Präzision auf jedem Zentimeter

Interview mit Philipp Bauer, Geschäftsführer der Franz Josef Bauer GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Bauer, was sind heute, neben Zollstöcken, wichtige Produkte in Ihrem Portfolio?

Philipp Bauer: Nach wie vor ist der Zollstock eines unserer Flaggschiffe. Darüber hinaus gehören Cuttermesser, Rollbandmaße, Wasserwaagen und Zimmermanns-Bleistifte zum Programm. Grundsätzlich bieten wir alles, was das Handwerk zum Messen, Schneiden und Zeichnen benötigt. Dabei sind die nationalen und regionalen Vorlieben ganz unterschiedlich. In Deutschland zum Beispiel ist der Zollstock nach wie vor sehr beliebt. In Österreich geht es um Zollstöcke und Rollbandmaße, in Spanien favorisiert man fast ausschließlich Rollbandmaße.

Wirtschaftsforum: Das heißt, Ihre Kunden sind Handwerksunternehmen?

Philipp Bauer: Ursprünglich haben wir uns auf den Merchandising-Bereich konzentriert. Zu unseren Kunden zählen deshalb zwar Unternehmen, die am Bau tätig sind, aber genauso auch Anwaltskanzleien, Accessoire-Geschäfte oder Fußballvereine. Wir sind sogar in der ersten Bundesliga vertreten.

Wirtschaftsforum: Welche Länder bedienen Sie?

Philipp Bauer: Deutschland ist ein Kernmarkt. Wir sind stark in den deutschsprachigen Ländern von Europa aufgestellt, aber auch in Dänemark, Frankreich oder Belgien. Auch in Spanien, Italien und Griechenland haben wir feste Kunden. Außerhalb von Europa haben wir eine Niederlassung in Südamerika, in Brasilien. Von dort betreuen wir den gesamten südamerikanischen Raum. In den USA sind wir über Partner vertreten. Grundsätzlich möchten wir uns in Zukunft international breiter aufstellen, um noch unabhängiger von nationalen oder regionalen Krisen zu werden. Wir möchten unsere Aktivitäten in Südamerika forcieren und in den USA Fuß fassen. Auch den Mittleren Osten haben wir auf der Agenda.

Wirtschaftsforum: Zollstöcke sind aus Holz. Wie wichtig ist Ihnen das Thema Nachhaltigkeit?

Philipp Bauer: Das gesamte Holz unserer Produkte ist FSC-zertifiziert und stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Unsere Farben sind wasserbasiert und auch geruchsfrei. Das ist wichtig für die Gesundheit unserer Mitarbeiter, die diese verarbeiten. Zudem betreiben wir in Bayern und Baden-Württemberg, wo wir den Großteil unseres Holzes sourcen, Aufforstungsprojekte.

Wirtschaftsforum: Wird es den klassischen Zollstock auch in einigen Jahren noch geben oder wird er durch digitale Produkte ersetzt?

Philipp Bauer: Unsere Produkte werden zu einem großen Teil für werbliche Zwecke eingesetzt. Das heißt, man muss große Stückzahlen produzieren können und preislich im Rahmen bleiben. Aktuell stellen wir am Markt noch keine verstärkte Nachfrage nach digitalen Produkten fest und ich sehe nicht, dass der Laser in absehbarer Zeit den Zollstock ersetzt.

Wirtschaftsforum: Es gibt weltweit nur noch sechs Hersteller von Zollstöcken. Franz Josef Bauer ist immer noch erfolgreich am Markt. Worauf gründet dieser langfristige Erfolg des Unternehmens?

Philipp Bauer: Unsere Familie hat Unternehmerblut. Wir bleiben immer am Ball, übernehmen uns aber nie. Wir führen unsere Geschäfte sauber und leisten uns nur das, was wir uns auch wirklich leisten können. Wir haben immer viel in Maschinen modernisiert, um auf dem neuesten Stand zu sein, uns aber nie verschuldet.

Wirtschaftsforum: Was erwarten Sie vom Markt für die kommenden Monate?

Philipp Bauer: Für den Rest des Jahres 2023 sind wir gut gebucht. Unsere Auftragsbücher sind randvoll, einschließlich bis ins erste Quartal des Jahres 2024. Das heißt, unsere Herausforderung ist es, alle Aufträge termingerecht zu erfüllen. Ein großes Thema bei uns ist die Modernisierung unserer Maschinen, um noch effizienter und flexibler arbeiten zu können.

Wirtschaftsforum: Wo möchten Sie Ihr Familienunternehmen in der Zukunft am Markt sehen?

Philipp Bauer: Wir streben Wachstum an. Tatsächlich gibt es eine 4. Familiengeneration. Diese ist allerdings noch sehr jung. Es bleibt abzuwarten, wie sie sich einmal entscheiden wird.

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