Effizienzgewinne durch Nieten statt Schweißen

Interview mit Christian De Razza, Geschäftsführer der Heyman Manufacturing GmbH

Wirtschaftsforum: Herr De Razza, die Heyman Manufacturing GmbH steht für ‘Access & Fastening Solutions’. Mit welchen Produktsparten engagieren Sie sich genau im Markt?

Christian De Razza: Grundsätzlich fußt unsere Unternehmenstätigkeit auf zwei starken Säulen: Zum einen bieten wir umfassende Lösungen für die Zugangstechnik an, wobei wir unseren Kunden verschiedenste Komponenten zur Verfügung stellen können – von Griffen über Verschlüsse und Gasfedern bis hin zu Teleskopschienen für Schubladen und Scharniere für Türen. Die Einsatzzwecke sind dabei so vielfältig wie die Branchen, in denen unsere Kunden auftreten. So benötigen die Hersteller von großen Reisemobilen etwa Klappen für den Interieur- und Exterieurbereich ihrer Fahrzeuge, während beispielsweise die Wartungszugänge an Wärmepumpen einen vandalismussicheren Verschluss benötigen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung von Zugangssystemen?

Christian De Razza: Viele Anbieter von externen Lagerplätzen, also von Containern oder Schließfächern, möchten die sich hieraus ergebenden Möglichkeiten inzwischen umfangreich einsetzen. Der Nutzen liegt schließlich auf der Hand: denn während für den Endanwender durch die Attraktivität einer nahtlosen App-Erfahrung und einer rund um die Uhr gegebenen Zugangsmöglichkeit die Benutzerfreundlichkeit steigt, profitiert der Anbieter von deutlichen Kosteneinsparungen, indem entsprechende Personalposten entfallen. Natürlich spielt in diesem Kontext auch das Thema Sicherheit eine wichtige Rolle, gerade im Medical-Bereich: Hier lässt sich etwa an Medizinausgabeschränke denken, bei denen auf manche Schubladen das gesamte Personal Zugriff haben soll, während einzelne Fächer restriktiver gehandhabt werden müssen. Auch hierfür bieten wir zielgerichtete Lösungen an.

Wirtschaftsforum: Inwiefern ist in diesem Kontext auch die Beratungskompetenz Ihres Unternehmens gefragt?

Christian De Razza: Ursprünglich wurde Heyman vor über 50 Jahren als klassisches Handelsunternehmen gegründet – inzwischen hat sich unsere Kernkompetenz aber deutlich hin zu umfangreichen Beratungsleistungen zu den Produkteinsatzmöglichkeiten sowie zur damit einhergehenden Optimierung der Fertigungsprozesse unserer Kunden verlagert. Auch heute arbeiten wir beständig weiter an unserer Positionierung als starker Dienstleistungspartner und bieten in diesem Zuge etwa Seminare und Innovation Meetings an, während wir zudem Kooperationen mit Technischen Hochschulen in unserer Region geschlossen haben, an denen wir zu Themenfeldern aus unserer Kernexpertise referieren. Gleichzeitig sind wir natürlich ständig auf der Suche nach weiteren Ansätzen, um unsere Kunden bei ihrer Wertschöpfung noch umfassender zu unterstützen. So werden wir bald die Möglichkeit anbieten, die CAD-Daten zu unseren Produkten direkt in die digitalen Modelle unserer Kunden einzuspielen, damit diese die gegebenen Optionen noch detaillierter evaluieren können.

Wirtschaftsforum: Neben den Zugangslösungen bietet Heyman ferner auch ‘Fastening Solutions’ an.

Christian De Razza: Dabei handelt es sich um unser zweites Standbein, wobei wir in diesem Bereich vornehmlich Blindnieten und Blindnietmuttern vertreiben, die insbesondere als Alternative zu entsprechenden Schweißprozessen überzeugen. Schließlich hat der Schweißerberuf mit deutlichen Nachwuchsproblemen zu kämpfen, während schon im Sinne einer besseren Nachhaltigkeitsbilanz verstärkt alternative Lösungen erwogen werden sollten. Doch neben diesen bereits sehr handfesten Vorteilen wollen wir gemeinsam mit unseren Kunden stets auch eine klare Kosteneinsparung erreichen und zudem für einen stringenteren unternehmensinternen Ablauf sorgen. Wenn der Kunde mit seiner spezifischen Problemstellung an uns herantritt, evaluieren wir zunächst die gegebenen Rahmenbedingungen im Detail: Mit welcher Materialdicke haben wir es zu tun, welche Stähle kommen genau zum Einsatz, wirken Scherkräfte auf die Anlage oder besteht direkter Kontakt zu Wasser oder zu anderen Medien? Auch hier setzen wir also zunächst auf eine tiefgreifende Beratung, bevor wir auf Basis unserer gewachsenen Erfahrung und der Datenblätter eine tragfähige Lösung vorstellen. Anschließend führen wir im Rahmen des Design-for-Assembly-Prozesses gemeinsam mit dem Kunden eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsanalyse durch, bei der wir unserer Lösung das bestehende Verfahren gegenüberstellen. Denn wenn die Komponenten miteinander vernietet statt verschweißt werden, entfällt schließlich nicht nur der eigentliche Schweißprozess – auch viele Schritte in der Intralogistik werden hinfällig, da die Nieten auch in die bereits lackierten Bauteile gepresst werden können. Was vorher in zweieinhalb Tagen erledigt werden musste, lässt sich mit unserer Lösung idealerweise innerhalb von 90 Minuten abbilden. Deutlicher können Effizienzgewinne kaum sein.

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