„Wer heute nicht automatisiert, hat schon verloren“

Interview mit Thomas Pomp, Geschäftsführer der FAMAG-Werkzeugfabrik GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Pomp, im Jahr 1990 sind Sie in die FAMAG-Werkzeugfabrik GmbH & Co. KG eingetreten – und haben schon kurz danach wichtige Innovationen angestoßen!

Thomas Pomp: Ich kam frisch nach meiner Ausbildung zum CNC-Programmierer in das Unternehmen, zu einem Zeitpunkt, als dort eigentlich keinerlei Innovationen mehr umgesetzt wurden: Der Maschinenpark war veraltet, das Personal durchweg kurz vor der Verrentung. Dank meiner CNC-Kenntnisse habe ich jedoch direkt erkannt, wie man diese neuen Techniken zielführend einsetzen konnte, um die Kernkompetenzen von FAMAG nachhaltig zu schärfen und einen echten Mehrwert im Markt zu schaffen. Schon wenig später konnten wir die ersten Patente auf den Weg bringen und für FAMAG fing wieder ein Licht an zu leuchten.

Wirtschaftsforum: Bereits 1991 schlug die Geburtsstunde des Bormax – bis heute eines der beliebtesten Produkte im Portfolio von FAMAG.

Thomas Pomp: Ich hatte damals die Idee, den klassischen Forstnerbohrer nachhaltig zu verbessern. Unser Ziel war es, an unserem Standort den besten Bohrer herzustellen, den man auf dem Markt bekommen kann – daran haben wir lange geforscht und getestet. Schließlich ist es uns gelungen, mit dem Bormax weltweit Maßstäbe zu setzen – er hat viel längere Standzeiten, arbeitet präziser und kann wesentlich leichter eingesetzt werden. Zudem ist er ein Produkt fürs Auge: Man erkennt auf den ersten Blick, dass er nicht auf die einfache Art hergestellt wurde. Unsere Erfahrung zeigt: Wer einmal mit dem Bormax ein Loch gebohrt hat, will dafür kein anderes Werkzeug mehr in die Hand nehmen. Das bestätigen uns auch regelmäßig Handwerker auf der Walz, die unseren Betrieb besuchen.

Wirtschaftsforum: Liegt darin auch ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal angesichts des Wettbewerbs aus Fernost, wo mit ganz anderen Kostenstrukturen gefertigt werden kann?

Thomas Pomp: In China gibt es eine ganze Stadt, in der einzig und allein Bohrer hergestellt werden. Die Mengen, die auf den Weltmarkt fließen, sind also in der Tat enorm. Noch dazu kosten die dort vielfach eingesetzten Maschinen und Anlagen bisweilen nur ein Fünftel der hiesigen Preise. Trotzdem können sich viele ostasiatische Erzeugnisse mittlerweile auch in qualitativer Hinsicht sehen lassen. Das, was diese Länder technologisch zu leisten imstande sind, verdient ohne Frage unsere Anerkennung. Trotzdem wird unser unumwundenes Qualitätsversprechen auch perspektivisch unser wichtigstes Alleinstellungsmerkmal im Markt bleiben – denn dadurch konnten wir uns überhaupt erst durchsetzen. Die Qualität, die wir herstellen, kann man weder mit Handarbeit noch mit billigeren Anlagen erreichen. Mit unseren modernsten 5-Achs-Fräs- und Schleifmaschinen sowie unserem hohen Automatisierungsgrad setzen wir konsequent auf die besten technischen Lösungen, die im Markt zur Herstellung unserer Werkzeuge zur Verfügung stehen.

 

Wirtschaftsforum: Mittlerweile bietet FAMAG seine Kompetenz als Automatisierungsexperte auch anderen Unternehmen an – wie kam es zu dieser Entwicklung?

Thomas Pomp: Unser umfassender Einsatz von Robotern, durch die etwa eine unserer Schichten komplett mannlos besetzt werden kann, ist ein entscheidender Grund dafür, dass wir dem Wettbewerb aus dem Ausland nachhaltig standhalten können. Man kann noch so tolle Werkzeuge erfinden – wenn man sie nicht wirtschaftlich profitabel herstellen kann, wird man nicht erfolgreich sein. Uns ist klar, dass auch viele andere fertigungsintensive Unternehmen in Deutschland vor ähnlichen Herausforderungen stehen – und wir sind überzeugt, dass wir sie dank unserer langjährigen Erfahrung auf ihrem Weg wirkmächtig unterstützen können. Deshalb bauen wir seit einigen Jahren auch robotergestützte automatisierte Maschinen, die mehrere Arbeitsgänge miteinander verbinden und so nachhaltig zur Optimierung der jeweiligen Fertigungsumgebung beitragen.

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie perspektivisch auf den Fertigungsstandort Deutschland?

Thomas Pomp: Als ich 1990 zu FAMAG kam, sagte man mir, ich müsse verrückt sein, in diese Werkzeugproduktion in Deutschland zu investieren, das mache man doch heute alles in China. Entgegen diesem Trend habe ich in Deutschland eine hochmoderne Produktion aufgebaut. Diese Bohrer in einer Spitzenqualität herzustellen, war und ist nicht preiswert – aber die Rechnung ging voll auf. Sicherlich sind die hohen Energiepreise in Deutschland heute ein großes Problem – für viele unserer Lieferanten und befreundeten Unternehmen noch weit mehr als für uns. Das müssen wir sachorientiert und gesamtwirtschaftlich lösen. Denn klar ist: Wir sind nicht mehr auf einer einsamen Insel, sondern Teil eines globalen Wettbewerbs!

Mehr zum Thema Kunststoff, Metall, Holz & Co.

Die Stärke der Nische

Interview mit Christoph Dorscheid, Geschäftsführer der cds Polymere GmbH & Co. KG

Die Stärke der Nische

Wer auf einem Flughafen landet, denkt nicht an Kunstharz. Wer eine Tiefgarage betritt, denkt nicht an Reaktionsharzmörtel. Und wer einen frisch beschichteten Industrieboden betritt, fragt selten, wer das Material geliefert…

Ideen begreifbar machen

Interview mit Sebastian Jung, Geschäftsführer der Schröter Modell- und Formenbau GmbH

Ideen begreifbar machen

Ob Design, Ergonomie oder Funktion: Bevor ein Produkt in Serie geht, muss sich zeigen, ob eine Idee in der Realität funktioniert. Genau hier setzt die Schröter Modell- und Formenbau GmbH…

Kunststofftechnik als Spezialdisziplin

Interview mit Nils Krüger, Geschäftsführer der Arthur Krüger GmbH

Kunststofftechnik als Spezialdisziplin

Kunststoffe sind aus modernen Industrieprozessen nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an individuelle Lösungen, Materialkompetenz und Verarbeitung. Die Arthur Krüger GmbH hat sich deshalb vom klassischen Halbzeughändler zum Spezialisten…

Spannendes aus der Region Remscheid

„Wir denken mit und liefern Lösungen“

Interview mit Christian Hofmann, Vertriebsleiter der Alfred Kron GmbH

„Wir denken mit und liefern Lösungen“

Die Metallverarbeitungsbranche steht unter Druck: Digitalisierung, Fachkräftemangel und globale Lieferketten stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Wer heute erfolgreich sein will, muss flexibel agieren und Prozesse durchdenken. Ein Beispiel für diese…

Mit Flexibilität durch den Wandel

Interview mit Dario Peran, geschäftsführender Gesellschafter der Brämig & Stehling GmbH

Mit Flexibilität durch den Wandel

Automatisierung gilt als einer der Schlüssel, um industrielle Produktion in Deutschland wettbewerbsfähig zu halten. Doch ausgerechnet in einer Phase, in der Investitionen dringend nötig wären, agieren viele Unternehmen zurückhaltend. Für…

Metallveredlung mit Tempo

Interview mit Devin Linnek, Mitglied der Geschäftsleitung der Peter Linnek GmbH Metallveredlung

Metallveredlung mit Tempo

Korrosionsschutz entscheidet über Lebensdauer und Zuverlässigkeit metallischer Bauteile. Die Peter Linnek GmbH Metallveredlung aus Velbert beschichtet Komponenten für Maschinenbau, Beschlagindustrie, Nutzfahrzeuge und weitere Industriebereiche. Hohe Kapazitäten, flexible Anlagen und kurze…

Das könnte Sie auch interessieren

Die digitale Werkbank der Industrie

Interview mit Simon Knoche, Vertriebsleiter DACH der 247TailorSteel Deutschland GmbH

Die digitale Werkbank der Industrie

Die metallverarbeitende Industrie steht unter hohem Veränderungsdruck. Schwankende Materialpreise, kürzere Lieferfristen und steigende Anforderungen an Flexibilität und Nachhaltigkeit prägen den Markt. Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung neue Möglichkeiten, Beschaffungs- und Produktionsprozesse…

„Unser Anspruch war schon immer Qualität“

Interview mit Alex Schrut und Werner Klier, Geschäftsführer der Hofmann Haustechnik GmbH

„Unser Anspruch war schon immer Qualität“

Die Energiewende bleibt ein Thema, das viele Hausbesitzer verunsichert. Politische Kurswechsel, neue Förderprogramme und steigende Kosten machen Investitionsentscheidungen nicht einfacher. Gerade deshalb sind Unternehmen gefragt, die Orientierung geben und langfristig…

Allgäuer Elektrohaus: Tradition, Innovation und starke Partnerschaften

Interview mit Markus Ferenz, Geschäftsführer der Allgäuer Elektrohaus GmbH

Allgäuer Elektrohaus: Tradition, Innovation und starke Partnerschaften

Seit 1949 hat sich das Allgäuer Elektrohaus einen starken Namen in seiner Region gemacht. Neben klassischen Elektroinstallationsarbeiten für Privat- und Gewerbekunden sind in den letzten Jahren vor allem die erneuerbaren…

TOP