Tradition trifft Innovation im Fahrzeugbau

Interview mit Robin Suer, COO der Suer Nutzfahrzeugtechnik GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Suer, Suer ist eines der führenden Familienunternehmen in Ihrer Branche. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Robin Suer: Unser Erfolg basiert auf einer Kombination aus Tradition und Innovation. Seit der Gründung 1892 haben wir uns von einem Kutschenzulieferer zu einem international anerkannten Spezialisten für Fahrzeugbauteile, Ladungssicherung und Leichtbau entwickelt. Wichtig ist, dass wir immer in unser Unternehmen investiert haben, sei es in neue Technologien oder in unsere Mitarbeitenden. Flache Hierarchien und schnelle Entscheidungswege ermöglichen es uns, flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich Ihr Produktportfolio entwickelt?

Robin Suer: Neben klassischen Bauteilen bieten wir heute eine breite Palette an Eigenentwicklungen. Ein Highlight ist unsere ‘Aluminiumschraubpritsche leicht’ (ASPL), ein innovativer Bausatz für Fahrzeuge bis 7,5 t. Sie ist extrem gewichtsreduziert, flexibel anpassbar und optimiert die Ladungssicherung erheblich. Außerdem sind wir in der Forschung zu alternativen Werkstoffen aktiv, um nachhaltige und kosteneffiziente Lösungen zu entwickeln.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen?

Robin Suer: Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema für uns. Bereits mein Großvater setzte in den 1950er-Jahren auf Aluminium anstelle von Holz. Heute führen wir diese Tradition fort, indem wir auf Materialien und Designs setzen, die Gewicht und damit den Energieverbrauch reduzieren. Beispielsweise entwickeln wir auch Leichtbaulösungen für Elektrolieferfahrzeuge und Cargobikes, um die Zukunft des innerstädtischen Transports aktiv mitzugestalten​.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihre Internationalisierungsstrategie aus?

Robin Suer: Rund 35% unseres Umsatzes generieren wir im Ausland. Neben starken Märkten wie Polen und Skandinavien haben wir unser Engagement in Frankreich und Spanien verstärkt. Besonders spannend sind für uns der australische und der neuseeländische Markt, wo wir mit innovativen Leichtbaulösungen punkten. Mit Tochterunternehmen wie Suer Polska und Suer Baltic decken wir regionale Anforderungen ab und bauen unser Netzwerk stetig aus​.

Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell in Ihrer Branche?

Robin Suer: Eine der größten Herausforderungen ist die zunehmende Bürokratie. Hinzu kommen steigende Anforderungen an Effizienz und Nachhaltigkeit. Gleichzeitig eröffnet dies Chancen: Wer innovativ bleibt, kann sich abheben. Mit unseren patentierten Produkten und einer hohen Reaktionsfähigkeit sehen wir uns gut aufgestellt.

Wirtschaftsforum: Ihr Unternehmen ist bekannt für seine Mitarbeiterorientierung. Was tun Sie in diesem Bereich?

Robin Suer: Unsere Mitarbeitenden sind unser wichtigstes Kapital. Wir fördern Eigenverantwortung und Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg. Zudem investieren wir in ihre psychische Gesundheit – beispielsweise durch Online-Workshops. Unser Ziel ist es, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der sich alle wohlfühlen und ihr Potenzial ausschöpfen können.​

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Suer in zehn Jahren?

Robin Suer: Unser Fokus liegt auf der Weiterentwicklung unserer Technologien und der Stärkung der Zusammenarbeit innerhalb unserer Unternehmensgruppe. Ich möchte, dass wir weiterhin Vorreiter bei nachhaltigen Lösungen sind und unsere Position auf internationalen Märkten ausbauen. Besonders im Bereich Elektromobilität und alternativer Materialien sehe ich großes Potenzial.

Wirtschaftsforum: Herr Suer, was bedeutet es für Sie, ein traditionsreiches Familienunternehmen zu leiten?

Robin Suer: Es ist eine Ehre und eine Verpflichtung. Ich möchte das Erbe meiner Familie bewahren und gleichzeitig moderne Impulse setzen. Unser Ziel ist es, weiterhin ein verlässlicher Partner für unsere Kunden und ein attraktiver Arbeitgeber zu sein – sowohl heute als auch für kommende Generationen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Industrielle Zulieferer

Reibungslos bei extremen Einsätzen – Schmierung mit Präzision

Interview mit Patrick Meyer, Geschäftsführer der Meyerlub s.r.l.

Reibungslos bei extremen Einsätzen – Schmierung mit Präzision

Während sich viele Branchen mit Digitalisierung, Automatisierung oder KI-Lösungen beschäftigen, bleibt eine technische Grundvoraussetzung für nahezu alle Prozesse unverändert: Maschinen brauchen Schmierung. Ohne sie steht alles still – ob in…

Mehr Komfort und Sicherheit in der Bahn

Interview mit Roberto Taccucci, Sales Director der TSL-ESCHA GmbH

Mehr Komfort und Sicherheit in der Bahn

Die TSL-ESCHA GmbH hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von Tastern, Warnmeldern und Signalleuchten in der Bahntechnik spezialisiert und kann als Teil des französischen MAFELEC TEAM inzwischen noch auf…

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Interview mit Viktoria Steiner, Geschäftsführerin der raro plastics GmbH

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Die raro plastics GmbH steht für Präzision, Flexibilität und gewachsene Kompetenz in der Kunststoffverarbeitung. Geschäftsführerin Viktoria Steiner führt das Unternehmen mit hohem technischem Verständnis und klarem Blick für Kundenbedürfnisse. Im…

Spannendes aus der Region Rheinisch-Bergischer Kreis

„Camping muss komfortabel sein!“

Interview mit Michael Krämer, Geschäftsführer der CAMPWERK GmbH

„Camping muss komfortabel sein!“

Camping war schon immer eine große Leidenschaft von Michael Krämer, aber die Produkte, die es auf dem Markt gab, haben ihm nie gefallen. Das wollte der ausgebildete Informatiker mit seinem…

Frisch gezapft: Die Zukunft der Getränketechnologie auf Abruf

Interview mit Torsten Selbach, Geschäftsführer und Hannes Wanner, Leiter Vertrieb und Marketing der Friedhelm Selbach GmbH

Frisch gezapft: Die Zukunft der Getränketechnologie auf Abruf

Wenn es in Deutschland so etwas wie ein Nationalgericht gibt, dann könnte man dafür die Currywurst ins Feld führen, wobei sich die Gemüter darüber streiten, ob sie in Berlin oder…

Mit Leichtigkeit in die Zukunft

Interview mit Hinrich Hampe, Head of Governmental Affairs der Teijin Carbon Europe GmbH

Mit Leichtigkeit in die Zukunft

Carbonfasern haben viele Vorteile. Einer ist ihr geringes Gewicht. In der Entwicklung dieses Hightechmaterials steckt viel Know-how. Dieses ist in Deutschland nur bei der Teijin Carbon Europe GmbH mit Sitz…

Das könnte Sie auch interessieren

Dynamisch im Markt, stabil im Fundament

Interview mit Luca Niero, Sales SOP/Export Sulphuric Acid SOP der Marchi Industriale S.p.A.

Dynamisch im Markt, stabil im Fundament

Die Chemieindustrie steht unter permanentem Kosten- und Innovationsdruck. Rohstoffmärkte sind global vernetzt, Lieferketten sensibel, Energieeffizienz ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Die Marchi Industriale S.p.A. mit Sitz in Marano Veneziano, Italien, begegnet diesem…

„Unsere Stärke ist die Vielfalt“

Interview mit Alessio Nicoletti, Geschäftsführer der Torneria Nicoletti S.r.l. und Luigi Nicoletti, CEO und Sales Manager der Torneria Nicoletti S.r.l.

„Unsere Stärke ist die Vielfalt“

Seit Jahrzehnten ist die metallverarbeitende Industrie im Wandel – technologische Fortschritte, neue Anforderungen in puncto Nachhaltigkeit und ein sich ständig veränderndes geopolitisches Umfeld fordern Unternehmen heraus. Doch es gibt Familienbetriebe,…

Materialien, die moderne ­Industrie möglich machen

Interview mit Dr. Sven Vogt, Geschäftsführer und Maximilian Steffien, Werksleiter Norsystec, Tochtergesellschaft der KKT Holding GmbH

Materialien, die moderne ­Industrie möglich machen

Die KKT Holding GmbH hat sich von zwei deutschen Standorten zu einer international aufgestellten Industriegruppe entwickelt. Mit hoher eigener Wertschöpfung, technologischer Kompetenz in der Verarbeitung von Gummi-, Kautschuk- und Kunststoffkomponenten…

TOP