Verträge für den Klimaschutz

Interview mit Christoph Zeis, Geschäftsführer der Energiedienstleistungsgesellschaft Rheinhessen-Nahe mbH

Wirtschaftsforum: Herr Zeis, der Anspruch der EDG bei der Energieerzeugung und -versorgung ist die Verbindung von Ökologie und Ökonomie – also praktizierter Klimaschutz, ohne die finanziellen Gesichtspunkte aus den Augen zu verlieren. Bei der EDG funktioniert das über das Geschäftsmodell ‘Contracting’. Was genau bedeutet das?

Christoph Zeis: Contracting bedeutet, dass wir moderne Anlagen der effizienten und erneuerbaren Energieversorgung planen, finanzieren, bauen und betreiben. Dies geschieht unter Einsatz eigener Investitionsmittel außerhalb der öffentlichen Kassen, wobei die Refinanzierung langfristig durch eingesparte Energiekosten und Synergieeffekte erfolgt. Dies wird anhand von Verträgen (Contracts) geregelt, daher die Bezeichnung Contracting. Die EDG ist bezüglich ihres Gesellschaftszwecks vorrangig dem Klimaschutz verpflichtet und arbeitet nicht primär gewinnorientiert. Unternehmerisch planen wir unsere Anlagen stets so, dass sie auch unter ökologischen Gesichtspunkten die wirtschaftlichsten sind. Heute haben wir 300 Liegenschaften unter Vertrag, denen wir eine hocheffiziente Energieversorgung bieten. Seit dem Gründungsjahr 1998 sind neben dem Landkreis Mainz-Bingen inzwischen noch viele weitere Kommunen Gesellschafter der EDG geworden.

Wirtschaftsforum: Sie sind bei der EDG von Anfang an Geschäftsführer und waren maßgeblich daran beteiligt, das Contractingmodell zu etablieren. Sind Sie ein Überzeugungstäter?

Christoph Zeis: Ganz bestimmt! Klimaschutz war für mich schon vom Studium kommend immer ein zentrales Thema und ich war von Anfang an davon überzeugt, dass das Contractingmodell gerade für kommunale Gebäude wie Schulen, Verwaltungsgebäude, Schwimmbäder und Sporthallen sowie Kindergärten und Seniorenheime das zielführende ist, wenn Klimaschutzziele erfolgreich erreicht werden sollen. Es bedarf nämlich ganzheitlicher Lösungen statt Flickschusterei, denn alte Anlagen sind wartungsintensiv und verbrauchen viel Energie, die sich über die Installation etwa von Blockheizkraftwerken durch zusätzliche Stromerzeugung einfach einsparen ließe. Ich wollte den damals noch kameralen Wirtschaftskreislauf durchbrechen und so ist dann 1998 die EDG entstanden.

Wirtschaftsforum: Sie hatten damals Ihrem Landrat davon erzählt.

Christoph Zeis: Genau. Ich hatte nach meinem Hochschulabschluss bei einem lokalen Energieversorgungsunternehmen angefangen und das erste Nahwärmenetz mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in der Kreisstadt aufgebaut. Irgendwann in der Mittagspause sah ich in der Kantine der Kreisverwaltung den Landrat, setzte mich zu ihm an den Tisch und erzählte ihm, dass man so etwas überall im Landkreis realisieren könne. Der Landrat bat mich, ein Konzept zu entwickeln. Ich hatte damals auch einen Lehrauftrag an der Fachhochschule Bingen und habe dann zusammen mit meinem Professor dieses Konzept entwickelt, das die Kreisgremien überzeugte. Ein halbes Jahr später wurde die EDG gegründet. Der Landkreis Mainz-Bingen war damit Vorreiter und Pionier in diesem Bereich. Inzwischen betreiben wir 120 Blockheizkraftwerke und leisten eine dezentral hocheffiziente Energieversorgung in Kombination mit Photovoltaikanlagen sowie auch einer Vielzahl von erneuerbaren Bioenergieanlagen zur Wärmeversorgung von Gebäuden und Quartieren.

Wirtschaftsforum: In welchen Bereichen ist die EDG tätig?

Christoph Zeis: Hauptgeschäftsfeld ist Contracting in öffentlichen Liegenschaften mittels hocheffizienter und erneuerbarer Energieversorgung. Der zweite Bereich ist die Nahwärmeversorgung von Wohngebieten, die zunehmend auch auf Basis oberflächennaher Geothermie erfolgt. Hier hat sich eine hohe Nachfrage entwickelt. Des Weiteren bieten wir Ingenieurdienstleistungen und Beratung an.

Wirtschaftsforum: Wie sieht es für die EDG aktuell in der Corona-Krise aus und mit welchen Strategien begegnen Sie ihr?

Christoph Zeis: Da Strom und Wärme immer gebraucht werden, macht sich die Corona-Krise für uns vornehmlich dadurch bemerkbar, dass es nur noch sehr reduzierte persönliche Geschäftskontakte gibt. Ansonsten läuft alles wie gehabt, aber eben mit Telko- und Videokonferenzen. Wir setzen aber in jedem Fall darauf, unser Geschäftsmodell weiter auszubauen und uns noch mehr auf die erneuerbaren Energien im Wärmebereich zu fokussieren. Die KWK basiert aktuell wesentlich noch auf Erdgas, aber wir wollen hier zunehmend erneuerbar auf dem Weg sein, Stichwort Wasserstoff und Biogas. Ein gutes Drittel unseres Brennstoffmixes ist bereits erneuerbar, deutschlandweit liegt hier der Durchschnitt lediglich bei etwa 14% im Wärmesektor. Insofern sind wir schon deutlich weiter und wollen das auch weiter ausbauen.

Wirtschaftsforum: Was war Ihre wichtigste unternehmerische Entscheidung?

Christoph Zeis: Das war auf jeden Fall die dezentrale Energieversorgung durch Contracting. So kommt Fachkompetenz in komplexe Strukturen der Gebäudeversorgung. Wir sparen hierauf basierend inzwischen weit über 50.000 t CO2 ein; Tendenz steigend. Für diesen Einsatz erfahren wir auch hohe Anerkennung: Wir haben bereits 2019 den begehrten internationalen ‘Energy Efficiency Award’ der Deutschen Energie-Agentur (dena) für unser Energieeffizienznetz am Flughafen Hahn zur Wärmeversorgung der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz erhalten und sind mächtig stolz, dass wir auch in 2020 – ganz aktuell – erneut diesen Titel mit unserem Energieeffizienzcluster am Schulzentrum Nieder-Olm verteidigt haben. Das bestätigt uns sehr und motiviert uns, den richtigen Weg zur Erreichung der Klimaschutzziele konsequent weiterzugehen.

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