechtliche Rahmen dramatisch hinterher. Die Deutsche Blistergesellschaft arbeitet mit Fehlerquoten im Nanobereich, während…

„Unser Produkt ist der Mensch!“

Interview mit Manuel Fink, Geschäftsführer der ProServ Produktionsservice und Personaldienste GmbH

„Unser Produkt ist der Mensch!“

ProServ hat sich als schlagkräftiger Personaldienstleister in Produktion und Logistik nicht nur dank seines weltbekannten Gesellschafters Michelin einen Namen gemacht. Geschäftsführer Manuel Fink verriet im Interview mit Wirtschaftsforum, wie sich…

Das könnte Sie auch interessieren

Digitalisierung mit Augenmaß

Interview mit Falk Tengler, Geschäftsführer der dvhaus Software & Solutions GmbH

Digitalisierung mit Augenmaß

Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung zählt zu den anspruchsvollsten Transformationsprojekten unserer Zeit. Besonders in der Justiz treffen komplexe Abläufe, hohe Sicherheitsanforderungen und föderale Strukturen aufeinander. Die dvhaus Software & Solutions…

„Auch in Europa können wir KI-Lösungen entwickeln!“

Interview mit Michael Neidhöfer, Geschäftsführer der ZREALITY GmbH

„Auch in Europa können wir KI-Lösungen entwickeln!“

Seit vielen Jahren entwickelt ZREALITY immersive Lernumgebungen, mit denen seine Unternehmenskunden ihre Mitarbeiter schulen können: Die KI hat dabei nicht nur die Entwicklungszyklen merklich beschleunigt, sondern noch eine weitere Lösung…

Klinische Forschung neu gedacht

Interview mit Dr. Dominique Manu, Geschäftsführer und Group CEO der EvidentIQ Group GmbH

Klinische Forschung neu gedacht

Klinische Studien erzeugen enorme Datenmengen. Ihre Erfassung muss präzise, sicher und regulatorisch einwandfrei erfolgen. Die EvidentIQ Group GmbH entwickelt spezialisierte Softwarelösungen, mit denen Pharmaunternehmen, Forschungsorganisationen und Medizintechnikhersteller ihre Studien effizient…

TOP