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Wirtschaftsforum: Willenbrock ist zu über 70% Tochter der Linde Material Handling GmbH. Welche Rolle spielt die Firma innerhalb der Gruppe?

Kai Froböse: Linde MH ist einer der weltweit führenden Hersteller von Gabelstaplern und Lagertechnikgeräten und in mehr als 100 Ländern mit eigenen Niederlassungen vertreten. In Deutschland gibt es eine Händlerorganisation mit 25 Netzwerkpartnern. Willenbrock verantwortet zwei Vertragsgebiete in Norddeutschland und 10% Marktpotenzial des deutschen Flurförderzeugmarktes.

Wirtschaftsforum: Was haben Sie neben Fahrzeugen im Portfolio?

Kai Froböse: Unser Kernprodukt war in den letzten Jahrzehnten die Fördertechnik – Linde MH bietet rund 77 Baureihen mit bis zu 382 Bauvarianten und über 10.000 Ausstattungsoptionen. Heute ist unser Dienstleistungsangebot mindestens so wichtig wie unsere Palette an innovativen Produkten. Auf dem Weg, ihre Intralogistik in Richtung Industrie 4.0 weiterzuentwickeln, begleiten wir unsere Kunden mit Produkt- und Systemangeboten, die insbesondere aus den Themenbereichen Automatisierung, Energie, Sicherheit, Intralogistik und Digitalisierung stammen. Willenbrock verfügt über eine Vielzahl an Spezialisten, die ihre Kunden beispielsweise über das wachsende Portfolio an Sicherheitsfeatures, Energiesystemen oder digitalen Lösungen beraten.

Wirtschaftsforum: Digitalisierung ist ein gutes Stichwort und natürlich ein großes Thema. Wie haben Sie sich in dieser Hinsicht aufgestellt?

Kai Froböse: Die Digitalisierung ist großer Treiber der Intralogistik. Mit ihr geht eine Verschmelzung von Fahrzeugen, sprich Hardware, und IT-Lösungen einher. Das macht Stapler und Lagertechnikgeräte nicht nur sicherer und kommunikativer, sondern auch sparsamer und produktiver. Bei Willenbrock gibt es seit Jahren einen eigenen Geschäftsbereich ‘Digitale Lösungen’, in dem wir für unsere Kunden Prozesse analysieren, optimieren, Apps entwickeln und ganze Staplerflotten ‘zum Sprechen bringen’. Auch innerhalb unseres Unternehmens hat Digitalisierung einen hohen Stellenwert. Unsere eigene Business Innovation Development Unit identifiziert im Rahmen von Thinktanks unter Beteiligung unserer verschiedenen Fachbereiche immer neue Projekte und setzt sie digital um.

Wirtschaftsforum: Was ist beispielsweise von Ihrem Bereich ‘Digitale Lösungen’ erdacht worden?

Kai Froböse: Wir haben zum Beispiel die App ‘Stapler Ruf’ entwickelt. Mit der App können Schichtleiter Fahraufträge einfach und effizient per Smartphone oder Tablet in das System eintragen und gleichzeitig dem Auftrag eine Dringlichkeit zuweisen. Die App informiert daraufhin alle verfügbaren Fahrer und gibt dem Schichtleiter Aufschluss, wer den Auftrag übernommen hat und wann er abgeschlossen ist. Wir sind stolz darauf, dass die Anwendung heute als ‘Linde Truck Call App’ weltweit von Linde MH vertrieben wird. Es gibt diverse weitere Entwicklungen, zum Beispiel eine SOLASWiegelösung für Reach Stacker und verschiedene Apps zur Optimierung von Intralogistik-Prozessen und zur Unterstützung der Sicherheit im innerbetrieblichen Materialfluss. Sicherheit und ‘Vision Zero’ sind ein weiteres Schwerpunktthema für uns. Zur Verfügung stehen unterschiedlichste Assistenzsysteme, Lichtlösungen, Apps, Zugangskontrollen, spezielle Modelle wie der sichtoptimierte Linde Roadster oder die strukturierte Sicherheitsberatung ‘Safety Scan’: Sie alle tragen dazu bei, Risiken für Personen zu vermeiden sowie Beschädigungen an Fahrzeugen, Einrichtungen und Waren zu verhindern und damit die Vision einer unfallfreien Logistik Realität werden zu lassen.

Wirtschaftsforum: Dann liegt Ihnen sicherlich auch das Wohlbefinden der eigenen Leute am Herzen. Inzwischen arbeiten knapp 600 Mitarbeiter für das Unternehmen. Wie locken Sie die besten Talente an?

Kai Froböse: Der Fachkräftemangel ist natürlich auch bei uns angekommen und wir arbeiten stetig daran, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Mein Slogan ist: Es geht nicht nur darum, einen sicheren Arbeitspatz zu haben, sondern auch ein dynamisches und wertschätzendes Umfeld. Das fängt an mit IT-Systemen und geht über unsere eigene WillenbrockAkademie, ausgewogene Work-Life-Balance, flexible Arbeitszeitmodelle, Firmenfitness und Firmenfahrräder, Obst- und Salat-Angebote bis hin zu Programmen zur individuellen Mitarbeiterentwicklung. Unsere Mitarbeiter haben eine sehr hohe Identifikation mit unserem Unternehmen, denn wir bieten ihnen Perspektiven. Wir bilden selbst aus, über 30 Auszubildende und duale Studenten haben wir im technischen und kaufmännischen Bereich. Unser Ansatz, unsere eigenen Fach- und Führungskräfte zu entwickeln, geht auf: In allen Unternehmensteilen finden sich heute frühere Auszubildende – an Positionen vom Servicetechniker über den Controller bis zum Prokuristen. Bei Willenbrock sind 20-jährige Dienstjubiläen keine Seltenheit.

Wirtschaftsforum: Ihre Produkte sprechen eigentlich alle Branchen an. Was können Ihre Kunden in den nächsten Jahren von Ihnen erwarten?

Kai Froböse: Stark gewachsen ist die Nachfrage nach unterschiedlichen Automatisierungsformen. Willenbrock entwickelt für seine Kunden passgenaue Lösungen, die von flexiblen, automatisierten Lagertechnikgeräten über vollautomatische Anlagen und Softwarelösungen bis hin zu einem umfangreichen Beratungs- und Projekt-Know-how reichen. Nachhaltigkeit ist in allen Industrien ein großes Thema. Bei Linde MH steckt der Nachhaltigkeitsgedanke seit jeher im Produkt, und wir arbeiten kontinuierlich daran, die Umwelteigenschaften von Flurförderzeugen zu verbessern. Dabei geht es vor allem um die Emissionsminderung bei Diesel- und Treibgasstaplern. Aber auch hoch performante Elektrostapler mit geringem Energieverbrauch und die Entwicklung alternativer Antriebe sind relevant. Ein großes Entwicklungsfeld stellt der Themenbereich Energie dar. Im Fokus steht die Lithiumionen-Batterietechnik. Nachdem die Palette an Lithiumionen-Modellen im Traglastbereich bis 8 t komplett ist, konzentrieren sich die aktuellen Entwicklungen auf digitale Beratungstools sowie Batterieausführungen und Ladetechnik. Gleichzeitig treibt Linde Material Handling die Entwicklung der zukunftsträchtigen Brennstoffzellentechnologie bei Flurförderzeugen voran.

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