Brücken bauen für die Zukunft

Interview mit Martin Dickmann, Geschäftsführer der Claus Queck GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dickmann, seit über 60 Jahren steht der Name Claus Queck für wirtschaftliche, umweltfreundliche und moderne Stahlkonstruktionen – welche Anwendungsfelder stehen heute im Zentrum Ihrer Aufmerksamkeit? 

Martin Dickmann: Im Infrastrukturbau engagiert sich unser Unternehemen grundsätzlich in zwei Segmenten: So kommen unsere Stahlkonstruktionen bei Lärmschutzmaßnahmen im Kontext von Autobahnen sowie Schienenverkehrsstrecken zum Einsatz. Der wirklich zentrale Schwerpunkt unserer Geschäftstätigkeit liegt jedoch inzwischen im Brückenbau. Beiden Anwendungsfeldern ist dabei gemeinsam, dass jedes Bauwerk vollkommen individuell gestaltet wird, was von der Werkstattplanung bis zur Bauausführung so gut wie keinerlei Standardisierung erlaubt. Denn hierzulande ist wirklich jedes Projekt einzigartig. Durch unsere strategische Schwerpunktsetzung auf den Infrastrukturbau stehen wir primär mit anderen deutschen mittelständischen Unternehmen im Wettbewerb, sodass wir die strukturellen Nachteile des Standorts Deutschlands weniger deutlich zu spüren bekommen als international agierende Marktteilnehmer.
 

Wirtschaftsforum: Gerade im Brückenbau besteht in Deutschland ein immenser Investitionsnachholbedarf. Dem steht in letzter Zeit eine allgemein rückläufige Entwicklung bei der allgemeinen Bautätigkeit gegenüber. Wie bewerten Sie die aktuelle Marktlage? 

Martin Dickmann: Wir können erste Anzeichen spüren, dass sich der Investitionsstau etwas verringert. Gleichzeitig ist die Zurückhaltung der ausschreibenden Stellen angesichts des tatsächlichen Bedarfs nach wie vor noch zu hoch. Das liegt jedoch nicht allein an Fragen der Finanzierungsmöglichkeiten beziehungsweise der Kassenlage der öffentlichen Haushalte, sondern vielfach auch am Fachkräftemangel aufseiten der öffentlichen Hand: Dort liegt der eigentliche Personalengpass, während Unternehmen wie unseres auf der operativen Ebene durchaus noch Kapazitäten hätten, um mehr Projekte umzusetzen. 

Wirtschaftsforum: Das Sondervermögen der Bundesregierung soll zusätzliche finanzielle Spielräume für Investitionen in die Infrastruktur schaffen – doch Geld allein baut eben keine Brücken. Welche Impulse erhoffen Sie sich von den neuen politischen Rahmenbedingungen? 

Martin Dickmann: Das grundsätzliche Vorhaben ist sicherlich gut und auch angenehm ambitioniert: Ich befürchte jedoch tatsächlich, dass noch viel Zeit ins Land gehen wird, bis diese Effekte wirklich auf der operativen Ebene in der Realwirtschaft, nämlich bei den ausführenden Unternehmen, ankommen werden. Dabei stehen die Claus Queck GmbH wie eine Vielzahl unserer Marktbegleiter längst bereit, um die gravierenden Probleme in unserer öffentlichen Infrastruktur zielgerichtet anzugehen. 

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt der Fachkräftemangel für Ihr Unternehmen? 

Martin Dickmann: Wir sind im Stahlbau weiterhin auf gute Handwerker mit großem fachlichen Know-how angewiesen, und gerade in Berufsfeldern wie dem Schweißen fehlt es an Nachwuchs.

Die wichtigste Maßnahme für die Claus Queck GmbH muss deshalb darin bestehen, auch als Arbeitgeber attraktiv im Markt aufzutreten. Das erreichen wir durch eine wertschätzende Firmenkultur, die wir so im Alltag auch nachhaltig mit Leben füllen. Denn zufriedene Mitarbeiter, die ihrer Familie und ihren Freunden von dem spannenden Unternehmen erzählen, für das sie tätig sind, stellen wahrscheinlich den wichtigsten Kanal dar, über den wir qualifizierte neue Arbeitskräfte gewinnen können.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für Sie auch in ökologischer Hinsicht? 

Martin Dickmann: Für uns wäre es kein Problem, Brücken aus CO2-reduziertem Stahl herzustellen. Das dafür benötigte Material ist inzwischen gut beschaffbar, auch wenn es noch nicht zu 100% aus grünem Stahl besteht – was jedoch kein ernstliches Hindernis darstellen sollte, schließlich ist jede CO2-Reduzierung an sich ja schon ein vorteilhafter Schritt. Die Nachfrage bei den ausschreibenden Stellen hat trotz der neuen technologischen Möglichkeiten jedoch noch nicht spürbar angezogen – dabei wären die Mehrkosten für CO2-reduzierten Stahl, bezogen auf den Gesamtpreis der jeweiligen Infrastrukturmaßnahme, eine völlig vernachlässigbare Größe. 

Wirtschaftsforum: Mit welchen weiteren Innovationen beschäftigt sich die Claus Queck GmbH derzeit? 

Martin Dickmann: Wir arbeiten standardmäßig mit sogenanntem Schwarzstahl, der dann in nachfolgenden Prozessen von externen Dienstleistern beschichtet wird und dabei seine individuelle Farbe erhält. Inzwischen bekommen wir jedoch auch verstärkt Anfragen zu Brückenelementen aus wetterfestem Stahl, der nach der Herstellung nicht mehr beschichtet wird und dann mit der Zeit eine rostfarbene Patina ausbildet, wie man das etwa an vielen Bauwerken in Südeuropa sehen kann. Da die Korrosionsbeschichtung damit obsolet ist, wirkt sich dieser Ansatz natürlich positiv auf die Nachhaltigkeitsbilanz aus. 

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Bau

Serielle Baukonzepte für einen veränderten Markt

Interview mit Mario Haubner, Geschäftsleiter und Stefanie Haubner, Geschäftsleiterin der Haubner Holding GmbH

Serielle Baukonzepte für einen veränderten Markt

Modulares Bauen gewinnt angesichts steigender Kosten und hoher Zinsen zunehmend an Bedeutung. Die Haubner Holding GmbH setzt dabei auf industrielle Vorfertigung, klare Prozesse und eine strategisch breit angelegte Ausrichtung. Mario…

Von der Natur inspiriert – Bambus­lösungen für Architektur und Industrie

Interview mit Michael van Houten, Commercial Unit Manager DACH & NEEU der Moso International B.V.

Von der Natur inspiriert – Bambus­lösungen für Architektur und Industrie

Nachhaltige Rohstoffe prägen die Zukunft der Bau- und Werkstoffindustrie – denn klimafreundliche Materialien mit hoher technischer Leistungsfähigkeit werden weltweit zunehmend gefragt. Moso International B.V. gehört zu den Pionieren auf diesem…

Die Allrounder auf dem Bau

Interview mit Marei Kloss, Wirtschaftsfachwirtin der Kloss Bau GmbH

Die Allrounder auf dem Bau

Am Anfang standen eine Schaufel, eine Schubkarre und ein Traum: Fast 30 Jahre später ist aus der Kloss Bau GmbH ein etabliertes mittelständisches Bauunternehmen geworden, das die Herausforderungen der Zukunft…

Spannendes aus der Region Kreis Düren

Holz, Hightech, Handwerk: Verpackung für den internationalen Erfolg

Interview mit Moritz Krings, künftiger Geschäftsführer der Peter Krings GmbH & Co. KG

Holz, Hightech, Handwerk: Verpackung für den internationalen Erfolg

Seit über 160 Jahren steht die Peter Krings GmbH & Co. KG aus Stolberg für Kompetenz in der industriellen Holzverpackung. Aus einem einstigen Sägewerk entwickelte sich ein moderner Industriedienstleister, der…

Der Spirit macht‘s

Interview mit Anemone Zabka, Geschäftsführerin der Schumacher Lager und Logistik GmbH

Der Spirit macht‘s

Mit der zunehmenden Globalisierung des Handels und einer steigenden Nachfrage nach frischen und empfindlichen Produkten wächst der Markt für temperaturgeführte Transporte kontinuierlich. Fortschritte in der Kühltechnologie und die steigende Bedeutung…

„Die Form muss der Funktion folgen –  im Krankenhausbau ganz besonders!“

Interview mit Christina Ladikos, Geschäftsführerin der BFT Planung GmbH

„Die Form muss der Funktion folgen – im Krankenhausbau ganz besonders!“

Was haben Industriebauten, Krankenhäuser und öffentliche Gebäude gemeinsam? Neben der starken Funktionsorientierung, die bei ihrer Planung, Errichtung und Nutzung unerlässlich ist, liegt auf diesen drei Gebäudetypologien auch der Tätigkeitsschwerpunkt der…

Das könnte Sie auch interessieren

Wenn Technik Kultur berührt

Interview mit Franca Borzaga, Gründungspartnerin und Mitglied des Verwaltungsrats Metal Working S.r.l.

Wenn Technik Kultur berührt

Aufzüge sind Alltagsinfrastruktur – bis sie plötzlich zum Prestigeprojekt werden: etwa dann, wenn ein Lift ins Kolosseum integriert werden soll, ohne jahrtausendealte Mauern anzutasten. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich…

„Unsere Stärke ist die Vielfalt“

Interview mit Alessio Nicoletti, Geschäftsführer der Torneria Nicoletti S.r.l. und Luigi Nicoletti, CEO und Sales Manager der Torneria Nicoletti S.r.l.

„Unsere Stärke ist die Vielfalt“

Seit Jahrzehnten ist die metallverarbeitende Industrie im Wandel – technologische Fortschritte, neue Anforderungen in puncto Nachhaltigkeit und ein sich ständig veränderndes geopolitisches Umfeld fordern Unternehmen heraus. Doch es gibt Familienbetriebe,…

Futuristische Fassaden im Bau

Interview mit Jürgen Zinka, Geschäftsführer der MBM Metallbau Mörtl GmbH

Futuristische Fassaden im Bau

Kaum ein anderer Materialmix entspricht der modernen Bauästhetik so gut wie Stahl, Glas und Aluminium. In diesem Bereich punktet die MBM Metallbau Mörtl GmbH, ein traditionsreicher Familienbetrieb, durch eine Kombination…

TOP