Automation auf dem Vormarsch

Interview mit Michael Arendt, Geschäftsführer der Hirata Engineering Europe GmbH

Wirtschaftsforum: Hirata ist Inbegriff für Automatisierung – ein Thema, das für immer mehr Industriebereiche an Bedeutung gewinnt. Hirata nimmt hier seit langem eine führende Rolle auf dem Weltmarkt ein. Was sind Eckpfeiler des Portfolios?

Michael Arendt: Automotive, Halbleitertechnik, Kunststoffverarbeitung, Elektrotechnik, Medizintechnik – das sind die großen Tätigkeitsbereiche des Konzerns. Die Automatisierung von Produktionsanlagen ist seit jeher eine Kernkompetenz. 1978 begann Hirata in Japan mit der Entwicklung erster CNC-Steuerungen und Linearachsen. Daraus ging das erste SCARA-Robotermodell hervor, von dem heute die sechste Generation auf dem Markt ist. Die Erfahrung aus all diesen Jahren bildet die Basis des anhaltenden Erfolgs. Wir sind schwerpunktmäßig für die Automobilindustrie tätig und realisieren hier unter anderem Projekte im Bereich Powertrain; dabei geht es um Anlagen zur Fertigung von Getrieben, Motoren und Batterien. Eine zentrale Herausforderung ist natürlich das Thema E-Mobilität; hier nimmt Hirata ganz klar eine Vorreiterrolle ein.

Wirtschaftsforum: Hirata ist ein global agierender japanischer Konzern mit 2.500 Mitarbeitern und über 22 Niederlassungen in Asien, Europa und den Vereinigten Staaten. Es gibt große Werke in Japan, China, Malaysia, Nordamerika und Europa. Seit 1993 existiert die deutsche Niederlassung mit mittlerweile zwei Werken in Mainz. Wo setzt Hirata Engineering Europe den Schwerpunkt?

Michael Arendt: Auch in Deutschland steht das Thema Automation vor allem für die Automobilindustrie im Fokus. Wir betreuen hier mit 60 Mitarbeitern den gesamten europäischen Markt mit Schwerpunkt Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich und Skandinavien. In Mainz gibt es mittlerweile zwei Werke; in einem geht es um Robotik, in dem anderen um Automation.

Wirtschaftsforum: Was sind typische Produkte und Kunden?

Michael Arendt: Wir bauen Montageanlagen für konventionelle Benzin- und Dieselmotoren, für Getriebe, Achsen, E-Antriebe und Batteriemontagen. Dieses Jahr haben wir in Deutschland eine große Montageanlage für einen namhaften Automobilhersteller realisiert. OEM‘s, TIER-1- und TIER-2-Lieferanten, Bosch, ZF, Continental – sie alle gehören zu unseren Kunden. Neben kompletten Anlagen liefern wir Standardprodukte wie Palettierer und Depalettierer, SCARA-Roboter, Tray-Wechselsysteme und Linearachssysteme. Unser Vorteil ist, dass wir durch unsere Muttergesellschaft auf globale Referenzen zurückgreifen können. Das hilft uns, unsere Präsenz im europäischen Raum zu stärken.

Wirtschaftsforum: Hirata Engineering Europe hat einen Umsatz von 25 Millionen EUR und das Ziel weiter zu wachsen. Was sind aktuelle Wachstumsmotoren?

Michael Arendt: Erfahrung und Know-how in punkto Robotik, Elektronik und Automation sind Assets, die uns vom Wettbewerb unterscheiden. E-Mobilität ist ein Thema, in dem Hirata seit langem erfolgreich aktiv ist, das viel Potenzial bietet und in dem Hirata Technologieführer ist. Europäische Autobauer investieren stark in diesen Bereich und sind offen für neue Lieferanten und Ideen. Hirata bringt im asiatischen Markt eine Menge Erfahrung, Referenzen und Prozess-Know-How mit. Es ist eines der wenigen Unternehmen, das Montageanlagen für Brennstoffzellen umgesetzt hat. Von den Stückzahlen ist das Projekt noch nicht sehr groß, allerdings forschen alle OEMs daran und setzen erste Projekte um.

Wirtschaftsforum: Der Markt für E-Mobilität wächst rasant. Es geht dabei um komplexe Produkte, die viel Knowhow und technische Kompetenz erfordern. Neben der Technik sind qualifizierte Mitarbeiter entscheidend für die unternehmerische Entwicklung. Spürt auch Hirata den viel diskutierten Fachkräftemangel?

Michael Arendt: Es ist in der Tat nicht einfach, Fachkräfte wie Maschinenbauingenieure zu finden. Wir suchen aktuell sehr intensiv und arbeiten mit ausgewählten Personaldienstleistern zusammen. Neben 60 festangestellten Mitarbeiter haben wir so zwischen 50 und 100 zusätzliche externe Kräfte. Unser Vorteil ist, dass wir technologisch sehr interessante Arbeitsplätze bieten. Wir sind Teil eines globalen Konzerns und gleichzeitig mittelständisch aufgestellt und offen für neue Konzepte wie flexible Arbeitszeiten. Das macht Hirata zu einem attraktiven Arbeitgeber.

Wirtschaftsforum: Wie beurteilen Sie die aktuelle Branchenentwicklung?

Michael Arendt: Die konventionelle Antriebstechnik wächst momentan eher verhalten, dafür boomt die E-Mobilität. Es wird dort viele spannende Herausforderungen in Entwicklung und Produktion geben, auf die wir uns freuen und für die wir bestens vorbereitet sind. Unser Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft.

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