Intelligente Fördertechnik für die Industrie von morgen

Interview mit Appal Chintapalli, Geschäftsführer und Sarah Glatz, Senior Director Conveyor Business sowie Sven Worm, Vice President New Markets der montratec GmbH

Effizienz, Flexibilität und ein einzigartiges Technologiekonzept – das sind die Eckpfeiler der montratec GmbH. Das Unternehmen hat sich mit seiner intelligenten Transfersystem-Marke montrac® auf dem internationalen Markt etabliert, insbesondere in Branchen mit höchsten Anforderungen an Präzision und Sauberkeit. Seit der Übernahme durch die amerikanische Columbus McKinnon Corporation (CMCO) im Jahr 2023 profitiert montratec zusätzlich von einer globalen Infrastruktur und einem starken Partnernetzwerk. „Die Kombination aus unserer Innovationskraft und der weltweiten Aufstellung von CMCO gibt uns die Chance, neue Märkte zu erschließen und gleichzeitig unsere technologische Führungsrolle auszubauen“, so Appal Chintapalli.

 

Von der flexiblen Lösung zum globalen Systemanbieter

Die Erfolgsgeschichte von montratec begann Anfang der 2000er-Jahre mit dem Fokus auf automatisierte Intralogistik – zunächst vor allem für die Automobilbranche. Seither hat sich das Unternehmen stark weiterentwickelt. „In den letzten fünf Jahren vor der Übernahme sind wir um über 35% gewachsen“, berichtet Sven Worm. Heute zählt montratec zu den gefragten Spezialisten für modulare Fördersysteme – auch in sensiblen Bereichen wie Reinräumen für die Halbleiter- und Batterieproduktion sowie die Medizintechnik. Herzstück des Systems ist das Shuttle: montrac® ist ein intelligentes Transfersystem, bei dem sich autonome Shuttles nur bei Bedarf über ein Schienennetz bewegen. 

Das spart nicht nur Energie, sondern erhöht auch die Effizienz. „Unser System verbraucht bis zu 95% weniger Energie als herkömmliche Förderbänder“, betont Sven Worm. „Ich vergleiche es gern mit einem Servercluster: Fällt ein Shuttle aus, übernimmt ein anderes – so sichern wir maximale Verfügbarkeit.“ Anders als viele Wettbewerber liefert montratec nicht nur Lösungen von der Stange, sondern auch individuell zugeschnittene Systeme. „Unsere Kunden erhalten keine Standardprodukte, sondern Lösungen, die exakt zu ihren Prozessen passen“, so Sarah Glatz. Möglich macht das ein durchgängiges, modulares Konzept: Software, Steuerung und Mechanik greifen wie ein maßgeschneiderter Werkzeugkasten ineinander. Gerade in industriellen Anwendungen mit kurzen Taktzeiten ist dieser Ansatz entscheidend. 

Auf der automatica zeigte montratec aktuell eine Lösung zur schnelleren Umrüstung – ein wichtiger Hebel zur Reduzierung von Stillstandzeiten. Zudem präsentiert das Unternehmen eine kombinierte Anwendung aus montrac® und weiteren Conveyance-Systemen aus dem CMCO-Portfolio. „Wir können jetzt integrierte Gesamtlösungen anbieten – ein klarer Wettbewerbsvorteil“, betont Sarah Glatz. Mit rund 150 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von 35 Millionen EUR ist montratec heute ein agiler Mittelständler mit internationaler Perspektive. Das Team gilt als zentrale Stärke des Unternehmens: Die Belegschaft bringt nicht nur fachliche Kompetenz mit, sondern gestaltet aktiv die Weiterentwicklung von Technologie und Organisation mit. Geprägt ist das Unternehmen von flachen Hierarchien, technischer Exzellenz und einem ausgeprägten Teamgeist. 

Die Anwendungsfelder reichen vom Flugzeugbau über Displayproduktion bis zu Chip-Fertigung und Intralogistik. Besonders dynamisch entwickeln sich derzeit die Märkte in Asien (außer China) und Nordamerika. „Dort sehen wir enormes Potenzial – nicht nur in der Halbleiterindustrie, sondern auch durch den weltweiten Trend zur Elektrifizierung und Automatisierung“, so Appal Chintapalli. Die Übernahme durch CMCO markierte einen strategischen Wendepunkt für montratec. Zuvor war das Unternehmen private-equity geführt – mit einem starken Team, aber begrenzter internationaler Reichweite. Der Anschluss an die CMCO-Gruppe, ein über 150 Jahre altes Industrieunternehmen mit über 1 Milliarde USD Jahresumsatz, brachte den Zugang zu globalen Strukturen und neuen Märkten.

„CMCO bringt nicht nur Kapital und Prozesse mit, sondern ein echtes strategisches Verständnis für industrielle Technologien“, betont Appal Chintapalli. Gleichzeitig wird montratec innerhalb der CMCO-Gruppe zur tragenden Säule im neu aufgebauten Geschäftsfeld Conveyance. Viele Kunden denken heute ganzheitlich – vom Heben über den innerbetrieblichen Transport bis hin zur Prozessintegration. montratec schließt hier gezielt eine strategische Lücke. Auch politisch sieht das Unternehmen Rückenwind: Die neue Bundesregierung investiert wieder stärker in Infrastruktur und Technologie.

Gleichzeitig bleibe die Marktdynamik anspruchsvoll: Globale Krisen, Inflation und regulatorische Unsicherheiten dämpfen die Investitionsbereitschaft vieler Kunden. Umso wichtiger sei eine klare strategische Ausrichtung. montratec verfolgt das klare Ziel, sich technologisch, geografisch und strukturell zu verdoppeln. Der Weg dahin führt über Messepräsenz, Innovation und Kundennähe. Kunden erwarten heute effiziente Gesamtlösungen – genau darauf ist das Unternehmen mit seiner vorausschauenden Technologie ausgerichtet, wie Appal Chintapalli, Sarah Glatz und Sven Worm betonen.

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