„Die Leute müssen überrascht sein, nicht nur zufrieden!“

Interview mit Frank Kowalski, Geschäftsführer der Bruchsaler Tourismus, Marketing & Veranstaltungs GmbH

Ein neuer Anfang: Vom Sport zur Stadtvermarktung

Frank Kowalski, einst tief im Sportbusiness verwurzelt, wagte mit Mitte 50 einen mutigen Schritt. Er verließ die Welt der Sportvermarktung und widmete sich einer neuen Herausforderung: dem Stadt- beziehungsweise Standortmarketing. Seit 2020 leitet er als Geschäftsführer die Bruchsaler Tourismus, Marketing & Veranstaltungs GmbH, eine 100%tige Tochter der Stadt. Unter seiner Führung entwickelt sich die GmbH von einer strikten Verwaltungsorientierung zu einem modernen Dienstleister.

Frank Kowalski weist darauf hin, wie wichtig es war, die starren Strukturen der Verwaltung zu durchbrechen und das Unternehmen agiler und flexibler zu gestalten. Dieser Wandel, dessen Ergebnisse in der Region mittlerweile große Beachtung finden, war nicht nur für ihn persönlich, sondern auch für das gesamte Team eine Herausforderung.

Strukturanpassung und Qualität als Unterscheidungsmerkmal

Essenziell waren und sind Strukturanpassungen, die mithilfe des sogenannten EU-Betrauungsaktes die betrieblichen Leistungen des Defizitärbetriebes in einen Allgemeinbetrieb und in einen Wirtschaftsbetrieb aufteilen. Von städtischer Seite zuwendungsfähig sind dabei ausschließlich Aufgaben des Allgemeinbetriebes, bei denen die Gesellschaft keinen Mitbewerber hat.

Darunter fällt beispielsweise der Betrieb des eigenen Kultur- und Veranstaltungszentrums oder alle Aktivitäten im Tourismus. Unter den Wirtschaftsbetrieb fallen beispielsweise alle Vermietungen und Verpachtungen der GmbH eigenen Immobilien oder Events bei denen die BTMV als Veranstalter auftritt. Gesellschaftsvertrag und Geschäftsordnung wurden ebenfalls angepasst, damit die Geschäftsführung mehr Flexibilität erhält und sich die frühere Verwaltungseinheit immer mehr zur Dienstleistungsagentur entwickeln kann. Für die 35 Voll- und Teilzeitkräfte bedeutet das, dass bei Neuanstellungen in der Regel keine TVÖD-Verträge mehr angeboten werden. Über die normale Personalfluktuation können somit mehr und mehr marketingorientierte Arbeitskräfte gewonnen werden.

Vertikale Strukturen wurden durch agiles Projektmanagement ersetzt und jedes Projekt zahlt auf eine neu geschaffene Kommunikationsmarke ein: „Bruchsal erleben“. Diese Marke wird immer mehr von den potenten Unternehmen vor Ort angenommen und unterstützt – der Markenkern der Stadt Bruchsal wandelt sich in diese positive Ausrichtung. Frank Kowalski betont den Unterschied zu privaten Anbietern: „Ein Privater spart Kosten und ist renditeorientiert. Wir hingegen sind marketingorientiert und zielen darauf ab, kostendeckend zu arbeiten und immer einen Mehrwert für den Standort zu generieren.“

Er ist stolz darauf, dass die GmbH nicht nur Produkte verkauft, sondern auch Erlebnisse schafft, die den Besuchern in Erinnerung bleiben.

Innovation und Genuss: Die Säulen des Erfolgs

Für die Bruchsaler Tourismus, Marketing & Veranstaltungs GmbH sind zwei Themen zentral: Innovation und Genuss. Diese beiden Aspekte definieren die Marke der Stadt nach außen. Das Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch den Tourismus in Bruchsal neu zu definieren, wobei der Fokus auf Tages- und sanftem Tourismus liegt.

Großprojekte wie das ʻ300 Jahre Schloss Bruchsal’-Festival, bei dem eine Arena mit 2800 Sitzplätzen aufgebaut wurde, zeugen von der Innovationskraft des Unternehmens. Frank Kowalski sieht in solchen Projekten nicht nur eine Möglichkeit, den Tourismus zu fördern, sondern auch die lokale Wirtschaft zu stärken – immer im Blick, eine hohe Stadtrendite zu erzielen. Die Gesellschaft hat im Mai 2023 auch den Betrieb und die Vermarktung eines volldigitalen Wohnmobilparks in Bruchsal übernommen.

Digitalisierung: Chancen und Herausforderungen

Frank Kowalski erkennt in der Digitalisierung viele Chancen, sieht aber auch die Herausforderungen. Digitalisierung darf seines Erachtens nicht zum Selbstzweck werden. Dennoch ist er überzeugt, dass die Digitalisierung der Schlüssel zu einem noch erfolgreicheren Stadtmarketing ist. „Die Digitalisierung ist für uns in der Außendarstellung ein wichtiges Thema“, unterstreicht der Geschäftsführer. Mit gezielten Online-Kampagnen und der Nutzung sozialer Medien kann die Reichweite erhöht und eine jüngere Zielgruppe angesprochen werden.

Ein Blick in die Zukunft: Europameisterschaft und mehr

Die Zukunft sieht vielversprechend aus. Für das kommende Jahr plant die GmbH im Zuge der Fußball-Europameisterschaft eine ʻEuropa Landschaft’ im Park von Bruchsal. Mit Public Viewing, einer Kulturbühne und einem Beach Café wird ein umfassendes Erlebnis für die Besucher geschaffen. Frank Kowalski ist überzeugt: „Die Leute müssen überrascht sein und nicht nur zufrieden.“ Nur so wird jeder Einzelne motiviert, das Positive nach außen zu tragen und damit zum wichtigen Marketingfaktor eines modernen Standortmarketings.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

ISM 2026: Neue Formate als Innovationstreiber der Süßwarenbranche

Interview mit Oliver Frese, COO der Koelnmesse GmbH

ISM 2026: Neue Formate als Innovationstreiber der Süßwarenbranche

Die ISM 2026 setzt neue Akzente für die internationale Süßwaren- und Snackbranche. Mit der Einführung der ISM Ingredients und dem Ausbau der Markenfamilie rückt die gesamte Wertschöpfungskette stärker in den…

Genug Energie für mehr

Interview mit Thomas Stephanblome, CEO der GETEC Deutschland

Genug Energie für mehr

Ambitionierte Klimaziele, volatile Energiemärkte, steigende Energiekosten, immer strengere Regulierung: Viele Unternehmen stehen unter hohem Druck. Energie-Contracting wird dabei zu einem entscheidenden Hebel. GETEC begleitet Industrie, Immobilienwirtschaft und öffentliche Einrichtungen als…

Neustart mit Hochdruck

Interview mit Torben Bech, Geschäftsführer der DYNAJET A/S

Neustart mit Hochdruck

Als URACA GmbH die Schließung ihrer Tochter DYNAJET GmbH ankündigte, schien das Aus für die 25 Jahre alte Marke besiegelt. Doch dann kam Torben Bech. Der dänische Ingenieur…

Spannendes aus der Region Landkreis Karlsruhe

Ein Konzept für die Energiewende

Interview mit Sebastian Haag, Geschäftsführer der Stadtwerke Bruchsal GmbH

Ein Konzept für die Energiewende

In Zeiten der Wärmewende und massiv gestiegener Energiekosten stehen Stadtwerke als kommunale Grundversorger landauf, landab unter Druck. Die Stadtwerke Bruchsal haben nun in einem detaillierten Konzept vorgestellt, wie die Energiewende…

„Zähneputzen als kleine  Auszeit“

Interview mit Ludwig Popp, Country Manager Deutschland der Curaden Germany GmbH

„Zähneputzen als kleine Auszeit“

Mundpflege ist für die Curaden Germany GmbH aus Stutensee viel mehr als nur Zähneputzen. Das Unternehmen setzt auf Prävention und bietet ein umfassendes Sortiment an Mund- und Zahnpflegeprodukten. Ludwig Popp,…

Persönlich, pragmatisch und direkt: Die Partner für die Mittelspannung

Interview mit Anna-Lena Hochuli, Betriebsleitung und Samira Dupuis, Assistenz der Geschäftsführung der Energie Technik Becker GmbH

Persönlich, pragmatisch und direkt: Die Partner für die Mittelspannung

Energie Technik Becker baut und wartet bundesweit Trafostationen und bietet als gewachsener Handwerksbetrieb noch viele weitere Leistungen im Nieder- und Mittelspannungsbereich an: Wie sich der gewachsene Elektrotechnikdienstleister dabei auch die…

Das könnte Sie auch interessieren

Neue Kapazitäten für ökologische Brennstoffe der Zukunft

Interview mit Geert Arnoldussen, COO der Vesta Terminals B.V.

Neue Kapazitäten für ökologische Brennstoffe der Zukunft

Die Energiewende ist in vollem Gange und die niederländische Vesta Terminals B.V. leistet ihren Beitrag dazu. Das Unternehmen mit Sitz in Utrecht sowie Tanklagern in den Häfen von…

Factoring geht nicht ohne Vertrauen

Interview mit Adelheid Wolf, Geschäftsführerin der adesion Factoring GmbH

Factoring geht nicht ohne Vertrauen

Adelheid Wolf hat ihre gesamte Karriere im Factoring verbracht. Als Geschäftsführerin und Mitunternehmerin bei adesion Factoring will sie ihre Kunden durch dieses wirkmächtige Finanzierungsinstrument systematisch bei deren weiterem Wachstum unterstützen.…

„Die Wasserversorgung ist gesichert – aber es muss investiert werden!“

Interview mit Dr. Kristina Baillot, Geschäftsführerin der IWW Institut für Wasserforschung gGmbH

„Die Wasserversorgung ist gesichert – aber es muss investiert werden!“

Das IWW Institut für Wasserforschung sitzt an der neuralgischen Stelle zwischen Forschung und Praxis und unterstützt Wasserversorger interdisziplinär bei der Steigerung ihrer Resilienz, der Analyse ihrer Wasserqualität und der Implementierung…

TOP