Leuchtende Beispiele – auch für den deutschen Markt

Interview mit Alfred Huemer, Geschäftsführer der HUBER Signage Austria GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Huemer, HUBER Signage ist seit 1987 Teil Ihres Familienunternehmens, der heutigen HUEMER Infomotion Group, HIG. Wie hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren entwickelt?

Alfred Huemer: Als Werbetechnik-Unternehmen sind wir mittlerweile neben Mitteleuropa auch in Südosteuropa und den Arabischen Emiraten vertreten und haben Produktionen in Bosnien, der Slowakei, Slowenien und Kroatien. Wir haben auch eine eigene Ladenbaufirma, die komplette Shops und Supermärkte einrichtet. HUBER Signage hat sich sehr in die Breite entwickelt. Neben Schild- und Lichtwerbung bieten wir unter anderem Digital Signage-Lösungen, Leit- und Orientierungssysteme sowie Außenwerbeanlagen. Im Digitalbereich wollen wir, ebenso wie bereits bei der Beschilderung, in Österreich Marktführer werden. Wir produzieren fast alles inhouse und sind dadurch extrem flexibel. Aktuell konzentrieren wir uns auf KI-Spezifikationen und lassen uns von externen Spezialisten beraten. Rund 200 Mitarbeiter sind heute im Unternehmen beschäftigt. Unser Jahresumsatz liegt bei 32 Millionen EUR.

Wirtschaftsforum: Leiden Sie auch unter dem Fachkräftemangel?

Alfred Huemer: Davon bleiben auch wir nicht verschont. Die Jugend will nur studieren, aber niemand will in der Dienstleistung arbeiten. Unsere Werkstätten und Produktionen mussten wir auslagern in die Slowakei und nach Bosnien. Dort ticken die jungen Leute noch anders; sie wollen noch durch Leistung Geld verdienen. In Österreich – und auch in Deutschland – fahren wir mit Vollgas gegen den Baum. Es wird Jahre dauern, unserer Jugend beizubringen, dass wir nur mit Work-Life-Balance und sechs Stunden Arbeit nicht das erhalten können, was vorangegangene Generationen aufgebaut haben. Mit einer 30-Stunden-Woche können wir nicht konkurrenzfähig sein.

Wirtschaftsforum: In Österreich gibt es eine neue Regierung. Haben Sie an diese bestimmte Erwartungen?

Alfred Huemer: Ich bin froh, dass wir den Mut zu einer neuen Regierung haben, die hoffentlich neue Ideen hat. Wir haben eine so hohe Staatsverschuldung, dass wir uns vor der EU verantworten müssen. So kann man nicht weitermachen. Wir dürfen auch nicht sinnlos Milliarden an Fördergeldern ausschütten, die nicht notwendig sind oder nie dort ankommen, wo sie nötig wären.

Wirtschaftsforum: Werfen wir noch einen Blick in die Zukunft. Welche Vision haben Sie von Ihrem Unternehmen?

Alfred Huemer: Mit 65 steht für mich jetzt eine nahtlose Übergabe an die nächste Generation, meinen Sohn und einen weiteren Geschäftsführer, im Vordergrund. Sie sollen ihre eigenen Visionen haben. In diesen Zeiten ist es schwierig, Strategien zu entwickeln, weil wir nicht wissen, wie die Lage in zwei, drei Jahren sein wird. Es ist wichtig, immer hellhörig zu sein und den Betrieb so zu führen, dass man jederzeit Veränderungen vornehmen kann. Man muss flexibel bleiben, den Markt beobachten und neue Chancen sehen. Der Markt ist im Umbruch. Shoppingcenter werden weniger. Der stationäre Handel wird aber weiterhin seine Berechtigung haben. Ich denke, die Online-Hysterie wird irgendwann abnehmen, wegen des logistischen Aufwands. Die Waren werden von A nach B hin und her geschickt und die Straßen sind verstopft durch Lieferanten. Auch in Zukunft werden Firmen ihre Namen und Logos ändern oder Krankenhäuser und Flughäfen müssen mit neuen Orientierungssystemen ausgestattet werden. Dank unserer breiten Aufstellung sehen wir positiv in die Zukunft – auch wenn es nicht einfach wird.

Wirtschaftsforum: Was ist Ihre persönliche Motivation hinter Ihrer Geschichte?

Alfred Huemer: Die Verantwortung gegenüber unseren Kunden und unseren Mitarbeitern treibt mich immer noch an. Dazu kommt die Herausforderung, immer wieder spannende Dinge anzugehen und interessante Märkte zu erobern.

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