Ein Unternehmen hält dicht

Interview mit Jens Eilert und Jonas Schmidt, Geschäftsführer der Heinrich Tapp GmbH

Heinrich Tapp ist ein echter Verpackungskünstler. Seit der ersten Stunde geht es dem Unternehmen darum, Turbinen oder Anlagen unterschiedlicher Größe gekonnt zu ‘verpacken’ – was nichts anderes heißt, als Anlagen so zu dämmen, dass sie reibungslos funktionieren.

Egal, ob Industrieturbinen, Kraftwerksturbinen oder Komplettdämmungen industrieller Anlagen, ob kleine Industrieturbine mit 1 MW oder ein Turbinentyp mit einer Leistung von 800 MW – Heinrich Tapp setzt auf die unschlagbare Kombination von Erfahrung und Innovationskraft, um anspruchsvolle Lösungen aus einer Hand zu bieten.

Heute bestimmen Blechdämmungen, Abschirmbleche, Kassettendämmungen, Spritzdämmungen, Engverschalungen, Mattendämmungen und Glasgewebeabdeckungen das anspruchsvolle Portfolio.

„Wir decken die gesamte Wertschöpfungskette in der Isolierung ab“, so Jens Eilert. „Das heißt, wir unterstützen Kunden von der Konstruktion, dem Engineering und der Produktherstellung bis zu Montage, Service und Wartung. Diese Bündelung des Know-how ist ein großer Wettbewerbsvorteil und verschafft uns ausreichend Flexibilität, Marktchancen effizient zu nutzen.“

Von der Ruhr bis Indien gefragt

Auch wenn es bei Heinrich Tapp seit jeher um technische Dämmung geht, hat sich seit der Gründung 1909 in Mülheim viel getan. Anfang des 20. Jahrhunderts konzentrierte sich das Familienunternehmen auf die Dämmung von Kesseln für Dampflokomotiven; in den 1960er- und 70er-Jahren spezialisierte man sich schließlich auf Kraftwerksturbinen und wurde zu einem bevorzugten Partner von Siemens – eine Partnerschaft, die bis heute Bestand hat und für die Kompetenz der Mülheimer spricht.

„Wir zählen zu den wenigen kleineren Siemens-Zulieferern und betrachten das durchaus als Auszeichnung“, sagt Jens Eilert. „Gemeinsam mit Siemens haben wir 2010 eine Entwicklungsarbeit durchlaufen und für Gasturbinen die nötigen Dämmungen und Isolierungen entwickelt.“ Heinrich Tapp sucht immer wieder neue Herausforderungen, um weiter nach vorn zu kommen. Ein weitsichtiger Ansatz.

„In Deutschland werden in Zukunft keine weiteren Kraftwerke gebaut; der Markt für Turbinenisolierungen ist eher rückläufig und wir sind lediglich in Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten involviert“, erklärt Jens Eilert. „Also müssen wir uns neue Nischen suchen und uns breiter aufstellen. Innerhalb eines Kraftwerks gibt es Alternativen wie Ketten und Rohrleitungen. Es gibt Industrieturbinen, den Schiffsbau und Lärmdämmungen. Der Markt bietet damit vielversprechende Chancen, die wir dank unseres technologischen Potenzials nutzen können und wollen.“

Jens Eilert
„Dienst nach Vorschrift gibt es bei uns nicht. Die Einsatzbereitschaft ist ausgesprochen hoch, alle ziehen an einem Strang. Nur so können Projektgeschäfte funktionieren.“ Jens EilertGeschäftsführer

Ein Team, eine Vision

Auch auf internationaler Ebene agiert Heinrich Tapp mit Weitblick. 2017 wurde eine Niederlassung in Indien eröffnet – eine logische Konsequenz der bisherigen Aktivitäten. „Wir sind seit vielen Jahren erfolgreich in Indien aktiv“, hebt Geschäftsführer Jonas Schmidt hervor. „Mit einem Staatsbetrieb, der Turbinen herstellt, konnten wir einen sehr guten Kunden gewinnen. Der dortige Kraftwerksmarkt wächst nach wie vor. Mit unserer Niederlassung werden wir neue Impulse bekommen und unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken.“

Es bleibt spannend

40 Mitarbeiter sind heute in Indien tätig, 90 in Deutschland – viele von ihnen seit vielen Jahren. Auf ein außergewöhnliches Zusammengehörigkeitsgefühl und eine niedrige Fluktuation ist man bei Tapp genauso stolz wie auf außergewöhnliche Produkte.

„Wir können uns auf engagierte und kompetente Mitarbeiter verlassen, die alles andere als Dienst nach Vorschrift machen. Hier ziehen alle an einem Strang, egal, ob in Mülheim oder Indien. Wir haben einen Pool von Spezialisten, die um die Welt reisen, um Inbetriebnahmen zu realisieren. Diese Offenheit und Flexibilität sind entscheidend; nur so kann das Projektgeschäft funktionieren.“ Und es funktioniert. Der Umsatz liegt bei über 10 Millionen EUR. „Wir sind international aufgestellt, haben extrem kurze Reaktionszeiten und profitieren durch unseren indischen Standort von klaren Kostenvorteilen“, hebt Jonas Schmidt hervor. „Weil wir weiter wachsen wollen – national und international – richten wir den Fokus nun verstärkt auf den Vertrieb. Und es gibt ein weiteres spannendes Projekt – eine Niederlassung in Moskau, die gerade im Aufbau ist.“

Mehr zum Thema Industrielle Zulieferer

50 Jahre, eine Mission: Technik, die wirklich zählt

Interview mit Silvia Ferrari, CFO&Board Mem und Fabrizio Vitali, Sales Manager sowie Giorgia Ferrari, Commercial Manager der Forain S.r.l.

50 Jahre, eine Mission: Technik, die wirklich zählt

In einer volatilen Welt, geprägt von Energiewende, politischen Spannungen und Störungen in den Lieferketten, ist technische Widerstandsfähigkeit wichtiger denn je geworden. Forain s.r.l. mit Sitz in Mailand, Italien, liefert diese…

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Interview mit Jörg Herre, Leiter Vertrieb und Marketing der Friedemann Wagner GmbH

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Die deutsche Industrie steht unter Druck. Investitionen werden verschoben, Projekte gestoppt. Und doch gibt es Unternehmen, die Kurs halten – mit Bodenhaftung, technischer Klarheit und einem langen Atem. Jörg Herre…

„Wir denken nicht im Quartal, sondern in Generationen“

Interview mit Thomas Fischer, Geschäftsführer der MBI Deutschland GmbH

„Wir denken nicht im Quartal, sondern in Generationen“

Wer Thomas Fischer zuhört, spürt schnell: Hier spricht keiner in Marketingfloskeln. Es geht um Technik, um robuste Lösungen – und um Vertrauen. Um Präsenz im richtigen Moment. Und darum, wie…

Spannendes aus der Region Mülheim an der Ruhr

Wenn Zeit eine kritische Größe ist

Interview mit Hilmar Heubach, Gründer und Geschäftsführer der HTL Transportlogistik Ges. für Transportlogistik & Sonderfahrten mbH

Wenn Zeit eine kritische Größe ist

Wenn Bauteile fehlen, Produktionslinien stocken oder Termine nicht verschiebbar sind, entscheidet jede Minute. Zeitkritische Sonderlogistik ist das Spezialgebiet der HTL Transportlogistik GmbH in Mülheim an der Ruhr. Das von Hilmar…

Antrieb aus Leidenschaft

Interview mit Anna Nagel, Geschäftsführerin der Auto Nagel Essen GmbH & Co. KG

Antrieb aus Leidenschaft

Wer heute das Autohaus der Auto Nagel Essen GmbH & Co. KG betritt, erlebt moderne Mobilität in all ihren Facetten. Zur wachsenden, deutschlandweit aktiven Auto Nagel Unternehmensgruppe gehören mittlerweile 18…

Mensch, Technik und Raum in Einklang bringen

Interview mit Prosper Dupuis, Geschäftsführer der Gertec GmbH - Planungsgesellschaft

Mensch, Technik und Raum in Einklang bringen

Als wirkmächtige Planungs- und Ingenieurgesellschaft sowohl für die Privatwirtschaft als auch die öffentliche Hand will Gertec konsequent an der Ausgestaltung umfassender Transformationskonzepte für eine nachhaltige Zukunft mitwirken. Mit Wirtschaftsforum sprach…

Das könnte Sie auch interessieren

Wasserstoff ist kein Trend, sondern eine Notwendigkeit

Interview mit Dr. Hans Michael Kellner, Geschäftsführer der Messer Schweiz AG

Wasserstoff ist kein Trend, sondern eine Notwendigkeit

Die Energiewende stellt Industrie und Mobilität vor tiefgreifende Herausforderungen. Steigende Anforderungen an CO2‑Reduktion, Versorgungssicherheit und Effizienz rücken innovative Gastechnologien in den Fokus. Die Messer Schweiz AG, seit über 100 Jahren…

Komplexe Bauteile aus einem Guss

Interview mit Dominik Baulig, geschäftsführender Gesellschafter der SCHMEES cast Langenfeld GmbH

Komplexe Bauteile aus einem Guss

SCHMEES cast hat sich im Laufe seiner Jahrzehnte währenden Firmengeschichte als erfolgreicher Gießereibetrieb vor allem in der Pumpentechnik und im Energiesektor einen Namen gemacht. Mit der Wehrtechnik hat das Unternehmen…

Zwischen Strommarkt, Speicher und Stabilität

Interview mit Peter Schmelz, Geschäftsführer und Vertriebsleiter der LIMES GmbH – Deutsches Solarzentrum

Zwischen Strommarkt, Speicher und Stabilität

Die Energiewende verlangt nach Photovoltaiklösungen, die wirtschaftlich tragfähig und langfristig planbar sind. Neben der reinen Stromerzeugung rücken Speicher, Vermarktung und Systemintegration in den Fokus. Die LIMES GmbH – Deutsches Solarzentrum…

TOP