Metall trifft Innovation: Neue Wege für die Industrie

Interview mit Christian Wiese, Geschäftsführer der Schuhl & Co. GmbH und André Wiegelmann, Geschäftsführer der Schuhl & Co. GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Wiese, Herr Wiegelmann, Sie haben die Schuhl & Co. GmbH Anfang dieses Jahres als neue Geschäftsführer übernommen. Können Sie uns einen Einblick in die Unternehmensgeschichte geben?

Christian Wiese: Die Wurzeln unseres Unternehmens reichen bis ins Jahr 1935 zurück. Damals wurde die Schuhl & Co. GmbH als Produktionsgesellschaft für die Muttergesellschaft NUTAP in Hagen gegründet, die auf die Herstellung von Gewindeschneidautomaten und Umformpressen spezialisiert war. Nach dem 2. Weltkrieg erfolgte 1953 der Umzug an den heutigen Standort in Winterberg-Niedersfeld. Seitdem haben wir uns als Spezialist für Kaltfließpressteile etabliert und kontinuierlich weiterentwickelt.

André Wiegelmann: Besonders hervorzuheben ist die Innovation der Kombimutter in den 1970er-Jahren, die den Montageprozess für unsere Kunden erheblich vereinfachte. Ein weiterer Meilenstein war die Erweiterung unserer Produktionskapazitäten im Jahr 2015, als wir erstmals auch auf andere Pressentechnologien setzten. Mit der Übernahme des Unternehmens durch uns beide am 1. Januar 2025 haben wir den nächsten großen Schritt gemacht, um das Unternehmen weiter in die Zukunft zu führen.

Wirtschaftsforum: Wie ist Schuhl & Co. heute strukturiert und welche Rolle spielen Ihre Mitarbeiter dabei?

Christian Wiese: Wir beschäftigen derzeit knapp 90 Mitarbeiter an unserem einzigen Standort in Winterberg-Niedersfeld. Besonders stolz sind wir auf unsere niedrige Fluktuation. Viele unserer Fachkräfte haben ihre Ausbildung bei uns absolviert und sind uns seit Jahrzehnten treu. Das Know-how und die Erfahrung unserer Mitarbeiter sind ein entscheidender Erfolgsfaktor.

André Wiegelmann: Unser jährlicher Umsatz liegt je nach wirtschaftlicher Lage bei etwa 11 Millionen EUR. Wir setzen auf eine starke Mitarbeiterbindung und eine nachhaltige Personalstrategie. Das bedeutet für uns, Nachwuchskräfte gezielt auszubilden und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen zu bieten.

Wirtschaftsforum: Die Automobilindustrie ist ein wesentlicher Bestandteil Ihres Geschäfts. Wie reagieren Sie auf aktuelle Herausforderungen?

Christian Wiese: Die Automobilbranche befindet sich in einem massiven Wandel, was natürlich auch Auswirkungen auf uns hat. Bereits 2015 haben wir erste Einschnitte durch die Dieselkrise gespürt. Hinzu kamen die Herausforderungen durch Corona, Lieferkettenprobleme und steigende Rohstoff- und Energiekosten.

André Wiegelmann: Es ist unser Ziel, neue Märkte zu erschließen. Neben der Automobilindustrie wollen wir verstärkt in die Luftfahrt, die Medizintechnik und den Maschinenbau vordringen. Unsere Technologie hat klare Vorteile: geringerer Materialverlust, kürzere Produktionszeiten und höhere Effizienz. Das eröffnet uns auch in neuen Branchen interessante Möglichkeiten.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen?

Christian Wiese: Digitalisierung ist für uns ein entscheidender Faktor, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir optimieren unsere Prozesse kontinuierlich und setzen verstärkt auf datengetriebene Produktionssteuerung. Allerdings bleibt der Faktor Mensch unerlässlich – insbesondere in unserem Fertigungsverfahren, das stark von Erfahrung und Fingerspitzengefühl abhängt.

André Wiegelmann: Nachhaltigkeit ist in der Metallverarbeitung ein großes Thema. 100% der bei uns anfallenden Metallreste werden recycelt. Zudem setzen wir auf energieeffiziente Produktionsprozesse und haben ein Energieaudit durchgeführt, um weitere Einsparpotenziale zu identifizieren. Momentan prüfen wir zudem, ob wir trotz schwieriger Standortbedingungen eine Photovoltaikanlage umsetzen können.

Wirtschaftsforum: Wie sieht es mit Ihren Aktivitäten auf internationalen Märkten aus?

Christian Wiese: Wir haben Kunden auf der ganzen Welt. Während wir in Deutschland stark aufgestellt sind, bauen wir unser Exportgeschäft weiter aus. Die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen zeigen, dass es wichtig ist, international breit aufgestellt zu sein.

André Wiegelmann: Ein zentraler Bestandteil unserer Wachstumsstrategie sind Messen. In diesem Jahr nehmen wir an der Fastener Fair in Stuttgart und der SchraubTec in Bochum teil. Zusätzlich überarbeiten wir unsere Vertriebsstrategie, um gezielt potenzielle Neukunden anzusprechen.

Wirtschaftsforum: Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit der Schuhl & Co. GmbH?

Christian Wiese: Unser Fokus liegt auf Innovation und Expansion. Wir möchten unsere Marktstellung in der Automobilindustrie festigen, aber gleichzeitig neue Branchen erschließen. Dabei setzen wir auf nachhaltige Technologien und höchste Qualität.

André Wiegelmann: Zudem wollen wir unsere Kundenbasis vergrößern und die Vorteile unserer Fertigungstechnologien noch besser kommunizieren. Das erfordert eine gezielte Marketingstrategie, die neben Messen auch verstärkt digitale Kanäle umfasst. Unsere Vision ist es, Schuhl & Co. als führenden Anbieter für komplexe Kaltfließpressteile in Europa zu etablieren und neue Maßstäbe in Qualität und Effizienz zu setzen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Gute Architektur braucht gemeinsame Verantwortung

Interview mit Prof. Ulf Hestermann, Gründungspartner, Architekt, & Stadtplaner BDA und Michael Rommel, Partner, Architekt & Bauingenieur BDA der hks | architekten GmbH

Gute Architektur braucht gemeinsame Verantwortung

Seit mehr als vier Jahrzehnten steht hks architekten für eine Architektur, die Verantwortung übernimmt – für Menschen, Ressourcen und Prozesse. Im Gespräch mit Wirtschaftsforum erläutern Prof. Ulf Hestermann und Michael…

„Ein Unternehmen zu führen ist etwas sehr Kreatives“

Interview mit Johann Hannl, Geschäftsführer der Hannl Metallbau GmbH

„Ein Unternehmen zu führen ist etwas sehr Kreatives“

Es sind oft keine lauten Erfolgsgeschichten, sondern die leisen, die bleiben. Unternehmen, die sich über Jahrzehnte entwickeln, weil jemand genau hinsieht, zuhört und Lösungen findet. Die Hannl Metallbau GmbH ist…

Strategie statt Chaos in der Kommunikation

Interview mit Björn Bröhl, Geschäftsführer der Scompler Technologies GmbH

Strategie statt Chaos in der Kommunikation

In Zeiten der digitalen Kommunikation produzieren Unternehmen mehr Content denn je – doch häufig fehlt die Strategie dahinter. Social Media-Posts werden ad hoc erstellt, Kampagnen ohne roten Faden gestartet. Die…

Spannendes aus der Region Hochsauerlandkreis

Spirituosen in 13. Generation

Interview mit Dipl.-Kfm. Dirk Hasenbein, Geschäftsführer der Schwarze und Schlichte GmbH & Co. KG

Spirituosen in 13. Generation

Dass sich mit der Schwarze und Schlichte GmbH & Co. KG aus dem westfälischen Oelde einer der ältesten Spirituosenhersteller Deutschlands bis heute erfolgreich am Markt behauptet, ist auch der Fähigkeit…

Transformation greift: Der neue Takt im Küchenmarkt

Interview mit Dr. Mehdi Al-Radhi, Geschäftsführer und Jochen Püls, Vertriebsleiter der Impuls Küchen GmbH

Transformation greift: Der neue Takt im Küchenmarkt

Als Spezialist für Küchenmöbel im Preiseinstieg verbindet die Impuls Küchen GmbH moderne Gestaltung mit industrieller Präzision und Preisbewusstsein mit Qualitätsanspruch. Was braucht es, um ein Traditionsunternehmen zum agilen Vorreiter im…

Nie wieder Schadsoftware – garantiert

Interview mit Torsten Valentin, Geschäftsführer der seculution GmbH

Nie wieder Schadsoftware – garantiert

In Zeiten, in denen Virenscanner regelmäßig versagen und Ransomware-Angriffe ganze Behörden lahmlegen, braucht es neue Denkweisen in der IT-Sicherheit. Die seculution GmbH aus Werl geht mit ihrem radikal anderen Ansatz…

Das könnte Sie auch interessieren

Jung, dynamisch, enthusiastisch

Interview mit Isabel Krail, Teamleiterin Nordic DE der Nordic BV

Jung, dynamisch, enthusiastisch

Viele Menschen suchen Urlaubserlebnisse, die im Einklang mit individuellen Erfahrungen und einem verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur stehen. Mit einem Angebot, das genau diesen Anspruch umsetzt, hat sich die belgische…

Zukunftsfähige Städte aus Konversionsflächen

Interview mit Davut Deletioglu, Geschäftsführer und Max Deletioglu, Verantwortlich für Betriebskonzepte und Nachhaltigkeitsstrategien der 3iPro GmbH

Zukunftsfähige Städte aus Konversionsflächen

Zwischen Konversion, Nachhaltigkeit und neuen Arbeitswelten entstehen in Mannheim Immobilienprojekte mit Vorbildcharakter. Wie die 3iPro GmbH ökologische Standards frühzeitig in die Planung integriert und welche Perspektiven sich daraus ergeben, erläutern…

TOP