Vom digitalen Zwilling zum Produkt im Schaltschrank- und Sondermaschinenbau/Robotik

Interview mit Jürgen Bläsi, Geschäftsführer der ETU GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Bläsi, in einem Unternehmen müssen alle Komponenten perfekt aufeinander abgestimmt sein, damit alles reibungslos funktioniert, genau wie in der Automatisierung: so zumindest das Credo der ETU GmbH. Wie können Sie diesem Anspruch im Alltag gerecht werden?

Jürgen Bläsi: Vor allem durch unsere gewachsene Expertise. Mein Vater hat die ETU GmbH im Jahre 1989 gegründet; damals lag der Tätigkeitsschwerpunkt noch klar auf der industriellen Elektrotechnik sowie der SPS-Automation mit allen daran beteiligten Gewerken: der Planung und Fertigung von Schaltschränken, der Anlagen- und Maschinenmontage sowie der letztendlichen Implementierung der eigentlichen Automatisierungslösung bei unseren Kunden. In diesem klassischen Dienstleistungsbereich sind wir im Laufe der Jahre immer weitergewachsen und haben in der Vielzahl der von uns betreuten Branchen zunehmend ein Renommee als kompetenter Spezialist für diese Lösungen erworben. Vor etwa zehn Jahren erhielten wir dann die Anfrage von einem Automobilzulieferer, ob wir auch Komplettlösungen im Sondermaschinenbau sowie in der Robotik anbieten könnten. 2014 haben wir dann unseren ersten Motorenprüfstand für die E-Mobilität ausgeliefert und uns seitdem in zahlreichen weiteren elektromechanischen Komplettlösungen engagiert, mit denen wir mittlerweile auch in vielen weiteren Branchen, unter anderem der besonders anspruchsvollen Elektronikindustrie, tätig sind.

Wirtschaftsforum: Wie umfangreich ist dabei die Planungs- und Fertigungstiefe der ETU GmbH ausgelegt?

Jürgen Bläsi: Wir verstehen uns nach wie vor als klassisches Ingenieurbüro, das zu sämtlichen Planungs- und Programmierungsarbeiten in der Lage ist und zudem entsprechende Schaltschränke, Sondermaschinen und Roboterzellen im eigenen Haus fertigen kann. Seit einigen Jahren verfügen wir über eine eigene mechanische Konstruktions- und Montageabteilung, auch wenn wir zahlreiche einfachere mechanische Fertigungsarbeiten weiterhin bevorzugt an externe Partner vergeben, um uns weiterhin voll und ganz auf unsere eigentlichen Kernkompetenzen zu konzentrieren. Prinzipiell können wir jedoch die gesamte Wertschöpfungskette von der Idee zu einer Maschine oder Automatisierungslösung samt Machbarkeitsstudien und Rapid Prototyping bis hin zur Inbetriebnahme beim Anwender in unserem Unternehmen abbilden – entweder in Form einer Komplettlösung aus einer Hand oder im Rahmen einer modularen Unterstützung, ganz wie es unser jeweiliger Partner wünscht.

Wirtschaftsforum: Spiegelt sich in der Geschichte der ETU GmbH – von den Anfängen als klassischer Dienstleister hin zum Experten für E-Mobility-Prüfstände – auch die Stärke der mittelständischen Unternehmenskultur wider?

Jürgen Bläsi: Davon bin ich überzeugt – besonders auch im Hinblick darauf, dass wir unseren Anfängen immer treu geblieben sind und weiterhin unser vollständiges Leistungsspektrum anbieten. Wir sehen uns als kleines und schlankes Unternehmen, das sehr flexibel auf Marktveränderungen reagieren und dabei stets auf seine gewachsene Resilienz vertrauen kann. Dazu gehört auch, dass man sich der eigenen Kernkompetenzen bewusst bleibt und nicht Wachstum um jeden Preis anstrebt, sondern auf eine gesunde Weiterentwicklung entlang der eigenen Expertise setzt. Ich glaube zudem, dass wir es als Gesellschaft wieder schaffen müssen, die vielfältigen Leistungsträger aus den kleinen und mittleren Unternehmen auch so zu unterstützen, wie es für den Standort Deutschland erforderlich ist. Denn wenn die Konzerne sich nicht auf die Ressourcen verlassen könnten, die der Mittelstand ihnen konsequent bietet, sähe es in unserer Volkswirtschaft bald sehr düster aus.

Wirtschaftsforum: In welche Richtung wird sich die ETU GmbH in den nächsten Jahren entwickeln?

Jürgen Bläsi: Wir werden unsere ursprünglichen Geschäftsfelder sicherlich nicht aus dem Fokus verlieren – damit sind wir groß geworden, und dank konsequenter Innovationen können wir diese Leistungen auch weiterhin sehr effizient anbieten. Durch unsere dreidimensionale Planung in enger Verzahnung mit unserer internen Produktionsabteilung ist uns auch heute noch eine sehr wirtschaftliche Serienfertigung in Deutschland möglich. Mittlerweile befinden wir uns auf dem Weg zur digitalen Schaltschrankfabrik. Das Sahnehäubchen auf unserem Tätigkeitsfeld bildet dabei der Sondermaschinenbau mit sehr speziellen Roboterlösungen – diesen Bereich wollen wir noch verstärken und dort weiterhin auf High-End-Lösungen setzen. Letztendlich macht uns gerade diese Vielfalt auch für hoch kompetente Arbeitskräfte interessant, die bei der ETU GmbH ihre Kompetenzen als Spezialisten voll ausleben können – gerade das Themenfeld Robotik ist für junge Auszubildende ja auch besonders spannend.

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

Maschinen für die richtige Würze

Interview mit Dipl.-Ing. Nils Albers, Inhaber und Geschäftsführer der Alfred Nolte GmbH

Maschinen für die richtige Würze

Erst das Rösten, Salzen und Würzen gibt Mandeln, Cashews, Erdnüssen oder Pistazien den richtigen Geschmack. Die Alfred Nolte GmbH aus Reinbek entwickelt und baut moderne Maschinen und Produktionslinien bis hin…

Präzise Dosierung ist entscheidend

Interview mit Nicolas Göhr, Junior Marketing und Sales der Alltech Dosieranlagen GmbH

Präzise Dosierung ist entscheidend

Bei der Reinigung und Aufbereitung von Brauchwasser werden oft Chemikalien mit unterschiedlichen Wirkungen eingesetzt. Eine präzise Dosierung ist dabei entscheidend. Die Alltech Dosieranlagen GmbH hat sich seit ihrer Gründung im…

Formvollendet

Interview mit Rainer Schenk, Geschäftsführer der FBR Facondrehteile GmbH

Formvollendet

Seit über 40 Jahren bringt die FBR Facondrehteile GmbH aus Kirchhaslach in Schwaben Metall in die richtige Form. Was bescheiden in einem Keller begann, ist heute ein international agierendes Unternehmen,…

Spannendes aus der Region Landkreis Lörrach

Seit 40 Jahren am Puls der Zeit

Interview mit Peter Trosien, CEO der Pyramid Computer GmbH

Seit 40 Jahren am Puls der Zeit

Ob als Snackstand im Park, als Infoterminal in der Innenstadt oder als digitales Service-Point-System auf Veranstaltungen – Outdoor-Kioske vereinen Funktionalität, Zugänglichkeit und moderne Technologie. An die Hardware der Terminals werden…

Mit leichtgewichtiger Motion-Control wieder auf Wachstumskurs

Interview mit Christian Mutter, Geschäftsführer der General Aerospace GmbH

Mit leichtgewichtiger Motion-Control wieder auf Wachstumskurs

Die gesamte Luftfahrtindustrie hatte schwer unter den Folgen der Coronazeit zu leiden. Doch nun geht es wieder bergauf und auch die General Aerospace GmbH spürt den Aufschwung deutlich. Das auf…

„Einkaufen muss wieder zu einem  Erlebnis  werden!“

Interview mit Werner Gazdek, Geschäftsführer der Möbel-Schau-Norsingen GmbH & Co, Möbelvertriebs-KG

„Einkaufen muss wieder zu einem Erlebnis werden!“

Sein Unternehmen für die nächsten 50 Jahre fit zu machen, hat sich Werner Gazdek, Geschäftsführer der Möbel-Schau-Norsingen GmbH & Co, Möbelvertriebs-KG zum Ziel gesetzt und weiß dabei ganz genau, wie…

Das könnte Sie auch interessieren

Zukunftsfähige Elektronik – mit Verantwortung gefertigt

Interview mit Emil Kurowski, Geschäftsführer der TOP. Thomas Preuhs GmbH

Zukunftsfähige Elektronik – mit Verantwortung gefertigt

Regionale Nähe, gelebte Nachhaltigkeit und technische Präzision – auf diesen drei Säulen hat sich die TOP. Thomas Preuhs GmbH in den vergangenen 30 Jahren vom kleinen Dienstleister zum flexiblen Full…

Energiewende als Motor

Interview mit Marco Geiler, Geschäftsführer und Rolf Anti, Geschäftsführer der J. Schneider Elektrotechnik GmbH

Energiewende als Motor

Transformatoren für Windkraftanlagen, Stromversorgungen für Rechenzentren, Service für Tunnelbohrmaschinen: J. Schneider Elektrotechnik ist überall dort aktiv, wo Präzision und Zuverlässigkeit zählen. Das Offenburger Unternehmen will bis 2030 auf 600 Mitarbeiter…

Wenn Nachhaltigkeit unter Strom steht

Interview mit Dr. Ludwig Dobmeier, Geschäftsführer der EDV- und Elektrotechnik Hardy Barth GmbH

Wenn Nachhaltigkeit unter Strom steht

Die Energiewende ist kein Zukunftsprojekt mehr – sie passiert jetzt. Die EDV- und Elektrotechnik Hardy Barth GmbH aus Birgland-Schwend steht seit 25 Jahren für technische Pionierarbeit in den Bereichen Photovoltaik,…

TOP