Der Automatisierung gehört die Zukunft

Interview mit Hans Gut, CEO, und Armin Haller, CSO der Güdel Group AG

CEO Hans Gut und CSO Armin Haller sind seit etwa einem Jahrdabei. Beide schätzen ihre neuen ‘Freiheiten’ und sind sich einig, dass sie mit Güdel Group ein Unternehmen mit zukunftsorientierten Produkten und innovativer Ausrichtung führen. Hans Gut und Armin Haller waren zuvor bei einem Schweizer Konzern, der vor rund 20 Jahren an ein deutsches Unternehmen veräußert und anschließend in einen großen deutschen Automobilkonzern integriert wurde, beschäftigt und kannten sich bereits.

Hans Gut erklärt: „Bei einem großen Konzern ist die Handlungsfreiheit stark eingeschränkt. Notwendige Maßnahmen durchzuführen, war praktisch unmöglich. Ich wollte wieder etwas machen, das es mir ermöglicht, Dinge auch umzusetzen.“ Armin Haller, der auch für den Bereich Sales zuständig ist, war vor allem von den Produkten überzeugt: „Als ich sie gesehen habe, habe ich in die Zukunft gesehen. Ich hatte Produkte vor mir, die die Trendwende des Lebens und der Wirtschaft unterstützen. Es ist schön zu wissen, dass sie auch in 20 Jahren noch benötigt werden.“

Unternehmen im Zeichen des Wandels

Bei Güdel Group kamen sie in ein Unternehmen, das 1954 als kleiner Lohnbetrieb für die mechanische Bearbeitung begonnen hat. Hans Gut berichtet von den Anfängen: „Gründer Alfred Güdel war ein unheimlich guter Mechaniker, der damals schon eine automatisierte Vierachs- und Fünfachsbearbeitung durchführen konnte. Dadurch war er in der Lage, sehr genaue Zahnräder und -stangen herzustellen.“

Sein Sohn und Nachfolger stieß in das Feld der Automatisierung vor. So entwickelte sich Güdel vom Lohnfertiger zum Anbieter für Automatisierung und Systemlösungen. „Heute haben wir immer noch diese epische Breite, die in unserem Bereich absolut untypisch ist. Wir bieten sowohl Zahnstangen und kleine Getriebe als auch die Systemintegration. Das ist sehr hilfreich, denn durch diese Diversifizierung haben wir mehrere Standbeine“, so Hans Gut.

Global aufgestellt durch die Krise

Auch die globale Aufstellung mit mehr als 20 Standorten weltweit ist ein großer Vorteil für das Unternehmen, sind sich beide einig. Das hat sich nicht erst in der Corona-Krise gezeigt. „Wir sind wirklich fähig, global zu agieren. Das trifft nur auf wenige Unternehmen zu“, betont Hans Gut. Ein kleines Beispiel: Als wegen des Coronavirus der chinesische Markt als erster von einem Lockdown betroffen war und dort die Atemschutzmasken ausgingen, habe man aus Langenthal 15.000 Stück dorthin geschickt. Später unterstützten die chinesischen Kollegen mit Masken, die in die Schweiz geschickt wurden.

Für Armin Haller ist insbesondere die ‘Unabhängigkeit’ der großen Standorte eine Stärke der Firma: „Wenn wir ein Werk schließen mussten, ist nicht die ganze Organisation zusammengebrochen. Die Fähigkeit, in jeder Situation operativ tätig zu sein, ist Teil unserer Strategie.“ Während viele Firmen stolz darauf waren, innerhalb von zwei Wochen den Betrieb auf Homeoffice umgestellt zu haben, zeigte sich Güdel auch in dieser Hinsicht flexibler: „Bei uns hat es nur Stunden gedauert“, sagt Armin Haller.

Durch Automatisierung Industrien bewegen

Die Automatisierung hat in fast alle Bereiche der Industrie Einzug gehalten. „Wir reden dabei von der Kombination der mechanischen mit der digitalen Technologie. Mit unseren Achsen, auf denen Knickarmroboter stehen oder hängen, unterstützen wir sehr viele Industrien und Roboterhersteller dabei, ihre Anlagen in fast allen Bereichen zu komplettieren“, erklärt Armin Haller. Die Einsatzbereiche der Produkte seien „im Prinzip annähernd unbegrenzt“. Er führt aus: „Wir können Ware bewegen, auch wenn sie sehr schwer ist und schnell und präzise bewegt werden muss.“

Als Beispiele nennt er den Railway-Bereich mit dem Handling in der Rad- und Achsenfertigung, das Metal Sheet Handling in der Automobilindustrie, wobei Bleche in hoher Geschwindigkeit durch Pressen bewegt werden, den Logistik-, aber auch den Aerospacebereich. „Hier arbeiten Kunden mit unseren Anlagen an neuen Technologien, zum Beispiel zur Herstellung von Flugzeugflügeln mit gewickelten Kohlefasern.“ In der Reifenherstellung finden die Produkte Verwendung beim Sortieren und Palettieren sowie der Kommissionierung.

Die Zukunft ist automatisiert

In einem zukunftsträchtigen Markt tätig zu sein, ist für Hans Gut ein ganz wesentlicher Punkt. „Geopolitisch wird es dazu kommen, dass wir immer mehr Onshoring sehen werden. Das können wir uns nur leisten, wenn wir automatisieren. Im Zusammenhang mit den Emerging Markets stellen wir fest, dass zum Beispiel in China die Löhne stark steigen. Die Schwellenmärkte können es sich also auf Dauer nicht mehr leisten, alles in Handarbeit zu machen. Sie müssen mehr auf Automatisierung setzen.“ Für Güdel stehe dabei im Vordergrund, den Kunden und seine Bedürfnisse zu verstehen.

Neue Führung, neue Strategie

Mit Eintritt des neuen CEO und CSO wurde die Strategie überarbeitet. Armin Haller macht deutlich, warum: „Wir waren nicht nur gezwungen, sondern auch motiviert, mit unseren Produkten die Automatisierung in der Welt stärker zu unterstützen. Das Buzzword lautet Digitalisierung. Wir haben viele Möglichkeiten und Technologien, um sie zu nutzen und unsere vorwiegend mechanischen Produkte zu integrieren.“ Hans Gut fügt hinzu: „Wir werden immer von den Kleinen bedrängt. Gewinner sind am Ende diejenigen, die es fertigbringen, immer mehr Systemintegration in Richtung Turnkey zu realisieren und die Probleme der Kunden ganzheitlich zu lösen.“

Güdel überzeugt dabei mit einem breiten Spektrum von Komponenten über Teilsysteme bis hin zu Systemen für eine Gesamtlösung. „Wir punkten mit Produktvielfalt, der Wertschöpfungskette im eigenen Haus und unseren Erfahrungen mit den Komponenten, die in unsere Systeme einfließen“, fasst Armin Haller zusammen.

Neue Bedürfnisse durch Megatrends

Das Familiäre konnte sich Güdel trotz des fortschreitenden Wachstums ein Stück weit bewahren. Die Mitarbeiter stehen hinter dem Unternehmen, berichtet Hans Gut. „Ich spüre eine große Loyalität zur Firma“, sagt er. Gleichzeitig sei Güdel von einer hohen Innovationsfähigkeit geprägt. „Wir sind ein hoch technisches Unternehmen mit einer Ingenieurs-DNA, die sich durch alle Bereiche zieht. Diese beiden Faktoren zusammen führen zu spannenden und bahnbrechenden Lösungen.“ Er nennt ein Beispiel, das mit der Urbanisierung als einem der Megatrends in Zusammenhang steht: „Laut einer Prognose werden 2050 drei viertel aller Menschen in Städten leben. Dort muss also mehr Lebensraum geschaffen werden. Der Hype geht in europäischen Städten hin zu verdichtetem Wohnen. Um relativ günstig und schnell Wohnraum zur Verfügung stellen zu können, haben wir einen hoch automatisierten Elementbau im Holzbau realisiert.“

Energiewende bringt neue Betätigungsfelder

Die Zukunft wird weitere Entwicklungen mit sich bringen, die einen hohen Grad an Automatisierung erfordern, ist Hans Gut überzeugt. Eine ist die Energiewende. „Der Anteil an erneuerbarer Energie nimmt zu, aber das Problem der Übertragung und Speicherung ist meiner Meinung nach noch nicht gelöst“, merkt er an. Die aktuell zur Stromübertragung eingesetzten Transformatoren sind ein weiteres Einsatzgebiet von Güdel: „Wir sind heute in der Lage, diese 300 t schweren Transformatoren, die aus Blech bestehen, automatisiert zu stapeln“, so der CEO. Für ihn ist klar, dass die zukünftige Strategie der Firma an die Mega-trends angepasst sein muss.

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