„Einkaufen muss wieder zu einem Erlebnis werden!“

Interview mit Werner Gazdek, Geschäftsführer der Möbel-Schau-Norsingen GmbH & Co, Möbelvertriebs-KG

Wirtschaftsforum: Herr Gazdek, die Möbel-Schau kann auf 50 Jahre Firmengeschichte zurückblicken. Erzählen Sie uns doch zu Beginn, welche wichtigen Meilensteine es darin gibt.

Werner Gazdek: Gern. Die Möbel-Schau wurde 1975 gegründet und begann als kleineres mittelständisches Unternehmen im Fachhandelssektor. In den letzten Jahrzehnten konnte die Möbel-Schau ein starkes Wachstum verzeichnen und besitzt heute zwei Standorte, an denen insgesamt 170 Mitarbeiter beschäftigt sind. Unseren Standort in Emmendingen haben wir zum Ende des Jahres 2024 geschlossen, denn wir wollen das Unternehmen komplett neu ausrichten und es für die nächsten 50 Jahre fit machen. 

Wirtschaftsforum: Wie möchten Sie das genau angehen und was sind dabei Ihre Ziele?

Werner Gazdek: Im Zentrum dieser Neuausrichtung wird eine umfassende Modernisierung stehen, und zwar in jeder Hinsicht: einerseits wird es dabei um technische Modernisierungen gehen, andererseits geht es uns darum, an den verbleibenden Standorten Norsingen und Offenburg ein komplett neues, modernes Umfeld zu schaffen. Die Ansprüche der Kunden haben sich in den letzten Jahren stark verändert, so wie sich ja auch die Mode ändert. Das ist auch in der Möbelbranche so und dem müssen und wollen wir Rechnung tragen, indem wir eine Umgebung schaffen, in der der Kunde sich wohlfühlt. Dazu gehört auch, dass wir die Onlinevermarktung stärker in den Blick nehmen werden und dort maßgeblich investieren werden.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie Ihr Leistungsspektrum und Ihr Produktportfolio beschreiben?

Werner Gazdek: Wir sind, wenn man so will, ein gewachsener Fachhandel. Wir bieten ein breites Sortiment an, das fast alle Warengruppen unseres Bereichs umfasst. Unsere Hauptwarengruppen sind vor allem die Möbel in den Bereichen Küche, Wohnen, Schlafen und Speisen. In diesen Bereichen haben wir ein sehr breites und tiefes Sortiment, weil unser Fokus auf Möbeln mit hohem Planungsanspruch liegt, aber wir bedienen auch Randsortimente wie Bettwäsche, Geschirr und Leuchten. Hier haben wir ein Angebot von tausenden Artikeln sofort verfügbar. Unser Schwerpunkt liegt aber in der Planung, wobei wir unseren Kunden das Gesamtpaket bieten. Wenn Sie zum Beispiel eine neue Küche brauchen, wird diese nach Ihren individuellen Vorstellungen und Gegebenheiten in Ihrem Zuhause zunächst geplant. Wenn sie nach einer etwa sechswöchigen Lieferzeit bei Ihnen ankommt, übernehmen wir für Sie auch die Montage und die Einstellung.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen für Ihr Unternehmen Themen wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz?

Werner Gazdek: Die künstliche Intelligenz bietet auch uns neue Möglichkeiten, die wir nach und nach ausloten werden. Vorrangig werden wir jetzt erst einmal unsere klassische Website modernisieren. Auch dort soll der Kunde sich wohlfühlen und wir wollen für ihn Möglichkeiten schaffen, sich mit Fragen direkt an uns zu wenden und sofort Antwort zu bekommen. Wir müssen auch online so weit sein, etwa über Teams oder Zoom, dass wir Kunden beraten können, ohne dass sie erst zu uns fahren müssen, wenn sie das nicht möchten. Das Aufmaß findet natürlich bei den Kunden vor Ort statt. Wichtig sind auch die sozialen Medien.

Wirtschaftsforum: Was, meinen Sie, wird für Ihr Unternehmen in Zukunft bedeutsam sein?

Werner Gazdek: Ein wichtiger Punkt ist sicher, dass wir Einkaufen wieder zu einem Erlebnis machen müssen. Ein Möbelgeschäft sollte also nicht nur Möbel anbieten, sondern eine Vielfalt verschiedener Warenbereiche. Das ist die grundsätzliche Herausforderung des stationären Handels. Bleiben wir mal beim Beispiel Küche: Wenn Sie sich eine Küche ansehen, ist es vielleicht spannend zu sehen, wie es sich in einer hochwertigen Küche mit guten Geräten kochen lässt. Also bei einer Live-Vorführung zuzuschauen, bei der man gleichzeitig gute Ideen und Rezepte für tolle Gerichte, die man vor Ort probieren kann, mit nach Hause nimmt. Es geht also um das Fühlen, Sehen und eventuell Schmecken vor Ort und darum, sich dabei wohlzufühlen. Das Ansehen, Ausprobieren und der Kauf werden durch die Integration von Randprodukten zu einem Erlebnis, das nachhallt. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass der Kunde seine Freizeit bei uns im Geschäft verbringt, also wertvolle Zeit, die er auf eine angenehme Art und Weise verbringen will. 

Wirtschaftsforum: Was ist Ihnen persönlich an Ihrem Beruf wichtig?

Werner Gazdek: Wenn die Mitarbeiter glücklich sind, sind es auch die Kunden. Tatsächlich denke ich, dass man das klassische Organigramm umstellen sollte: Der Geschäftsführer steht nicht oben, sondern an der Basis. Ganz oben steht der Kunde.

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