Wurzeln, die tragen – Wachstum mit Bestand

Interview mit Kilian Sohm, Geschäftsführer der Sohm HolzBautechnik GmbH

Stabil, verwurzelt und beständig: Wie ein Baum ist auch Sohm HolzBautechnik über die Jahre gewachsen. Im Jahr 1990 gründete Thomas Sohm im Bregenzerwald einen Zimmereibetrieb, der von Anfang an für solides Handwerk und regionale Stärke stand. Heute, mehr als drei Jahrzehnte später, ist daraus ein international tätiges Holzbauunternehmen mit rund 110 Mitarbeitenden an drei Standorten geworden – in Alberschwende in Österreich, in Bellenberg in Deutschland und in der Schweiz. „Wir sind immer organisch gewachsen, Schritt für Schritt“, sagt Kilian Sohm, der das Unternehmen heute in 2. Generation führt. „Es gab nie den einen großen Sprung, sondern viele kleine, so wie unser Gebäude, das über die Jahre immer wieder erweitert wurde.“ Diese Haltung des stetigen, gesunden Wachstums zieht sich durch alle Bereiche: Aus der Zimmerei wurde ein Anbieter für ganzheitliche Holzbaulösungen von der Planung bis zur schlüsselfertigen Übergabe. Ob Einfamilienhaus, Gewerbebau oder großvolumiges Wohnprojekt: Sohm HolzBautechnik begleitet die Projekte von der Idee bis zur Umsetzung.

Innovation mit Wurzeln

Ein entscheidender Wendepunkt kam 2001 mit der Entwicklung des DiagonalDübelholz, einer Eigeninnovation, die den Massivholzbau revolutionierte. Dabei werden massive Holzlamellen ohne Leim, allein durch Hartholzdübel, diagonal miteinander verbunden. Das Ergebnis: ein diffusionsoffenes, ökologisches und sichtbares Massivholzelement. „Das ist einer unserer USPs, ein echter Meilenstein“, so Kilian Sohm. „Damit können wir zeigen, dass Innovation nicht nur aus großen Industriebetrieben kommen muss. Wir haben etwas Eigenes geschaffen – aus der Praxis heraus, mit dem Ziel, nachhaltiger und ehrlicher zu bauen.“ Seit 2009 produziert Sohm alle Vorprodukte im eigenen Haus. Durch die eigene Keilzinkanlage können Rohhölzer aus regionalen Sägewerken verarbeitet werden. Vom Brett bis zum fertigen Bauelement bleibt die Wertschöpfung im Betrieb. So entsteht eine Kombination aus Technik, Regionalität und Nachhaltigkeit, die das Unternehmen seither prägt.

Partnerschaftlich gewachsen

Auch in der Unternehmensstruktur ist Sohm HolzBautechnik gewachsen. 2013 trat die Rhomberg Bau GmbH aus Bregenz als Gesellschafter ein, 2022 wurde die Beteiligung auf 75% erhöht. Für Sohm war das ein logischer Schritt, kein Bruch. „Damals war die Nachfolge unklar – ich war noch nicht im Unternehmen“, erzählt der Geschäftsführer. „Mit Rhomberg haben wir den idealen Partner gefunden: regional verwurzelt, wirtschaftlich stark und menschlich auf Augenhöhe.“ Die Partnerschaft bringt Stabilität und Synergien, etwa durch gemeinsame Nutzung von Ressourcen in Buchhaltung, IT, HR und Projektentwicklung. Gleichzeitig bleibt das Unternehmen eigenständig. „Wir können eigenständig entscheiden. Das Vertrauen ist da, und das ist für mich das Wichtigste.“ Das Zusammenspiel von familiärer Unternehmenskultur und professioneller Konzernstruktur ist heute ein entscheidender Erfolgsfaktor. Es erlaubt Effizienz, ohne den Charakter eines Familienbetriebs zu verlieren.

Menschen machen Holzbau

Trotz aller Technik bleibt Holzbau Handwerk – und Handwerk lebt von den Menschen, die es ausführen. „Das Wertvollste für uns sind unsere Mitarbeitenden“, sagt Kilian Sohm. „Das Know-how, das wir über Jahrzehnte aufgebaut haben, liegt bei ihnen – das ist unbezahlbar.“ Das Unternehmen setzt stark auf eigene Lehrlingsausbildung. Jedes Jahr beginnen mehrere junge Menschen in Alberschwende ihre Karriere im Holzbau, viele bleiben langfristig. „Wir bilden nicht nur Fachkräfte aus, sondern Menschen, die sich mit uns identifizieren“, betont der Geschäftsführer. In den vergangenen Jahren wurde zudem viel getan, um den Arbeitsalltag familienfreundlicher zu gestalten: Jeder zweite Freitag ist frei, Rückfahrten von Baustellen werden bezahlt, Gehälter vorausschauend angepasst. „Wir wollen, dass unsere Leute gerne hier sind, aus Überzeugung, nicht aus Pflicht.“ Das Ergebnis ist spürbar: hohe Loyalität, geringe Fluktuation, echte Gemeinschaft – und damit die Basis für die Qualität, auf die sich Kunden verlassen können.

Nachhaltig denken

Holzbau ist mehr als ein Trend – er ist Ausdruck einer Haltung. „Vor zehn Jahren war Holz noch eine ökologische Nische, heute ist es auf Augenhöhe mit Beton“, sagt Kilian Sohm. Politische Förderung und wachsendes Umweltbewusstsein haben diese Entwicklung beschleunigt. Nachhaltigkeit ist bei Sohm keine Floskel, sondern gelebte Praxis: kurze Wege, ressourcenschonende Produktion, langlebige Konstruktionen. Parallel dazu schreitet die Digitalisierung voran, von der Planung über die Arbeitsvorbereitung bis hin zur Montage. „Wir gehen bewusst Schritt für Schritt“, erklärt Kilian Sohm. „Digitalisierung soll den Menschen unterstützen, nicht belasten.“ So verbindet Sohm HolzBautechnik moderne Technologie mit handwerklicher Präzision – und schafft eine Brücke zwischen Zukunft und Tradition.

Ausblick mit Bodenhaftung

Die Auftragslage ist gut, die Nachfrage nach Holzbauprojekten in der DACH-Region bleibt stabil. Dennoch denkt der Geschäftsführer langfristig – und mit Maß. „Wir wollen nicht einfach größer werden. Uns geht es darum, die Qualität zu halten – für unsere Kunden wie für unsere Mitarbeiter.“ Wachstum um jeden Preis passt nicht zur Philosophie des Unternehmens. Das Jahr 2026 steht im Zeichen von Konsolidierung und Weiterentwicklung: klare Strukturen, eigenverantwortliche Teams und eine engere Zusammenarbeit der Standorte. „Wir wollen ein Unternehmen sein, das stabil ist, aber beweglich bleibt – wie Holz selbst.“ Kilian Sohms Antrieb lässt sich einfach zusammenfassen: „Wenn jemand nach 20 Jahren sagt, er hat bei uns gebaut und immer noch begeistert ist, dann ist das das schönste Lob. Das ist der Moment, in dem man spürt, dass man etwas richtig gemacht hat.“

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