Problemlöser und Formgeber

Interview mit Thomas Schumacher und Thomas Simon, Geschäftsführer der Berthold Kunrath Gruppe

Wirtschaftsforum: Herr Simon und Herr Schumacher, Sie teilen sich die Geschäftsführung der 90 Mitarbeiter starken Berthold Kunrath-Gruppe mit Frau Christel Kunrath-Schumacher, die ebenfalls Geschäftsführerin der Berthold Kunrath GmbH ist. Wo liegen die Wurzeln dieser Gruppenstruktur? 

Thomas Simon: Berthold Kunrath gründete das Unternehmen Anfang der 1970er-Jahre im Keller seines Einfamilienhauses, wo er auf einer Drehbank erste Arbeiten übernahm. Weil die Nachfrage sehr schnell stieg, investierte er 1982 in ein neues Produktions- und Verwaltungsgebäude, wo seitdem Transfer-, Verbund- und Handeinlegewerkzeuge mit einer maximalen Gesamtlänge von vier m gefertigt werden. 2001 fiel die Entscheidung, mit der BK Stanz- und Umformtechnik ein zweites Standbein zu errichten. Seitdem ist es möglich, die hergestellten Werkzeuge auch auf mechanischen und hydraulischen Pressen zu fertigen und auszutesten.

Die Idee war immer, Werkzeuge nicht nur zu bauen, sondern mit ihnen auch Teile zu fertigen. Die meisten Werkzeugbauer konzen-trieren sich auf die Herstellung der Werkzeuge, können diese im Gegensatz zu uns aber nicht einfahren. Unsere Werkzeuge sind bei Auslieferung produktionsbereit; ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Das heißt, zum Teil gehen die Werkzeuge nicht auf direktem Weg zu den Kunden, sondern werden in die ganze Welt verschickt. 

Wirtschaftsforum: Wer gehört zu den Abnehmern der Werkzeuge? 

Thomas Schumacher: Wir konzentrieren uns auf Kunden in Deutschland, die sich vor allem aus der Automobilbranche und ihren Zulieferer rekrutieren; mit 77% macht sie den Löwenanteil aus. Die verbleibenden 23% entfallen auf verschiedene Märkte, darunter die E-Mobilität, die Motorradindustrie sowie die Interior-Branche für den Fahrzeugbau. Ein typisches Produkt ist ein Entgasungsrohr für E-Fahrzeuge. 

Wirtschaftsforum: Wir befinden uns inmitten einer Wirtschaftskrise. Auf welche Stärken besinnt sich das Unternehmen in dieser Phase?

Thomas Simon: Wir haben uns bei unseren Kunden den Ruf des Problemlösers erarbeitet. Das heißt, wir sind nicht für einfache Werkzeugkonzepte gefragt, sondern immer dann, wenn es um hochkomplexe Werkzeuge geht. 

Das dafür notwendige Know-how und die Erfahrung setzen uns vom Wettbewerb ab. Dennoch spüren auch wir die Wirtschaftskrise. Als Mittelständler haben wir in den vergangenen Jahren sehr stark auf die Abgasanlagenbranche gesetzt; das heißt, wir müssen die Transformation zu neuen Geschäfts- und Produktfeldern schaffen. Voraussetzung dafür ist zum Beispiel eine neue Vertriebsstrategie. Unsere Teams in Entwicklung und Konstruktion müssen sich schnell auf neue Anforderungen einstellen und sich spezielles Know-how aneignen.

Wir konnten inzwischen einige Transformationsprodukte realisieren; zwar mussten wir dafür viel Lehrgeld zahlen, aber dieser Weg war alternativlos. Wir mussten uns neu erfinden und haben dafür unter anderem in neue Simulationssoftware für Springback-Anwendungen investiert, in digitale Messtechnik, Lasertechnik und hochmoderne CNC-Fräsmaschinen. Gleichzeitig planen wir, mit der Rüstungsindustrie und der E-Mobilität neue Geschäftsfelder zu erschließen. Im Bereich E-Mobilität haben wir bereits erste Werkzeuge gebaut und werden in diesem Jahr erste Teile ausliefern. 

Wirtschaftsforum: Damit scheint die Digitalisierung eine große Rolle im Unternehmen zu spielen? 

Thomas Simon: Ja. Wir arbeiten mit verschiedenen digitalen Tools wie einem digitalen Messarm für 3D-Vermessungen, haben eine vollautomatische Kameraüberwachung zur Erkennung fehlerhafter Prägeschriften implementiert, die gesamte Konstruktionsabteilung arbeitet digital, in der Logistik sind wir über EDI an unsere Kunden angebunden.

Wirtschaftsforum: Für welche Werte steht Berthold Kunrath und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Thomas Schumacher: Wir möchten zufriedene Kunden, mit denen wir langfristig auf einer vertrauensvollen Basis zusammenarbeiten. Genauso wichtig ist uns ein respektvoller, wertschätzender Umgang mit unseren Mitarbeitern. Sie sind durch ein Bonussystem am Erfolg beteiligt, haben die Möglichkeit, sich gezielt weiterzubilden und ihre Ideen einzubringen, sodass sie und das Unternehmen sich weiterentwickeln können. Was die Zukunft betrifft, hoffen wir als Mittelständler auf wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen. Dazu zählen wettbewerbsfähige Energiekosten und Unternehmenssteuern, die auf europäischem Durchschnittsniveau liegen. Wünschenswert wären zudem keine staatlichen Eingriffe in die Tarifautonomie sowie eine Technologieoffenheit der Politik. 

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