Wenn drei Generationen ein Ziel haben

Interview mit Moritz Baumgart, Geschäftsführung, und Annika Baumgart, Marketing der geba Handels- & Entwicklungsgesellschaft mbH

Firmengründer Fritz Richard Baumgart erfand 1968 den Sicherheitsschlüsselschalter – und setzte damit Maßstäbe. Heute ist es die dritte Generation der Familie Baumgart, die die Tradition des findigen Unternehmers weiterführt und immer wieder Innovationen auf den Markt bringt, die wegweisend sind.

Drei Generationen, eine Vision

„Mein Großvater hat das Unternehmen 1968 als Ein-Mann-Betrieb in Köln gegründet“, erzählt Moritz Baumgart. „Als Elektromeister hatte er eine Marktlücke entdeckt; es gab damals keinen sicheren Schalter, der Manipulationen verhinderte (mechanische verriegelt DBP Nr. 2208019).“

Fritz Richard Baumgart füllte die Lücke, erfand den Schlüsselschalter, ließ diesen patentieren und stellte damit die Weichen für eine Erfolgsgeschichte. Mit der steigenden Nachfrage expandierte das Unternehmen kontinuierlich – bis heute. 1972 zog man nach Hennef, 1974 vergrößerte man den Standort und baute die erste Fabrikhalle. 1988 kam die Zäsur – der Firmengründer starb unerwartet, sein Sohn Claus übernahm den Betrieb – „von jetzt auf gleich, mit 28 Jahren“, wie Moritz Baumgart sagt. Er brach sein Lehramtsstudium ab, orientierte sich um in Richtung Elektrotechnik und Wirtschaftswissenschaften und setzte den Wachstumskurs auch mit Blick auf internationale Märkte fort.

1992 wurde in der Slowakei die erste europäische Niederlassung gegründet, 1995 folgte Großbritannien, 1998 Frankreich. Seit 2000 ist geba in Eitorf ansässig, seit 2009 ist Moritz Baumgart in der Geschäftsführung tätig, gemeinsam mit seiner Schwester Annika, die für das Marketing verantwortlich zeichnet, und seinem Bruder Philipp, der im Vertrieb tätig ist. Für Moritz Baumgart kam der Eintritt anders als beim Vater nicht von jetzt auf gleich; Fotos zeigen ihn bereits als kleinen Jungen an der Werkbank.

Made in Germany ohne Kompromisse

Heute hat die gesamte Gruppe knapp 100 Mitarbeiter, davon etwa 50 am Standort Eitorf. Gefertigt werden klassische Schlüsselschalter – das Anfangs- und Kernprodukt –, aber auch Drucktaster, Jalousieschalter, Kapazitivtaster, Funksysteme, Fingerscanner, Lichtschranken, Signallampen und vieles mehr.

„Einfach ausgedrückt produzieren wir die Komponenten, mit denen man Tür und Tor öffnen und schließen kann“, resümiert Annika Baumgart. Standardprodukte und eigene Produkttypen, die für namhafte Kunden, also Tür- und Torhersteller, produziert werden. „Wir haben eine sehr hohe Fertigungstiefe, sodass wir wirklich die unterschiedlichsten Kundenwünsche umsetzen können, vorausgesetzt, es rechnet sich am Ende“, betont Moritz Baumgart. „Diese Sonderbauten setzen uns letztlich vom Markt ab.“

45% der Produkte werden heute im Ausland vertrieben – über eigene Niederlassungen und Vertragshändler in ganz Europa. „Wir sind einer der stärksten Zulieferer der Tür- und Torindustrie im europäischen Markt“, sagt Annika Baumgart.

„Die Tatsache, dass wir viele langfristige Geschäftsbeziehungen zu Kunden haben, bestärkt uns in unserer Philosophie, der Qualität immer oberste Priorität einzuräumen.“

Zum größten Kunden hat geba seit 1968 Geschäftsbeziehungen. Ein verlässlicher Partner zu sein, der Qualitätsprodukte liefert, ist seit jeher erklärtes Ziel. „Wir sind ein Familienunternehmen“, so Annika Baumgart. „Erfahrungen werden durch vorhergehende Generationen weitergegeben. Wir sind mit der Firma groß geworden und profitieren von diesen Erfahrungen. Auf der anderen Seite bringen wir als dritte Generation kreative Innovationen in das Unternehmen ein.“

Herausforderung Corona

Kreativität und Innovationsgeist haben geba auch in Zeiten von Corona geholfen. Entwickelt wurde in dieser Zeit zum Beispiel die Corona-Ampel für die Gastronomie. Probleme hatte das Unternehmen, wie viele andere, in der Beschaffung von elektronischen Bauteilen und Material aus der Sekundärindustrie wie Aluminiumblechen. „Wir setzen seit jeher auf eine große Lagerhaltung, auch wenn wir damit oft auf Unverständnis gestoßen sind“, so Moritz Baumgart. „In der Pandemie hat sich das ebenso bewährt wie weitreichende Rahmenverträge.“

Von Vorteil war auch, dass geba seit Langem verstärkt auf Quality made in Germany setzt. „Wir haben genauso wie andere viel in Fernost produziert“, sagt Moritz Baumgart. „Aber wir haben nicht erst seit Corona, sondern schon vor zehn Jahren umgedacht und die Produktion nach Europa zurückverlagert. Heute können wir durch unseren hochmodernen Maschinenpark durchaus günstigere Preise als die Asiaten anbieten.“ Ein weiterer durch Corona verstärkter Trend ist die Digitalisierung. Smart Home und Smart Industry, also Codetastaturen, Bedienung per App sind für geba keine Zukunftsmusik.

„Man muss breit aufgestellt sein und sich der Realität stellen“, betont Moritz Baumgart. „Wir haben uns früh mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt und den Schritt zur Vernetzung einzelner Komponenten gemacht. Die Pandemie hat uns klar vor Augen geführt, wie wichtig Innovationen sind. Für uns ist deshalb zentrales Ziel, unsere deutschen und europäischen Fertigungsstätten auszubauen. Dank moderner Maschinenparks sind wir in der Lage, Topqualität made in Germany zu chinesischen Preisen zu bieten.“

„Corona wird bleiben“, ergänzt Annika Baumgart. „Deshalb haben wir zum Beispiel Tablets für unsere Mitarbeiter angeschafft. Für uns ist es entscheidend, dass die Produktion und Elektronik weiter reibungslos verlaufen. Auf den Tablets wird gezeigt, wie Produkte zusammengebaut werden; das ist zum Beispiel für neue Mitarbeiter sehr wichtig. Wir verbinden damit reale und digitale Welt und vereinfachen Fertigungsprozesse.“ Resultate dieser zukunftsorientierten Unternehmensstrategie sind innovative Produkte wie die Corona-Ampel oder die kurz vor der Serienproduktion stehende Gesten-Steuerung; ein Gerät, das Hand und Bewegung erkennt.

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